KI-generierte Musik
Künstliche Intelligenz kann heute nicht nur Bilder oder Texte erzeugen – sondern auch Musik. Besonders geeignet für erste Experimente: die strukturierten Kompositionen Johann Sebastian Bachs. Sie bilden eine ideale Grundlage für Modelle, die lernen, Note für Note neue Musik zu generieren. Ein Blick auf den technischen Ansatz, aktuelle Entwicklungen und die Frage, was KI-basierte Musik für Recht, Forschung und Kreativität bedeutet.
Hello World – Hello Musik! Für ein erstes „Hello World“-Projekt in der auf künstlicher Intelligenz basierenden Musikgenerierung eignet sich Johann Sebastian Bach besonders gut. Seine Kompositionen zeichnen sich durch eine klare, regelhafte Struktur und eine ausgeprägte Musterhaftigkeit aus, was sie zu einem idealen Ausgangspunkt für maschinelles Lernen macht (medium.com). Gleichzeitig arbeitet Bach häufig mit einer begrenzten Zahl an Stimmen, was die Komplexität reduziert und es Modellen der künstlichen Intelligenz erleichtert, musikalische Zusammenhänge zu erkennen und zu reproduzieren.
Für die einfache Generierung von Musik mit künstlicher Intelligenz eignet sich besonders das Musical Instrument Digital Interface-Format (amazona.de). Es enthält keine Audiodaten, sondern beschreibt Musik in Form einzelner Noten und ihrer Eigenschaften – etwa Tonhöhe, Länge, Lautstärke und zeitliche Position. Dadurch ist es leicht zu verarbeiten und bietet eine kompakte Grundlage, aus der Modelle der künstlichen Intelligenz musikalische Muster erkennen und neue Kompositionen ableiten können. Für Bach gibt es eine eigene Musical Instrument Digital Interface-Sammlung (jsbach.net).
Auf dieser Grundlage lässt sich die Aufgabe als ein autoregressives Vorhersageproblem formulieren. Das Modell versucht, die jeweils nächste Note aus der Sequenz vorheriger Noten abzuleiten. Indem es Muster und Zusammenhänge in der Abfolge erkennt, kann es eine musikalisch sinnvolle Fortsetzung erzeugen – ganz ähnlich wie Sprachmodelle Wort für Wort neue Sätze bilden. Der Informatiker Doktor Tristan Behrens hat für diese Vorgehensweise ein eigenes Github-Repository zusammengestellt (github.com).
Stand der Technik. Neuere Modelle der künstlichen Intelligenz wie Suno oder Udio gehen über die rein symbolische Musikgenerierung hinaus und arbeiten direkt mit Audiodaten statt mit Noten oder Musical Instrument Digital Interface-Sequenzen. Sie basieren meist auf großen neuronalen Netzen mit Transformer- oder Diffusionsarchitekturen (towardsdatascience.com), die auf riesigen Datensätzen aus Musikaufnahmen und zugehörigen Beschreibungen trainiert werden.
Der erzeugte, auf eine Minute beschränkte Musikabschnitt (suno.com) überzeugt bereits mit stimmigen und musikalisch gelungenen Passagen.
Modelle der künstlichen Intelligenz in den Charts.
Am 9. August 2024 erreichte der Song „Verknallt in einen Talahon“ (youtube.com) Platz 48 der deutschen Single-Charts. Für Produzent Josua Waghubinger kam der Erfolg völlig unerwartet; im Interview mit dem Westdeutschen Rundfunk berichtete er darüber (wdr.de).
Was sagt die Rechtslage?
Von künstlicher Intelligenz generierte Werke stellen das Urheberrecht vor neue Herausforderungen (boardofmusic.de).
Forschung.
Die Forschungsgruppe Artificial Intelligence + Music an der University of Liverpool (liverpool.ac.uk), die Music Technology Group an der Universitat Pompeu Fabra (upf.edu) und das Institute of Electronic Music and Acoustics an der Kunstuniversität Graz (kug.ac.at) widmen sich intensiv der Frage, wie künstliche Intelligenz Musik analysiert, erzeugt und kreativ erweitert.
Der Text erschien zuerst im Newsletter GI-Radar. Alle Ausgaben gibt es hier zum Nachlesen: (gi-radar.de).
Kontakt: redaktion@gi-radar.de
