Zum Hauptinhalt springen
Blogbeitrag

Was macht eine gute Tagung aus? | Interview mit Prof. Dr. Ralf Reussner

Professor Dr. Ralf Reussner vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) leitet das Organisationsteam der INFORMATIK 2020, der 50. Jahrestagung der GI. Im Interview spricht er über seine Erwartungen an das Jubiläum und darüber, was eine gute Tagung ausmacht.

Herr Prof. Dr. Reussner, Sie sind seit vielen Jahren GI-Mitglied und haben sicherlich schon die ein oder andere Jahrestagung besucht. Jetzt haben Sie die Organisation des 50. Tagungsjubiläums übernommen. Was macht Ihrer Meinung nach eine gute Jahrestagung aus?

Zunächst einmal bin ich sehr dankbar, dass ich von einem engagierten Team umgeben bin, das alles daran setzt, dass diese Jahrestagung trotz der Widrigkeiten der Corona-Pandemie zu einer besonderen Konferenz wird. Denn die Jahrestagung ist ein Fixstern unseres GI-Kosmos. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Teilnehmenden die Jahrestagung als Forum wahrnehmen, das ihnen viel Neues bringt: neue Kontakte, neue Themen, neues Wissen. Für mich ist die Jahrestagung aber auch deswegen ein so tragendes Event, weil sie für das Zusammengehörigkeitsgefühl unserer Community wichtig ist. Denn die INFORMATIK ist ein Ort, wo wir Mitglieder würdigen, die sich in besonderer Weise um die GI verdient gemacht oder durch herausragendes wissenschaftliches Engagement hervorgetan haben. Ich hoffe, das wir dieses Gefühl auch im virtuellen Raum aufrechterhalten können.

Dieses Jahr sollte die Jahrestagung eigentlich in Karlsruhe stattfinden. Aufgrund der Corona-Pandemie wird sie nun zum ersten Mal in den virtuellen Raum verlagert. Ist diese Entscheidung Ihnen und Ihren verantwortlichen Kolleginnen und Kollegen schwer gefallen?

Natürlich hatten wir uns sehr darauf gefreut, die deutsche Informatik-Community zu einem so besonderen Anlass in Karlsruhe begrüßen zu können. Aber ich bin überzeugt, dass die Entscheidung, die Jahrestagung rein virtuell stattfinden zu lassen, richtig war. Gerade als Organisatoren stehen wir in der Verantwortung, die Sicherheit der Teilnehmenden zu gewährleisten.

In der Diskussion um die Durchführung der INFORMATIK 2020 als digitales Event ist aber bei uns das Bewusstsein gewachsen, dass die aktuelle Situation auch eine enorme Chance bietet! Denn als virtuelle Tagung wird die INFORMATIK deutlich inklusiver. Viele Menschen, die aufgrund von zu hohen Fahrtkosten und Gebühren, familiären Verpflichtungen oder eines schlechten Gesundheitszustandes keine Möglichkeit hätten dabei zu sein, werden diese nun haben. Und auch für Menschen außerhalb der GI-Community sinkt die Hürde, sich an der Konferenz zu beteiligen. Die Corona-Pandemie hat uns gezwungen vieles über den Haufen zu werfen. Aber daraus kann auch etwas neues wachsen.

Ist die 50. GI-Jahrestagung eher als Rückschau oder als Blick in die Zukunft gedacht?

Ich finde zum einen, dass es enorm wichtig ist dieses Jubiläum auch als Würdigung derjenigen zu begreifen, die in den vergangenen Dekaden die GI aufgebaut haben. Mit dem Sammelband „50 Jahre INFORMATIK“ wollen wir dies tun und Interessierten Einblicke in die vergangenen Jahrestagungen geben. Andererseits liegt es von jeher in der DNA unser Disziplin, nach vorne zu schauen. Informatikerinnen und Informatiker waren immer schon Zukunftsbauerinnen und -bauer. Daher wagen wir bewusst auch den Blick in die Zukunft. Konkret wollen wir diskutieren, was die Digitalisierung für unsere eigene Disziplin, die Informatik, bedeutet und natürlich wie wir auf neue Weise als Informatikerinnen und Informatiker durch die Digitalisierung in Beziehungen zu Staat, Gesellschaft und Wirtschaft treten. Dieser in die Zukunft gerichtete Gestaltungswille gepaart mit der Reflektion unser Vergangenheit findet sich auch in unserem diesjährigen Tagungsmotto wieder: „Back to the future!“

Was unterscheidet denn diese Jahrestagung von den anderen – neben der Tatsache, dass sie virtuell stattfindet?

Wir wollen mit der Jahrestagung noch stärker als bisher junge Informatikerinnen und Informatiker adressieren. Zum einen heißt das, dass wir auch das Thema „Informatik in der Schule“ in einer zentralen Panel-Diskussion gezielt thematisieren. Ebenso geht es darum, ein wertvolles Netzwerk gerade auch für junge Informatikerinnen und Informatiker zu bieten. Dafür haben wir die Digital Innovation Challenge gestartet. Dabei erarbeiten Studierende der Informatik, Wirtschaftsinformatik und aus verwandten Studiengängen im Team eine Softwarelösung für eine real existierende Herausforderung eines Unternehmens. Die Digital Innovation Challenge wird im Rahmen unserer Jahrestagung erstmalig angeboten. Dafür haben wir uns mit zahlreichen Unternehmenspartnern zusammengetan wie andrena objects, capgemini, CAS Software AG, Google, IBM oder SAP. Durch die Digital Innovation Challenge werden interessante Möglichkeiten der Vernetzung zwischen Unternehmen und Studierenden geschaffen – und natürlich gibt es für die besten drei Teams auch Preisgelder.

Dieses Interview erschien im GI-Jahresbericht 2019/2020. Das gesamte Heft steht Ihnen hier zum Lesen bereit. 

 

 

Prof. Dr. Ralf Reussner © Karlsruher Institut für Technologie