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Blogbeitrag

KI-Entwicklung braucht unabhängige Infrastrukturen

Künstliche Intelligenz ist eine zentrale Komponente für zukünftige Innovation in vielen Bereichen und damit Grundlage für zukünftiges Wirtschaftswachstum. Für eine leistungsfähige europäische KI-Industrie ist eine eigene Cloud-Infrastruktur eine wichtige Voraussetzung.

Eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Transformationen hin zu einer digitalisierten, KI-gestützten Wirtschaft ist der Erhalt der digitalen Souveränität.

Wir erleben derzeit einen gewaltigen Umbruch im Bereich der IT. Unternehmen fast aller Branchen transferieren ihre zentralen Computer-Infrastrukturen hin zu Cloud Services. Dies geschieht aus Gründen der Gesamtkosten, flexiblen Skalierbarkeit aber auch wieder aus einem zu erwartenden Mangel an Fachkräften. Gerade der Mittelstand wird es zukünftig immer schwerer haben, ausreichend Systemadministrator*innen zum Betrieb eigener Infrastruktur zu rekrutieren.

Dominiert wird der Markt von den amerikanischen Diensten Amazon Webservices (AWS), Microsoft Azure und Google Cloud Services, doch stehen chinesische Anbieter wie Alibaba oder Tencent in den Startlöchern. Es ist faszinierende welches Portfolio an Diensten und Services diese Anbieter in den letzten Jahren aufgebaut haben auf den verschiedenen Ebenen. Infrastructure as a Services (IaaS), Platform as a Service (PaaS) und Software as a service (SaaS). Dieser Segen ist gleichzeitig auch ein Fluch. Unternehmen gegeben sich mit der Nutzung dieser Services zunehmend in eine wachsende Abhängigkeit von diesen Anbietern. Einmal getätigte Investitionen in Software, Infrastruktur und Prozesse lassen sich nur bedingt zu einem alternativen Anbieter transferieren, es kommt zum Lock-In.

Berücksichtigt man, dass im Jahr 2025 schätzungsweise bereits 80% der deutschen Unternehmen die Cloud-Services nutzen, so wird aus dem betriebswirtschaftlichen ein volkswirtschaftliches Problem. Die Funktionsfähigkeit vieler Unternehmen und damit der deutschen Wirtschaft ist direkt abhängig von einigen wenigen Dienstleistern. Hinzu kommt eine durchaus ernstzunehmende politische Komponente, wie das von Washington durchgesetzte Verbot der Android-Nutzung durch Huawei oder die Abschaltung der Adobe Cloud in Venezuela gezeigt haben.

Es wird also dringend eine deutsche oder europäische Alternative benötigt. Das Bundeswirtschaftsministerium hat hier unter der Leitung von Marco-Alexander Breit mit Gaia-X eine Initiative gestartet, die Standards für einen virtuellen Hyperscaler erarbeitet, auf deren Basis Marktteilnehmer*innen einheitliche, transparent migrierbare Cloud Services anbieten können. Wichtig ist hierbei jedoch, dass dieses Angebot von großen Playern zu attraktiven Preisen auf den Markt kommen. Auch darf sich das Angebot nicht auf die Bereitstellung von Infrastruktur beschränken, sondern muss einen umfassenden Katalog von Services auf allen Ebenen entwickeln. Erfolgt dies nicht, oder sind die Umsetzungsversuche zu zaghaft, so werden kaum Kund*innen gewonnen werden, und es wird bei Konzepten bleiben.

Gerade für die aufkommende europäische KI-Industrie wäre das fatal, da die Cloud-Anbieter auf Basis Ihrer Rechenkapazität und vorhandenen Datenmassen immer mehr KI-Dienste out-of-the box als leistungsfähige Services bereitstellen und somit immer kleinere Nischen übrigbleiben.

Dieser Beitrag wurde von Dr. Jörg Bienert verfasst und erschien im kürzlich veröffentlichten Arbeitspapier Schlüsselaspekte digitaler Souveränität. Dr. Jörg Bienert ist Mitgründer und Vorsitzender des Bundesverbandes Künstliche Intelligenz e.V.. Gleichzeitig ist er Partner und CPO der Alexander Thamm GmbH, Deutschlands führendem Unternehmen für Data Science und KI. Davor war er u.a. Gründer von ParStream, ein Big-Data Startup mit Sitz im Silicon Valley, das 2015 von Cisco übernommen wurde.

Jörg Bienert