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Digitale Verwaltung für mehr Bürgernähe

Die digitale Transformation verändert die öffentliche Verwaltung nachhaltig. Eine erfolgreiche digitale Modernisierung von Staat und Verwaltung ist entscheidend für einen resilienten, handlungsfähigen Staat und eine moderne, souveräne Zivilgesellschaft, denen Bürgernähe und Wirkungsorientierung wichtig sind. Eine Digitalisierung der Verwaltung verspricht effizientere Abläufe, vereinfachte Zugänge, Kosteneinsparungen, mehr Transparenz und verbesserte Services für die Bürger*innen.

Überzeugende Leitbilder und ambitionierte Ziele für eine digitale Zeitenwende

Wir brauchen in Deutschland eine digitale Zeitenwende zur Staatsmodernisierung, um unsere Freiheit, unsere Demokratie und unseren Wohlstand zu sichern. Denn unsere Welt ist durch Dekarbonisierung, demografischen Wandel und Digitalisierung eine andere geworden. Dafür braucht es überzeugende Leitbilder zur digitalen Transformation des Staates, ambitionierte Ziele und passende Maßnahmen.

Eine Digitalstrategie muss zur Zielerreichung beitragen und Anreize zur Modernisierung durch Performance-Management setzen, um Verwaltungsprozesse effizienter zu gestalten, indem korrektes und schnelles Handeln unter Zuhilfenahme von Kenngrößen erkannt und befördert wird. Die Wirkungsorientierung muss so in den Mittelpunkt gerückt werden. Noch so viele Leuchttürme machen uns nicht dauerhaft digitaler, wenn sie alle immer wieder abgeschaltet werden. Der Fokus muss sich von isolierten Digitalisierungsprojekten hin zu einem lebenszyklusorientierten Produktmanagement verschieben.

Bessere Standardisierung und Prozessmanagement

Zur Gewährleistung von durchgängiger Interoperabilität muss Standardisierung als Instrument für kontinuierliche Verbesserung auf rechtlicher, organisatorischer, semantischer und technischer Ebene konsequent genutzt werden. Das Erreichen von semantischer Interoperabilität im Sinne des Gesetzes für ein interoperables Europa ist eine wichtige Grundlage. Standards, Daten, Informationen und Prozesse müssen basierend auf Gesetzesgrundlagen maschinen-interpretierbar (Wissensgraphen) und interoperabel für alle offen zur Verfügung gestellt und verwendet werden.

Wir brauchen mutige Gestaltende und aktive Gestaltung der digitalen Transformation, keine Bestandsverwaltung. Es bedarf einer digitalen Zeitenwende mit Standardisierung, Fehlertoleranz und Experimentierfeldern. Das Einfordern von Standards erhöht die Interoperabilität und vermindert die Abhängigkeiten von Dritten. Fehlertoleranz und sichere Räume für innovative Experimente eröffnen Innovationsfelder für eine echte digitale Zeitenwende mit Transfer in die Fläche.

Prozessmanagement muss neu entdeckt werden: Personalmangel und begrenzte Ressourcen zwingen zu Produktivitätssteigerungen. Systematisches und konsequentes Prozessmanagement muss flächendeckend in den Behörden verankert werden und die Grundlage für Prozessautomatisierung bilden.

Qualifiziertes IT-Personal in der Verwaltung

Die digitale Transformation der Verwaltung gelingt nur mit entsprechend qualifiziertem Personal. Daher müssen zur Personalentwicklung kontinuierliche Schulungs- und Weiterbildungsprogramme für Führungskräfte und alle Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung ausgebaut werden, um digitale Kompetenzen zu fördern und die Akzeptanz auch neuer Technologien (aktuell insbesondere künstlicher Intelligenz) zu erhöhen.

Um die digitale Zeitenwende sicher und vertrauenswürdig zu gestalten, müssen Datenschutz und Informationssicherheit als Kernkomponenten der digitalen Verwaltung etabliert sein. Dies erfordert robuste Sicherheitsarchitekturen, kontinuierliches Monitoring und umfassende Datenschutzmaßnahmen, die sowohl auf Ebene der EU, des Bundes, der Länder und der Kommunen standardisiert als auch durchgesetzt werden. 

Stärkere Bürgerbeteiligung und Nachhaltigkeit

Ein erfolgreicher digitaler Wandel der Verwaltung erfordert Transparenz, Teilhabe und Mitwirkung. Durch transparente Prozesse und Plattformen zur Bürgerbeteiligung müssen Bedürfnisse und Feedback der Nutzer und Bürger besser integriert und die Akzeptanz von digitalen Verwaltungsdiensten gesteigert werden.

Die digitale Transformation der Verwaltung muss auch ökologische Aspekte berücksichtigen. Die Implementierung umweltfreundlicher Technologien und nachhaltiger Praktiken in der IT-Infrastruktur sowie in Verwaltungsprozessen ist essenziell, um die ökologische Bilanz der öffentlichen Verwaltung zu verbessern und die Klimaneutralität zu erreichen. Digitale Transformation und Nachhaltigkeitstransformation sollten im Rahmen einer Twin-Transformation-Strategie miteinander verknüpft werden.

Die öffentliche Verwaltung muss aktiv in Forschung und Entwicklung investieren, um innovative Lösungen und Technologien zu fördern. Kooperationen mit akademischen Institutionen, Forschungseinrichtungen und der Privatwirtschaft können dazu beitragen, dass neue Ideen schneller in die Praxis umgesetzt werden.

Eine nachhaltige digitale Zeitenwende erfordert ausreichende finanzielle Mittel. Es ist notwendig, klare Investitionspläne und Budgets für die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung zu erstellen und sicherzustellen, dass diese Mittel effektiv und effizient eingesetzt werden.

Digital by Default

Digital by Default bedeutet, dass digitale Lösungen und Prozesse als Standard und erster Ansatz für die Erbringung von Verwaltungsleistungen und die Gestaltung von Arbeitsabläufen betrachtet werden. Gleichzeitig ist essenziell, dass die Leistungen und Prozesse vollständig digital und digital zu Ende gedacht werden, um von bisherigen Flickenteppichen, Insellösungen in Klein-Klein weg zu kommen.

Daten sollten von Anfang an mitgedacht und nach dem FAIR-Prinzip (auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar) in hoher Qualität zur Verfügung gestellt werden. Zudem müssen Daten und Datenräume als weitreichende Chancen zur Optimierung des Verwaltungsalltags verstanden und genutzt werden.

Das IT-Sourcing braucht einen mutigen Neustart: Öffentliche IT-Dienstleister dürfen sich nicht über den Betrieb von Rechenzentren und Plattformen definieren, sondern müssen sich zu Service Brokern transformieren.

Ansprechpersonen

Portraitfoto von Nikolas Becker im Anzug vor hellem Hintergrund

Nikolas Becker

Leitung Politik & Wissenschaft

E-Mail: nikolas.becker@gi.de

Portraitfoto von Dr. Michael Räckers vor grauem Hintergrund

Dr. Michael Räckers

Sprecher FG Verwaltungsinformatik

E-Mail: michael.raeckers@ercis.uni-muenster.de

Prof. Dr. Jörn von Lucke

FG Verwaltungsinformatik

E-Mail: joern.vonlucke@zu.de