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Blogbeitrag

Relevante Kompetenzen in Bezug auf Informatik

Digitale Kompetenzen sind notwendig für alle Menschen, um an unserer Welt teilhaben und diese mitgestalten zu können. Dies wird sicherlich von keiner Seite bestritten, und die Stärkung digitaler Kompetenzen ist auch ein Kernpunkt der Digitalisierungsstrategie der Bundesregierung (bundesregierung.de).

Für die verschiedenen Schulstufen haben Arbeitskreise der GI notwendige Kompetenzen in Bildungsstandards übertragen: für den Primarbereich (gi.de, verabschiedet im Januar 2019), für die Sekundarstufe 1 (gi.de, verabschiedet im Januar 2008) sowie für die Sekundarstufe 2 (gi.de, verabschiedet im Januar 2016).

Aber wie kann man diese Kompetenzen allgemein definieren? Neben den Bildungsstandards gibt es verschiedene Ansätze, relevante digitale Kompetenzen zu beschreiben. Vier sollen hier kurz vorgestellt werden.

2006 beschrieb Jeanette Wing „Computational Thinking“ in einem Kommentar in den Communiations of the ACM (acm.org). Die Übersetzer ins Deutsche entschieden sich für den Leitbegriff „Informatisches Denken“ (columbia.edu). Hier wird betont, dass es eine „universell einsetzbare Haltung und Fähigkeit“ darstellt. Häufig missverstanden geht es hierbei nicht um Programmierung, sondern um die Schulung mathematischen und ingenieurmäßigen Denkens und genereller Problemlösungskompetenzen. Diese können gut an Hand der Programmierung vermittelt werden, wobei festgehalten werden muss, dass auch nicht jede Programmierausbildung diese relevanten Kenntnisse vermittelt. Es geht eben um mehr als „nur“ Programmieren. Und umgekehrt kann „Computational Thinking“ auch ohne Programmieren vermittelt werden. Letzten Endes geht es um wesentliche Kompetenzen, die wir in unserem Alltag benötigen. Z.B. verwenden wir für eine erfolgreiche Teamarbeit Dekomposition und Abstraktion, Schnittstellen und Parallelisierung wie selbstverständlich, auch wenn wir dies nicht so benennen würden. 

Während Computational Thinking Methoden und Prozesse in den Vordergrund rückt, geht „Data Literacy“ von den Daten aus. Ridsdale et al haben Data Literacy 2015 definiert als die Fähigkeit, „Daten auf kritische Art und Weise zu sammeln, zu managen, zu bewerten und anzuwenden“ (dal.ca). Hiervon ausgehend können sehr viele relevante Kompetenzen aufgespannt werden, die u.a. Prozesse von Datensammlung und –haltung, Datenauswertung und –visualisierung, sowie rechtliche, ethische und gesellschaftliche Fragen umfassen. Da wir alle Tag für Tag mit Daten zu tun haben, eignet sich der Einstieg über Daten auch, um weitergehende digitale Kompetenzen zu vermitteln und dazu zu motivieren, selber auch etwas zu programmieren. 2018 hat der Stifterverband zusammen mit der GI und der Heinz Nixdorf Stiftung ein Symposium zum Thema Data Literacy veranstaltet (stifterverband.org). Die Umsetzung von Data Literacy Education wurde an verschiedenen Hochschulen gefördert, und es wurde ein Netzwerk gegründet (stifterverband.org). Die vom Stifterverband 2021 initiierte Data Literacy Charta bringt den Anspruch zum Ausdruck, dass „Datenkompetenzen […] für alle Menschen in einer durch Digitalisierung geprägten Welt wichtig sind“ (stifterverband.org).

Der Europäische Kompetenzrahmen DigCom2.1 von 2017 (eine erste Version wurde 2013 veröffentlicht) hat einen ganzheitlicheren Blick und definiert auch sehr grundlegende Kompetenzen in Bezug auf die Nutzung von Informations– und Kommunikationstechnologien (europa.eu). Die einundzwanzig Kompetenzen reichen von der Informationssuche durch Browsen und Netiquette bis hin zur Programmierung und sind in die fünf Bereiche Information und Data Literacy, Kommunikation und Zusammenarbeit, Gestalten und Erzeugung digitaler Inhalte, Sicherheit und Problemlösung gegliedert. Auch Themen wie gesundheitliche Gefahren durch die Nutzung digitaler Technologien und Nachhaltigkeit werden angesprochen. Alle Kompetenzen werden in acht Kompetenzstufen definiert und anhand von Beispielen illustriert.

Als Antwort auf Cybermobbing, Privatsphärenverletzung und Abhängigkeit von Online Spielen wurde 2009 die Initiative infollutionZERO (information pollution ZERO) ins Leben gerufen (dqinstitute.org). Die entstandene Bildungsinitiative hatte zum Ziel, Kinder zu befähigen, als digitale Bürgerinnen und Bürger ihrer Risken zu minimieren und die Möglichkeiten der digitalen Welt zu nutzen. Das DQ Institute wurde 2016 als Think Tank gegründet (weforum.org). Die Coalition for Digital Intelligence (CDI) von OECD, IEEE SA und DQ Institute zusammen mit dem World Economic Forum haben 25 Kompetenzframeworks in einem gemeinsamen Framework zusammengefasst (dqinstitute.org). Dieses umfasst acht Kompetenzbereiche mit insgesamt 24 Kompetenzen, die auf drei verschiedenen Kompetenzstufen definiert sind. Die Basiskompetenzstufe beinhaltet Kompetenzen, die benötigt werden, um digitale Technologien eigenverantwortlich, sicher und ethisch verantwortlich zu nutzen und wurde „Citizenship“ genannt. Die Definition der Kompetenzbereiche wurde 2020 als IEEE Standard (IEEE 3527.1, IEEE Standard for Digital Intelligence (DQ) – Framework for Digital Literacy, Skills, and Readiness) veröffentlicht.

Dieser Beitrag kann die eingangs erwähnte Frage, welche Kompetenzen relevant sind, nicht beantworten. Vielmehr zeigen die unterschiedlichen Ansätze die ganze Breite digitaler Kompetenzen auf. Und sie machen auch deutlich, wie wichtig es ist, diese von einem Aspekt ausgehend in einem größeren Zusammenhang zusammenhängend zu betrachten, denn letzten Endes geht es in allen Ansätzen nicht um einzelne, isolierte Kompetenzen, sondern darum, Menschen die aktive Teilhabe als mündige Bürgerinnen und Bürger an der digitalen Gesellschaft zu ermöglichen. Und dazu braucht es viele Kompetenzen. 

Wir danken Christina B. Class für diesen Beitrag. Sie engagiert sich in der GI als Sprecherin des Fachbereichs „Informatik und Gesellschaft“  (fb-iug.gi.de). Haben auch Sie ein Thema im Fokus, das Sie interessiert? Wir freuen uns auf Ihre Ideen!

© Kaitlyn Baker - Unsplash