Auf dem Weg zum digitalen Autoritarismus?
Aktuelle gesellschaftliche und ethische Fragen der Digitalisierung (Kooperation der Fachgruppen ,,Informatik und Ethik", ,,Internet undGesellschaft" und ,,Frauen und Informatik" der Gesellschaft für Informatik e.V.)
Beschreibung
Digitalisierung und das Internet wurden lange als Befreiungstechnologien gesehen. Zurzeit zeigen sich jedoch immer stärker die Folgen der massiven Machtkonzentrationen bei bestimmten Tech-Giganten. Die Tagung analysiert, inwieweit autoritäre Tendenzen dabei sichtbar und begünstigt werden. In den Fokus genommen werden insbesondere die Gefahren der laufenden Entwicklungen für Demokratie, Menschenrechte, Grund- und Minderheitenrechte sowie Datenschutz.
(Die Tagung wird in Kooperation mit den Fachgruppen ,,Informatik und Ethik" und ,,Frauen und Informatik"
der Gesellschaft für Informatik e.V. veranstaltet.)
Link zur Anmeldung
Tagungsbericht von Anna Berchtenbreiter, Akademie für politische Bildung Tutzing
Programm
Freitag, 5. Dezember 2025
13:30 Uhr Anreise und Kaffee
15:00 Uhr Ankommen und Eintauchen: Erstes Kennenlernen von Leuten und Themen an moderierten Pinnwänden
16:00 Uhr Begüßung, Dr. Gero Kellermann
16:15 Uhr Auf dem Weg zum digitalen Autoritarismus? Aktuelle gesellschaftliche und ethische Fragen der Digitalisierung, Katika Kühnreich, Dr. Stefan Ulrich
17:15 Uhr Pause
17:30 Uhr Demokratie und die Macht der Plattformen, Prof. Dr. Rainer Mühlhoff
18:30 Uhr Abendessen
19:30 Uhr Akademiegespräch am See: Digitaler Autoritarismus und Demokratiefestigung: Was tun?
Natascha Strobl, Dr. Constanze Kurz
21:00 Uhr Gespräche im Seestüberl
Samstag, 6. Dezember 2025
8:00 Uhr Frühstück
9:00 Uhr Vorstellung des Tagesprogramms und Interaktion
9:45 Uhr Parallele Workshops (Näheres siehe Flyer)
11:30 Uhr Pause
12:00 Uhr Zusammenfassung der Ergebnisse
12:30 Uhr Mittagessen
13:15 Uhr Kaffee und Tee
13:30 Uhr Was nun? Wir reisen in die Zukunft! Eine strukturierte Denktour
15:30 Uhr Resümee, Ende der Tagung
Referent*innen
Manuel 'HonkHase' Atug
Gründer und Sprecher der unabhängigen AG KRITIS
Forum: Kritische Grundversorgung 2.0
Manuel 'HonkHase' Atug befasst sich beruflich und privat seit weit über 23 Jahren mit den Themen Kritische Infrastrukturen, EU NIS2, Kritis Dachgesetz, Hackback, Ethik, Hybrid Warfare, Cyberresilienz, defensive Cybersicherheitsstrategien, digitaler Katastrophenschutz, Bevölkerungs- und Katastrophenschutz. Er ist Gründer und Sprecher der unabhängigen AG KRITIS. Im Netz ist er als @HonkHase aktiv. Er ist Experte der European Research Executive Agency (EU REA) und wird regelmäßig für die Bundesregierung und die Bundesländer als Sachverständiger in Fragen der Cybersicherheit und dem Katastrophenschutz berufen.

Dr. Thomas Fricke
Experte für Cloudsicherheit und Kubernetes, Berlin
Workshop: Ressourcenverbrauch von Rechenzentren: Energie, Wasser, Land und Rohstoffe - die unbekannte Dimension der KI
Der Ressourcenverbrauch von Rechenzentren wächst weiter exponentiell.
Um aus dieser Entwicklung auszubrechen, braucht es eine ernste und kompetente Debatte über die Rechenleistung, die wir wirklich brauchen, Degrowth und zuletzt Integration in die lokalen Wärmenetze. Ein wichtiger Aspekt dabei ist Dezentralisierung und räumliche Nähe von Energieerzeugung und -verbrauch.
In den USA wird einfach mit Kohle weiter Strom erzeugt. Die C02 Bilanz ist dabei verheerend.
In Norwegen entsteht ein Rechenzentrum, das 5% der Energie des Landes verbrauchen wird. Wenn es fertig ist, wird keine Energie für den Export mehr zur Verfügung stehen.
Stromnetze können nicht so schnell ausgebaut werden, wie der Verbrauch steigt. Für die Energieversorgung in Frankfurt werden Gaskraftwerke gleich mit eingeplant. Die Anträge auf Stromanschlüsse für die Region Berlin sind dreimal so hoch wie der Energieverbrauch von Berlin.
Jetzt zeigt sich eine unheilvolle Koalition mit der fossilen und der Atom Industrie. Der Vortrag geht auf die bekannten aktuellen Planungen ein und diskutiert die Auswirkungen auf die Stromversorgung bis zu den individuellen Strompreisen. Wir treffen auf die bekannten Akteure in Gas, Energie und auch in der Immobilienwirtschaft. Die Preise werden steigen, überraschend hoch sind die Auswirkungen auf die Grundstückspreise.

Prof. Dr. Andrea Knaut
Hochschule für Wirtschaft und Technik Berlin
https://www.htw-berlin.de/hochschule
Lehr- und Forschungsgebiet: Informatik in Kultur und Gesundheit
Schwerpunkte: Biometrie, Informatik und Gesellschaft, Datenbanken, Rechnernetze
Workshop: Vermessenes Leben
"Discover and manage where your face appears across the internet to maintain control of your digital footprint and uphold your privacy.", bewirbt die massiv in der Kritik stehende Gesichtsbildsuchmaschine PimEyes ihr Produkt als Datenschutzwerkzeug im Netz. Das ist zynisch, passt aber in den Zeitgeist, in dem Rundum-Überwachung normal ist.
Schon 2020 hatte mehr als ein gutes Dutzend EU-Staaten Videoüberwachung öffentlicher Räume in Verbindung mit biometrischen Gesichts- oder Verhaltenserkennungstechnologien in regulärem Einsatz. Im privaten Kontext ist die Nutzung biometrischer Gesichtsdaten kaum noch Gegenstand nennenswerter Kritik.
Mit dem im letzten Jahr in Kraft getretenen KI-Gesetz der EU trat ein Verbot sogenannter biometrischer Echtzeitüberwachung in Kraft, gespickt mit derart vielen Ausnahmen, dass Bürgerrechtsorganisationen von einem eher gescheiterten Verbot sprechen.
Im Workshop ziehen wir Bilanz zu Status Quo und Zukunft KI-gestützter Biometrie im Alltag.

Dr. Constanze Kurz
Autorin
Constanze Kurz ist promovierte Informatikerin, Autorin und Herausgeberin von Büchern, zuletzt Cyberwar. Ihre Kolumne "Aus dem Maschinenraum" erschien von 2010 bis 2019 im Feuilleton der FAZ. Sie lebt in Berlin und ist ehrenamtlich Sprecherin des Chaos Computer Clubs. Sie war Sachverständige der Enquête-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft" des Bundestags. Sie erhielt den Toleranz-Preis für Zivilcourage und die Theodor-Heuss-Medaille.

Prof. Dr. Rainer Mühlhoff
Professor für Ethik der Künstlichen Intelligenz, Universität Osnabrück
https://RainerMuehlhoff.de/en/
„Von der Datenmacht zur Staatsmacht: Wie Tech-Eliten demokratische Ordnungen herausfordern“
Die Geschichte digitaler Technologien ist auch eine Geschichte politischer Macht. Schon im 20. Jahrhundert verbanden sich technologische Innovationen mit autoritären Projekten – von der Massendatenverarbeitung mittels Lochkarten der 1930er Jahre bis zu heutigen Formen algorithmischer Steuerung und Überwachung. Heute sehen wir eine neue Allianz zwischen Tech-Eliten, neoliberaler Deregulierung und rechtsextremen politischen Strömungen, die Demokratie und Rechtsstaat unter Druck setzt. Der Vortrag untersucht, wie sich in der Gegenwart ein „digitaler Autoritarismus“ herausbildet: ein Machtkomplex aus großen Technologieunternehmen, politischem Einfluss und ideologischen Narrativen, die Demokratie als ineffizient und überholt darstellen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob und inwiefern dieser neue Machtblock faschistische Züge trägt oder Potenziale in Richtung Faschismus aufweist. Dazu gehört eine Verständigung darüber, was der Begriff „Faschismus“ im 21. Jahrhundert analytisch zu leisten vermag. Anhand von Beispielen aus den USA und Europa wird gezeigt, wie Ideen aus Transhumanismus, Longtermismus und Techno-Utopismus eine anti-demokratische Programmatik stützen. Zugleich geht es um Gegenstrategien: Wie können demokratische Gesellschaften den Gestaltungsanspruch über Technologie zurückgewinnen, ethische Grenzen ziehen und die politische Öffentlichkeit gegen autoritäre Tendenzen in der digitalen Sphäre stärken?

Natascha Strobl
Politikwissenschaftlerin
Natascha Strobl ist Politikwissenschaftlerin und Expertin für Rechtsextremismus und die Neue Rechte. Sie ist Mitautorin eines Fachbuchs über Strategien und Ziele der Identitären Bewegung in Europa. und Co-Autorin der Bücher "Die Identitären. Handbuch zur Jugendbewegung der Neuen Rechten in Europa" (Unrast, 3te Auflage 2017) sowie "Rechte Kulturrevolution. Wer und was ist die Neue Rechte von heute?" (VSA 2015).
