ITeG-Ringvorlesung "Automatisierte Entscheidungsunterstützung: Wann macht sie Entscheidungen wirklich besser und welche Rolle spielt der Mensch dabei?"
Veranstaltungsort
ITeG - Wissenschaftliches Zentrum für Informationstechnik-Gestaltung, Universität KasselKassel, Deutschland
Beschreibung
In der ITeG-Ringvorlesung "Digitale Gesellschaft - eine Gestaltungsaufgabe" wird am 6. November 2024 Prof. Dr. Dietrich Manzey Einblicke geben zum Thema "Automatisierte Entscheidungsunterstützung: Wann macht sie Entscheidungen wirklich besser und welche Rolle spielt der Mensch dabei?".
Dietrich Manzey ist Professor (i.R.) für Arbeits-, Ingenieur- und Organisationspsychologie der TU Berlin. Er promovierte 1988 an der Universität Kiel und habilitierte sich 1999 mit raumfahrtpsychologischen Arbeiten an der Universität Marburg. Von 1987 -2001 war er Mitarbeiter am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Hamburg, wo er an der Eignungsprüfung und Ausbildung von Piloten, Fluglotsen und Astronauten beteiligt war. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Multitasking, Mensch-Automations-Interaktion und Luft- und Raumfahrtpsychologie. 2006 gründete er den ersten Masterstudiengang für Human Factors in Deutschland. Er ist Fellow der Human Factors and Ergonomics Society, gewähltes Mitglied der International Academy of Astronautics und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. In diesem Jahr wurde er von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie mit dem Preis für sein wissenschaftliches Lebenswerk geehrt.
Zusammenfassung seines Vortrags:
Automatisierte Entscheidungsunterstützungssysteme spielen in immer mehr Domänen eine wichtige Rolle. Ziel ist es, durch derartige Systeme die Qualität von Entscheidungen in den unterschiedlichen Bereichen zu verbessern. Die Systeme reichen dabei von einfachen Alarm- und Cueing-Systemen zur Unterstützung binärer Entscheidungen (z.B. Gepäckscreening, Mammographie) bis hin zu komplexen Systemen, die diagnostische (z.B. Medizin, Prozesskontrolle) oder strategische Entscheidungen (z.B. Flugverkehrskontrolle, Militär) unterstützen. Mit der Entwicklung moderner KI-gestützter Systeme wird die Bedeutung einer derartigen Entscheidungsunterstützung in Zukunft noch deutlich zunehmen. Der Fokus traditioneller ingenieurpsychologischer Human-Factors-Forschung liegt in diesem Bereich häufig auf einer Bewertung des Nutzens dieser Systeme für die Qualität von Entscheidungen in Abwägung zu neuen Risiken, die mit dieser Nutzung verbunden sein können. Die Vorlesung gibt einen kurzen Überblick über diese Forschung, geht auf „blinde Flecken“ dabei ein und behandelt schließlich die Frage, unter welchen Bedingungen die Interaktion von Mensch und Automation in diesem Bereich tatsächlich zu Synergieeffekten in Bezug auf die Qualität von Entscheidungen führen kann.