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Blogbeitrag

„Mehr als eine Abfolge einzelner Vorträge“: General Chair des INFORMATIK FESTIVAL 2026 Florian Tschorsch im Interview

Vom 22. bis 25. September 2026 wird die TU Dresden zum Treffpunkt der Informatik-Community. Unter dem Leitthema „Digitale Resilienz“ geht es um robuste digitale Systeme – doch nicht zu kurz kommen soll der Austausch mit der Community. Warum der „Hallway Track“ manchmal die spannendsten Gespräche bringt, erklärt General Chair Prof. Dr. Florian Tschorsch im Interview.

Herr Tschorsch, das INFORMATIK FESTIVAL findet dieses Jahr in Dresden an der Technischen Universität statt. Was macht diesen Ort so besonders?

Florian Tschorsch: Dresden hat eine lange Tradition in der Informatik und der Rechentechnik, und dieser Innovationsgeist ist bis heute sehr präsent. Informatik ist fest im wissenschaftlichen und technologischen Profil der Region verankert. Diese Stärke zeigt sich ganz besonders an der TU Dresden, die seit 2012 Exzellenzuniversität ist und sich als einer der führenden Informatikstandorte in Deutschland und Europa etabliert hat. Unsere Fakultät ist international geprägt und gleichzeitig eng mit regionalen Forschungseinrichtungen und der Industrie vernetzt. Beispiele sind etwa ScaDS.AI, eines der nationalen KI-Kompetenzzentren, oder das Barkhausen Institut, das sich intensiv mit der Vertrauenswürdigkeit vernetzter Systeme beschäftigt. So decken wir ein breites Spektrum ab: Von Grundlagenforschung bis hin zu anwendungsorientierten Zukunftsthemen ist alles dabei. Gleichzeitig ist Dresden einer der wichtigsten Mikroelektronik- und IKT-Standorte Europas. Dieses Zusammenspiel aus exzellenter Forschung, internationaler Perspektive und einer starken industriellen Basis macht Dresden zu einem geeigneten Ort für die INFORMATIK 2026.

Das diesjährige Leitthema lautet „Digitale Resilienz“. Was bedeutet das für Sie?

Digitale Resilienz bedeutet für mich zunächst die Fähigkeit digitaler Systeme, auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässig zu funktionieren; also trotz Störungen, Angriffen oder anderer unerwarteter Ereignisse funktionsfähig zu bleiben. Sicherheit und Datenschutz sind dabei zentrale Bausteine, denn sie schaffen die Grundlage für vertrauenswürdige digitale Infrastrukturen. Gleichzeitig geht digitale Resilienz weit über diese Aspekte hinaus. Sie betrifft viele Bereiche der Informatik, etwa die Gestaltung robuster Systemarchitekturen, vertrauenswürdiger KI, adaptiver Mensch-Maschine-Interaktion oder auch zuverlässiger Betriebsprozesse. Und sie betrifft nicht nur die Technik selbst, sondern auch Organisationen, Wirtschaft und Gesellschaft, die zunehmend von digitalen Systemen abhängen. Für mich ist das Leitthema deshalb vor allem eine Einladung zum Austausch über Fachgrenzen hinweg. Ich bin überzeugt, dass Resilienz in den kommenden Jahren zu einer Art Designprinzip der Informatik wird, ähnlich wie Skalierbarkeit. Die INFORMATIK 2026 bietet eine Gelegenheit, diese Entwicklung mitzugestalten.

Die Tagung hat sich von einer reinen Konferenz zu einem Festival entwickelt. Wie wird sich dieser Festivalcharakter in diesem Jahr bemerkbar machen?

Der Festivalcharakter zeigt sich vor allem darin, dass das INFORMATIK FESTIVAL bewusst Raum für Begegnung und Austausch schafft. Es geht nicht nur darum, fertige Ergebnisse zu präsentieren, sondern darum, miteinander ins Gespräch zu kommen und unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen. Neben klassischen Vorträgen wird es deshalb auch Workshops, Diskussionsformate, Ausstellungen und interaktive Veranstaltungen geben, die den Austausch über Fachgrenzen hinweg fördern. Gerade diese Formate ermöglichen es, neue Ideen gemeinsam zu entdecken und aktuelle Herausforderungen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Für mich bedeutet der Festivalcharakter vor allem, dass Informatik hier nicht nur vorgestellt, sondern gemeinsam erlebt und gefeiert wird. Er macht die Vielfalt und gesellschaftliche Relevanz unseres Fachs sichtbar und schafft eine offene Atmosphäre, in der neue Impulse entstehen können.

Auf welche Programmpunkte freuen Sie sich besonders? Was sind abgesehen vom Programm Ihre Highlights?

Im Hauptprogramm bereiten wir derzeit eine Reihe sehr spannender Beiträge vor. Dazu gehören insbesondere Impulsvorträge eingeladener Sprecher*innen und Panel-Diskussionen, die digitale Resilienz aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten, etwa im Chipdesign, im Kontext kritischer Infrastrukturen oder auch mit Blick auf die digitale Verwaltung. Darüber hinaus lebt das Festival ganz wesentlich von den Beiträgen aus der Community selbst. Ein schönes Beispiel ist die Fachtagung zur Rechts- und Verwaltungsinformatik, die sich mit digitaler Resilienz und Souveränität als Grundlage für eine moderne und innovative Verwaltung beschäftigt. Gleichzeitig wird das Thema künstliche Intelligenz weiterhin in vielen Programmpunkten präsent sein. Ich freue mich dabei besonders auf eine differenzierte und auch kritische Auseinandersetzung. Wenngleich vermutlich kaum eine Session ganz ohne den Begriff „KI“ auskommen wird, freue ich mich umso mehr auf die vielen Workshops und experimentellen Formate, die darüber hinaus Themen aufgreifen. Und nicht zuletzt ist es mein persönliches Highlight, Gäste aus ganz unterschiedlichen Bereichen hier in Dresden willkommen zu heißen. Es ist eine schöne Gelegenheit, den Informatikstandort Dresden sichtbar zu machen.

Warum ist das INFORMATIK FESTIVAL gerade für junge Menschen und Studierende so interessant?

Die Tagung bietet Studierenden die Möglichkeit, Informatik einmal über den Hörsaal hinaus zu erleben. Dabei ist es uns besonders wichtig, dass Studierende nicht nur zuhören, sondern selbst als Teil dieser Community wahrgenommen werden. Das Festival schafft Räume, in denen sie ihre eigenen Perspektiven einbringen, Fragen stellen und aktiv am Austausch teilnehmen können. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Junge GI, deren Präsenz in den letzten Jahren deutlich gewachsen ist und die wir weiter stärken möchten. Formate wie das Common Grounds Forum (CGF) oder die Junge GI Festival Night bieten Möglichkeiten zur Vernetzung und zum Austausch. Außerdem planen wir ein Abschlusspanel im Hauptprogramm mit Impulsen der Jungen GI und dem CGF, um gezielt die Perspektiven der nächsten Generation einzubringen und gemeinsam über die Zukunft der Informatik zu diskutieren.

Es werden in diesem Jahr wieder einige Workshops angeboten. Was zeichnet die Workshops der INFORMATIK aus und welche Rolle spielen sie im Gesamtkonzept des Festivals?

Mit den Workshops entstehen Programmpunkte, die direkt aus aktuellen Fragestellungen und Interessen der verschiedenen Fachbereiche hervorgehen. Was die Workshops besonders auszeichnet, ist ihr interaktiver und kollaborativer Charakter. Das gilt zwar grundsätzlich für das gesamte Festival, zeigt sich aber gerade in den Workshops besonders deutlich: Im Gegensatz zu klassischen Vorträgen stehen der Dialog und der Ideenaustausch im Vordergrund. Dieser Austausch macht die Workshops zu einem wichtigen Motor des Festivals.

How to INFORMATIK FESTIVAL: Welche Tipps geben Sie den Besucher:innen für eine gelungene Jahrestagung mit?

Mein wichtigster Tipp ist, offen und neugierig zu sein. Das Festival bietet eine große thematische Vielfalt, und es lohnt sich, ganz bewusst auch Veranstaltungen außerhalb des eigenen Spezialgebiets zu besuchen. Gerade dort entstehen oft neue Perspektiven. Und auch wenn ich das vielleicht nicht offiziell empfehlen sollte: Es ist völlig in Ordnung, einen Programmpunkt auszulassen oder eine Lücke im Zeitplan zu nutzen, um bei einem Kaffee ins Gespräch zu kommen. Dieser sogenannte „Hallway Track“ ist ein ganz wesentlicher Bestandteil von Konferenzen. In diesem Sinne empfehle ich, das Festival als Ganzes zu erleben. Die INFORMATIK ist mehr als eine Abfolge einzelner Vorträge. Sie ist eine Gelegenheit, Teil einer lebendigen Community zu sein, neue Kontakte zu knüpfen und die Informatik in ihrer ganzen Breite und Relevanz zu erfahren.

Hier geht es zu den Tickets und zum Programm der INFORMATIK26 in Dresden.

Portrait von Florian Tschorsch
© TU Dresden | Noak