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Meldung

Drei Fragen an Alexander Rabe

Alexander Rabe ist Geschäftsführer des eco - Verband der Internetwirtschaft e. V., der assoziierter Partner im Projekt Potentials of Green Coding ist. In diesem Interview erklärt er unter anderem warum eine Stärkung der digitalen Infrastrukturen umumgänglich ist und wie sich der eco für mehr Nachhaltigkeit einsetzt.

Wie setzt sich der eco für ein nachhaltigeres Internet ein?

Als Verband der Internetwirtschaft mit über 1.000 Mitgliedsunternehmen nehmen wir seit 1995 eine ganz besondere Rolle im Ökosystem der Digitalisierung ein. Mit unserer Beteiligung am DE-CIX, dem weltweit größten Internetaustauschknoten in Frankfurt am Main, sind wir auch selbst Teil der Branche. Eben dieser Austauschknoten und die in Frankfurt ansässigen rund 60 Rechenzentren könnten rein rechnerisch dafür sorgen, dass bis 2030 sämtliche Büros und Wohnungen der Mainmetropole klimaneutral beheizt werden, wie eine Studie des Borderstep-Instituts gezeigt hat. Doch leider hat es Deutschland komplett verschlafen, einen Markt der Abnehmer solcher Abwärme zu etablieren. Mit der unter unserem Verbandsdach gegründeten Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen setzen wir uns dafür ein, dass Nah- und Fernwärmenetze entsprechend ausgebaut und weitere fehlende politische Rahmenbedingungen zeitnah angepasst werden. Das gilt auch für die Energiewende selbst:

Damit Grünstrom für den Betrieb digitaler Infrastrukturen und entsprechender Anwendungen in ausreichendem Umfang und zu wirtschaftlichen Konditionen verfügbar sein kann, muss zunächst der Ausbau erneuerbarer Energien massiv vorangetrieben werden.

Auf diesen Missstand weisen wir seit vielen Jahren eindringlich hin. Auf europäischer Ebene sind wir mit unserer Allianz zudem dem Climate Neutral Datacenter Pact beigetreten. Dort erarbeiten wir gemeinsam mit der EU Vorgaben und Messmetriken, die künftig einheitliche europäische Rahmenbedingungen für die Betreiber digitaler Infrastrukturen schaffen sollen. Für uns und unsere Mitglieder hat es seit jeher oberste Priorität, den Betrieb von Rechenzentren so effizient wie möglich zu gestalten. Mit Erfolg: Der Energieverbrauch pro Workload hat sich in den vergangenen zehn Jahren um das Zwölffache verringert, das ist schon eine beeindruckende Effizienzsteigerung.

Welche Rolle spielt Green Coding, also nachhaltigere Softwareentwicklung, bereits jetzt in euren Mitgliedsunternehmen?

Softwarequalität zeichnet sich insbesondere durch eine effiziente Programmierung aus. Die Grundidee von Green Coding ist von daher nicht neu. Doch die Bedeutung dieses Ansatzes hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen:

Algorithmen und Software, die letztlich Server ansteuern, entscheiden maßgeblich über den Energieverbrauch digitaler Infrastrukturen und Anwendungen. Hier sehe ich einen wichtigen Baustein für mehr Nachhaltigkeit in der Digitalisierung, der zu signifikanten CO2-Einsparungen führen kann.

So hat das Massachusetts Institute of Technology am Beispiel von KI-Anwendungen berechnet, dass eine optimale Programmierung ein Einsparpotenzial von bis zu 20 Prozent beim Energieverbrauch der Hardware mit sich bringt. Das sollten wir also immer als relevanten Faktor mitdenken, wenn wir über Energieeinsparungen sprechen. Das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik, das zudem Mitglied in unserem Verband ist, hat hier bereits viele spannende Ansätze, wie dieses Wissen in der Forschung und Lehre an die nächste Generation von Entwickler*innen und IT-Entscheidenden weitergegeben werden kann. Diese Köpfe brauchen wir dringend in deutschen Unternehmen.

Was erhoffst du dir vom Projekt „Potentials of Green Coding“, in dem der eco assoziierter Partner ist?

Zum einen erhoffe ich mir, dass die Potenziale von Green Coding mehr Aufmerksamkeit erhalten; zum anderen, dass durch das Projekt konkrete Best Practices aus der Forschung entstehen, die wir in die wirtschaftliche Anwendung transferieren können. Andere Beispiele aus dem digitalen Ökosystem machen es bereits vor: Nach Angaben von Vodafone benötigt die Datenübertragung via Glasfaserkabel rund fünfmal weniger Energie im Vergleich zu Kupferanschlüssen. Ähnlich sieht es aus, wenn die mobile Internetnutzung von 3G auf 5G flächendeckend umgestellt würde: Hier ist nach Angaben des Umweltbundesamtes eine Einsparung von fast 80 Prozent möglich.

Green Coding kann damit ebenso ein Positivbeispiel werden und unterstreichen, dass nur digitale Technologien und Anwendungen uns dabei helfen können, sowohl die Vorgaben der UN als auch die eigenen Klimaziele in Deutschland und Europa zu erreichen.

Um das 1,5-Grad-Ziel zu halten, bleibt uns nicht mehr viel Zeit. Vernetzung und Digitalisierung sind Teil der Lösung, um den großen Herausforderungen unserer Zeit wie dem Klimawandel zu begegnen. Doch dies gelingt nur im Schulterschluss zwischen Politik, Wirtschaft und Forschung.

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