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Blogbeitrag

Hightech auf dem Acker: Warum die Landwirtschaft ein Zukunftsfeld für Informatiker*innen ist

Die Landwirtschaft zählt zu den zentralen Wirtschaftsbereichen – technologisch jedoch oft unterschätzt. Dabei ist sie längst ein Hightech-Sektor: Roboter, KI und smarte Systeme verändern Arbeitsprozesse grundlegend. Für Informatiker*innen bietet die Branche vielfältige Aufgaben mit direktem Praxisbezug und gesellschaftlicher Relevanz.

Im Fokus dieser Ausgabe stehen die Landwirtschaft und Landtechnik als interessante Arbeitsfelder für Informatiker und Informatikerinnen. Im Kontext der Digitalisierung führt die Landwirtschaft ein Schattendasein – zu Unrecht. 80 Prozent der Fläche werden in Deutschland land- oder forstwirtschaftlich genutzt (Umweltbundesamt) und mit modernen Maschinen und Technologien bewirtschaftet. Die deutsche Landtechnik verzeichnete im Jahr 2024 einen Umsatz von 11,1 Mrd. € (VDMA).

Maßgeblicher Treiber für den Beginn einer umfassenderen Digitalisierung war in den 1990er Jahren die zivile Verfügbarkeit von GPS-Positionsdaten, gefolgt von eingebetteten Steuergeräten, Mobilkommunikation und Standardisierung von Maschinendaten.

Aktuell befasst sich die Landtechnik mit der Hochautomation und Roboterisierung von Systemen und implementiert dabei auf vielfältige Weise Technologien aus der Robotik und der Künstlichen Intelligenz sowie leistungsfähige Sensorik. Autonome Systeme werden nicht entwickelt, weil es technisch möglich ist. Es gibt handfeste Gründe dafür. Mit den Robotern entstehen alternative Antriebssysteme, die auf erneuerbaren Energieträgern basieren.

Durch den demographischen Wandel stehen vielerorts keine Arbeitskräfte mehr zur Verfügung. Aber auch neue, nachhaltigere Anbauverfahren erfordern neues Denken: Kleinräumige ortsangepasste Düngung und Pflanzenschutz, Mischkulturen mit einer höheren Biodiversitätsleistung. Die präzise Applikation von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln erlaubt eine deutliche Reduktion von Ausbringmengen.

Zahlreiche serienreife Roboter haben bereits den Weg vom Labor auf den Acker, das Grünland, das Gewächshaus und in den Wald gefunden. In der Innenwirtschaft (Stall) sind sie bereits der Stand der Technik und werden zum Melken, Füttern und Reinigen genutzt. Für die kommenden Jahre wird mit einem Wachstum von über 30 Prozent pro Jahr gerechnet (continental.com).

Im Gegensatz zu Straßenfahrzeugen handelt es sich bei Landmaschinen um mobile Arbeitsmaschinen, bei denen das autonome Fahren fast ein Randphänomen ist. Noch wichtiger ist die intelligente Steuerung der Prozesse mit regelbasierten Systemen, semantischen Technologien und maschinellem Lernen. Mit Hilfe von synthetischen Trainingsdaten für Pflanzen, Pflanzenkrankheiten sowie Bodenstrukturen werden praxisgerechte Modelle mittlerweile in kurzen Zeitabständen erzeugt und integriert.

Nicht nur bei Landmaschinen, auch beim Farm-Management und verteilten Systemen werden große Fortschritte gemacht. Im April 2025 soll ein großes EU-Projekt „Common European Agricultural Dataspaces (CEADS)“ starten, um all diese Systeme auf einfachere Weise interoperabel zu machen (europa.eu).

Fazit und Appell an die Informatik: Landwirtschaft und Landtechnik sind sehr spannende Arbeitsfelder.

Gut zu wissen: Die Digitalisierungsfachleute des Sektors sind in der Gesellschaft für Informatik in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft (GIL e.V.) zusammengeschlossen. Die GIL ist assoziiertes Mitglied in der GI.

Diesen Beitrag hat Thilo Steckel, Vorsitzender der Gesellschaft für Informatik in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft (GIL), beigesteuert. Vielen Dank.

Der Text erschien zuerst in unserem Newsletter GI-Radar. Alle Ausgaben gibt es hier zum Nachlesen.

Bild in Vogelperspektive, welches eines Landwirtschaftsfahrzeug das über ein Feld fährt
(© Red Zeppelin - unsplash)