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GI-Fellow Norbert Szyperski gestorben

Prof. Dr. Dr. h.c. Norbert Szyperski (* 27. September 1931   + 17. Mai 2016)

Als Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln von 1970 bis 1981 baute er den ersten „Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftliche Planung“ in der Bundesrepublik Deutschland auf. Als Direktor dieses Seminars und Direktor am BIFOA (Betriebswirtschaftliches Institut für Organisation und Automation), das er über viele Jahre zusammen mit dessen Gründer, Erwin Grochla, leitete, wurden Konzeption und Realisierung von „Forschung durch Entwicklung“ etabliert. In zahlreichen Projekten - im Rahmen der DV-Programme des Bundesministeriums für Forschung und Technologie (BMFT) – konnten in Zusammenarbeit mit namhaften Industrie- Unternehmungen auf diese Weise neue Informationstechnische Anwendungssysteme entwickelt und in ihrem Verhalten erforscht werden. Damit konnten wesentliche Impulse für den inzwischen hohen Entwicklungsstand der Informations- und Kommunikationstechnik in deutschen Anwendungsunternehmen geleistet werden.

Nach einer kurzen Phase als kommissarischer Wissenschaftlicher Geschäftsführer der „Gesellschaft für Information und Dokumentation (GID)“ im Jahre 1978, wurde er 1979 in den Aufsichtsrat der „GMD Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung“ berufen, bevor er 1981 bis 1986 den Vorsitz des Vorstandes dieser Großforschungseinrichtung in Birlinghoven, Sankt Augustin, übernahm. 1986 wechselte er wieder in den Aufsichtsrat dieser Gesellschaft und übernahm von 1988 bis 1991 dessen Vorsitz. In den fünf Jahren als Vorstandvorsitzender konnte er die Aktivitäten dieser informationstechnischen F&E-Gesellschaft neu strukturieren und durch neue Institute in Berlin und Karlsruhe ausbauen. In diese Zeit fällt auch die von ihm initiierte Gründung des „International Computer Science Institute (ICSI)“ in Berkeley, Cal., USA, das von der deutschen Industrie und dem BMBF wesentlich gefördert und in enger Kooperation mit der University of California Berkeley zu einem wichtigen Standort für deutsche Postdocs und Professoren der Informatik wurde. Es ist dies bis heute sehr erfolgreich geblieben. Von Anfang an war er ein Mitglied des ICSI-Boards und über viele Jahre dort Senior Board Member. Er war von 1988 bis 1991 Gründungspräsident des deutschen ISCI-Fördervereins und war im Jahre 2002/3 wiederum Interims-Präsident dieses Vereins zur Förderung der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Informatik und ihrer Anwendungen. Für seine Verdienste um die deutsche Informatik-Entwicklung ernannte die Gesellschaft für Informatik 2003 ihn zu einem ihrer GI-Fellows.

Aus der Arbeit der GMD heraus wurde er 1984 Gründungspräsident des Trägervereins für das Deutsche Forschungsnetz (DFN) und blieb, nach zweimaliger Wiederwahl, über sieben Jahre in dieser ehrenamtlichen Position. In dieser Zeit wurde die Basis für das hochleistungsfähige Kommunikations-Netzwerk für die deutsche Hochschul- und Forschungslandschaft und dessen Einbindung in die weltweiten Netze gelegt.

Ein Wechsel in die Wirtschaft erfolgte 1986 als er vom Vorstand der Mannesmann AG zum Vorsitzenden der Mannesmann Kienzle GmbH in Villingen-Schwenningen auserwählt wurde und aus dem beamteten Hochschuldienst im Lande Nordrhein-Westfalen ausschied. Die Kölner Kollegen schlugen ihn, um eine weitere Verbindung mit ihrer alma mater zu ermöglichen, als Honorarprofessor der Kölner Universität vor. So konnte er auch seine Betreuung von Doktoranden während dieser Zeit in der Wirtschaft fortsetzen und letztlich auf einundsiebzig Promovierte, acht Universitäts- und sechs Fachhochschulprofessoren aus den eigenen Reihen blicken.

Als Herausgeber engagierte er sich in den Jahren 1971 bis 1991 zusammen mit Paul Schmitz für die Fachzeitschrift „Angewandte Informatik“ (später „Wirtschaftsinformatik“). Als Gründungsherausgeber der Fachzeitschrift „Die Betriebswirtschaft“ im Schaeffer-Poeschel-Verlag war er dieser Zeitschrift fünfzehn Jahre verbunden.

Die Leistungen von Norbert Szyperski um die Fundierung, den Aufbau und die Verbreitung des Faches Wirtschafts-Informatik, dem er mit seinen ersten Arbeiten zu diesem Thema 1968 den Boden zu bereiten half, fanden 1994 eine besondere Anerkennung durch die Ehrenpromotion an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Johann Kepler Universität in Linz, Österreich. Sein allgemeines wissenschaftlich-wirtschaftliches Engagement fand schon 1984 eine Würdigung durch die Verleihung des „Verdienstkreuzes 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“. Im Oktober 2004 wurde ihm in Anerkennung seiner besonderen Leistungen auf dem Gebiet der Unternehmensgründungen aus der deutschen Hochschul- und Forschungslandschaft heraus „Das Grosse Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ verliehen.

Die GI trauert um einen ihrer ersten Fellows.