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Blogbeitrag

Zur Sache: Interview mit Ina Schieferdecker (BMBF)

Seit Oktober 2019 leitet Prof. Dr.-Ing. Ina Schieferdecker der Abteilung “Forschung für Digitalisierung und Innovationen” im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Sie war seit 1993 am Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS tätig, das sie seit Januar 2015 bis Ende September 2019 leitete. Parallel hat sie seit 2016 eine Professur an der Technischen Universität Berlin zu »Quality Engineering of Open Distributed Systems« inne und ist Gründungsdirektorin des Weizenbaum-Instituts für die vernetzte Gesellschaft.

Frau Prof. Dr. Schieferdecker, Sie sind seit 2008 Mitglied in der GI. Warum sind Sie seinerzeit eingetreten?

Ich habe lange an der Technischen Universität Berlin „Entwurf und Testen von Telekommunikationssystemen“ gelehrt und dann an der Freien Universität Berlin die Fachgruppe „Modellbasierte Entwicklung und Qualitätssicherung von Software-basierten Systemen“ geleitet. Wenn man sich derart tiefgehend mit Fragen des Testings und der Modellierung von Softwaresystemen auseinandersetzt, ist es wichtig sich auch außerhalb des eigenen akademischen Wirkens auszutauschen. Deshalb bin ich dann vor mehr als zehn Jahren in die GI eingetreten.

 

Wie hat sich die Informatik in Wissenschaft und Forschung seitdem verändert?

Viele der Fragestellungen heute unterscheiden sich nicht besonders von denen vor zehn Jahren. Es geht immer noch um Fragen der Stabilität, Zuverlässigkeit, Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit der neuen Techniken selber und insbesondere um die Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt. Diese Fragen waren vor zehn Jahren schon virulent und haben heute eine noch größere Relevanz. Das liegt an der weiter wachsenden Komplexität und dem größeren Wirkungskreis der von Informatikerinnen und Informatikern entwickelten Systeme. Mittlerweile steckt Software in vielen Alltagsprozessen. Denken Sie nur an die Omnipräsenz des Internet. Das stellt auch derjenigen, die diese Systeme bauen, stärker in die Verantwortung.

 

Wo wünschen Sie sich ein größeres Gewicht der Informatik im Allgemeinen und der GI im Speziellen?

Ich würde mir wünschen, dass sowohl die in der Informatik Tätigen als auch die GI sich stärker mit Fragen der Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Wir stehen mit dem Klimawandel vor grundlegenden Herausforderungen. Die Globalisierung, aber auch die Digitalisierung sind für ein Gros des CO2-Ausstoßes zumindest mitverantwortlich. Ein immer mehr, weiter, höher entlang der Digitalisierung und ihrer Möglichkeiten muss deshalb kritisch hinterfragt werden. Wir sollten die Frage in den Mittelpunkt stellen, inwiefern die Digitalisierung zur Meisterung des Klimawandels genutzt werden kann. Gelingt es uns beispielsweise, ein Monitoring in Gang zu setzen, das weltweit die Implikationen unseres Handelns auf das Erdsystem verdeutlicht und schaffen wir es, uns weltweit so zu vernetzen, dass wir zu den Maßnahmen für die Erreichung der Klimaziele konzertiert zusammenarbeiten? Auch in der GI und nicht nur im Fachausschuss Umweltinformatik.

 

Sehen Sie darüber hinaus weitere Handlungsfelder für die GI?

Grundsätzlich glaube ich, dass die GI auf einem guten Weg ist. Insbesondere die erst kürzlich überarbeiteten Ethischen Leitlinien, die bundesweiten Informatikwettbewerbe und unser gemeinsames Engagement mit dem Turing-Bus in der Informatik-Bildung sind wichtige Initiativen. Aus meiner Sicht bedarf es noch vieler weiterer solcher Aktivitäten, die die Lust an den Gestaltungsmöglichkeiten der Informatik bei jungen Menschen weckt, insbesondere bei Mädchen. Denn was die Sichtbarkeit von und die Attraktivität für Mädchen und Frauen angeht, gibt es nicht nur für die Informatik, sondern auch für die GI noch viel zu tun.

© MATTHIAS HEYDE -