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Blogbeitrag

Zwischen Likes und Algorithmen: InstaClone macht Data Literacy erlebbar

In diesem Jahr wurde die Anwendung InstaCone mit dem Helmut- und Heide-Balzert-Preis für Digitale Didaktik ausgezeichnet. In diesem Beitrag beschreiben die Verantwortlichen Funktionsweise und Einsatzmöglichkeiten des Tools.

Soziale Medien sind in der Lebenswelt junger Erwachsener allgegenwärtig und obwohl diese als sogenannte „Digital Natives“ gelten, zeigen Studien, dass ihnen häufig die nötigen Kompetenzen fehlen, um zum Beispiel Daten und Algorithmen zu bewerten und kritisch zu hinterfragen. InstaClone, als innovatives soziales Netzwerk für den Unterricht, setzt genau hier an und bringt die Dynamiken sozialer Netzwerke direkt ins Klassenzimmer.

InstaClone imitiert dabei das Aussehen und die Funktionalitäten von Instagram und bietet so eine vertraute Benutzeroberfläche für junge Erwachsene und gleichzeitig einen Blick hinter die Kulissen der beliebten Social-Media-Plattform. Durch das intuitive Verhalten der jungen Erwachsenen auf InstaClone (posten, liken, kommentieren und vieles mehr) hinterlassen die Nutzerinnen und Nutzer Daten, mit denen im Anschluss gearbeitet wird. Insbesondere die Arbeit mit eigenen Daten führt dabei zu einer höheren Motivation und einem höheren Lernerfolg. Die betreuende Lehrkraft behält in allen Unterrichtsszenarien die Kontrolle über die Daten der Lernenden und kann jederzeit unangemessene Posts und Kommentare löschen.

Um die Daten zu analysieren, werden diese entweder im integrierten Data-Analytics-Dashboard grafisch aufbereitet oder von der Lehrkraft exportiert und in Werkzeugen wie zum Beispiel Orange Data Mining weiterverarbeitet. Damit kann visualisiert werden, welche Daten soziale Netzwerke sammeln und welche Schlussfolgerungen daraus gezogen werden können.

Ein weiteres zentrales Element von InstaClone, hinter die Kulissen von sozialen Netzwerken zu blicken, ist die Möglichkeit, den Newsfeed-Algorithmus zu variieren. Dabei stehen verschiedene Algorithmen zur Verfügung, wobei der Edge-Rank-Algorithmus zusätzlich die Möglichkeit bietet, die Gewichtung der Parameter individuell zu konfigurieren. Damit wird erlebbar gemacht, wie unterschiedliche Parameter die Sichtbarkeit von Beiträgen beeinflussen. So wird nicht nur theoretisch über die Rolle von Algorithmen diskutiert, sondern die Auswirkungen auf Filterblasen und Meinungsbildung erlebbar gemacht. 

Die auf InstaClone abgestimmten Unterrichtsmaterialien (das sogenannte „Regiebuch“) sind in Mikroeinheiten strukturiert, die sich individuell kombinieren lassen. Die Aufgaben reichen dabei von interaktiven Beitragsaktionen über Reflexionsfragen bis hin zu partizipativen Szenarien („Wie würdest du deinen eigenen Algorithmus gestalten?“). Die Möglichkeit, das „Regiebuch“ vollständig in InstaClone zu integrieren, steigert durch den Einsatz von Gamification-Elementen zusätzlich die Motivation. InstaClone wurde für den fächerübergreifenden Unterricht konzipiert, ist intuitiv und ohne vertiefte informatische Kenntnisse bedienbar, auf Deutsch und Englisch verfügbar und datenschutzkonform. Die Daten sind nur für die Nutzerinnen und Nutzer in einer Instanz sichtbar und auch das Projektteam der Technischen Universität München hat keinerlei Einsicht in die Daten.

In einer Case Study mit Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe II wurde InstaClone als authentisch und motivierend wahrgenommen. Besonders die Arbeit mit eigenen Daten wurde als „viel cooler“ und greifbarer beschrieben. Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich überrascht, wie viel soziale Netzwerke über sie wissen – und äußerten den Wunsch, InstaClone weiterhin im Unterricht zu nutzen (SIGCSE 2024).

InstaClone verbindet informatische Bildung mit gesellschaftlicher Reflexion und macht informatische Konzepte lebensnah erfahrbar. Es zeigt, wie digitale Bildung gelingen kann, nämlich nicht durch den erhobenen Zeigefinger oder abstrakte Diskussionen, sondern durch aktives eigenständiges Gestalten und kritisches Hinterfragen. 

Weiterführende Informationen zu InstaClone sowie die zugehörigen Unterrichtsmaterialien finden Sie unter: https://info.instaclone.de/

Dieser Beitrag kommt von Dr. Anna Hartl (Professur für Psychologie des Lehrens und Lernens), Elena Spörer (Professur für Didaktik der Informatik) und Dr. Angelina Voggenreiter (Lehrstuhl für Computational Social Science). Sie sind wissenschaftliche Mitarbeiter:innen der Technischen Universität München und wurden für das Social-Media-Tool InstaClone 2025 mit dem Helmut und Heide Balzert Preis ausgezeichnet.

Der Text erschien zuerst in unserem Newsletter GI-Radar. Alle Ausgaben gibt es hier zum Nachlesen. Sie haben auch einen Vorschlag für ein Thema? Wir freuen uns über Ihre Nachricht an redaktion@gi-radar.de.

Anna Hartl und Elena Spörer stellen InstaClone auf dem INFORMATIK FESTIVAL 2025 vor. (© Mike Auerbach)