„Es geht … und hier ist, wie es gemacht wird“
Die ecoCompute, eine Konferenz für Nachhaltigkeit in der IT, geht in die zweite Runde. Im Interview spricht Organisator Arne Tarara über die Weiterentwicklung der Konferenz und nachhaltige IT-Strategien. Dabei stehen interdisziplinäre Zusammenarbeit, praxisnahe Lösungen und die Rolle von Open-Source-Technologien im Mittelpunkt.
Arne Tarara ist CEO von Green Coding Solutions und Experte für nachhaltige Software. Mit mehr als 16 Jahren Erfahrung als Entwickler, CTO und CEO treibt er Green Software Engineering voran und entwickelt Tools wie das Green Metrics Tool, Eco-CI und PowerHog, um den Energieverbrauch von Software messbar zu machen. Mit der ecoCompute hat er eine Konferenz geschaffen, die nachhaltige digitale Infrastrukturen in den Fokus rückt. Die GI ist in diesem Jahr Mitorganisator der Konferenz.
Arne, die ecoCompute geht in die zweite Runde. Welche konkreten Fortschritte oder neuen Ansätze erhoffst du dir von der zweiten Ausgabe – auch im Vergleich zu 2024?
Wir haben 2024 einiges an Feedback bekommen mit verschiedenen Wünschen und Anregungen. Die Teilnehmenden wünschten sich mehr von allem und fanden, dass das Programm noch umfangreicher sein kann. Das hat uns darin bestätigt, dass wir genau richtig liegen mit der Nische, auf die wir uns konzentrieren: die Schnittstelle von Hardware und Software-Entwicklung und deren Potenziale für Nachhaltigkeit in der digitalen Welt. Daher planen wir für 2025 vor allem einen weiteren Track, in dem noch mehr Tools und Methoden vorgestellt werden können. Wir planen auch einen Einsteiger-Track, da wir sehen, dass viele Leute von dem Thema fasziniert sind, aber erst wenige Berührungspunkte haben und einen sanften Einstieg brauchen, ohne gleich mit einem Tech-Deep-dive überrollt zu werden. Ebenfalls freuen wir uns, jetzt in Berlin zu sein. Die Stadt, in der wir auch als Unternehmen heimisch sind.
Euer Konferenz-Konzept setzt auf interdisziplinäre Zusammenarbeit. Welche Rolle spielt diese bei der Entwicklung nachhaltiger digitaler Infrastrukturen – und gibt es bereits Erfolgsgeschichten aus dem vergangenen Jahr?
Die Entwicklung spielt eine wichtige Rolle, da die meisten Emissionen von digitalen Infrastrukturen schon in der Planungs- und Designphase festgelegt werden. Wir wollen daher dieses Jahr auch einen Schwerpunkt auf Architekturen von Software legen und nicht nur auf die Effizienz von bereits fertig ausgerollter und produktiv eingesetzter Software. Synergien, oder eher Erfolgsgeschichten, gibt es in dem Sinne, dass uns nach der ecoCompute 2024 einige Unternehmen angeschrieben haben, weil sie gerne Inhalte aus den Workshops und Vorträgen umsetzen möchten. Viele der Vortragenden haben Open-Source-Tools vorgestellt, die nach der Konferenz direkt ausprobiert werden können. Open-Source ist auch in diesem Jahr wieder ein wichtiges Kriterium für die Auswahl der Vorträge bei uns.
Viele innovative Ansätze bleiben in der Theorie stecken, weil sie sich in der Praxis nicht umsetzen lassen. Hast du bereits vielversprechende Lösungen gesehen, die diese Hürde überwinden konnten?
Ja, sehr viele! Das liegt aber auch an der Auswahl unserer Themen. Uns ist bewusst, dass viele theoretische Konzepte wie die Nutzung von nachhaltigen AI-Modellen entweder aus organisatorischen Gründen nicht machbar oder technisch utopisch sind, weil das Modell gar nicht selbst entwickelt wird oder das entsprechende Know-how fehlt, um es nachhaltig zu aufzusetzen. In unserer Themen-Auswahl wollen wir uns daher vor allem auf Erfolgsgeschichten fokussieren, bei denen gezeigt wird: Es geht ... und hier ist, wie es gemacht wird.
Viele Unternehmen beschäftigen sich zunehmend mit Green IT, doch oft bleibt es bei kurzfristigen Maßnahmen. Wie kann die IT-Branche sicherstellen, dass Nachhaltigkeit langfristig in Unternehmensstrategien und Entwicklungsmethoden verankert wird und nicht nur kurzfristiger Trend bleibt?
Was kurzfristig bedeutet, kann man auf verschiedene Weise sehen. Wir stellen fest, dass Bemühungen um Green IT schon auch langfristige Effekte haben. Aber ein Unternehmen wächst weiter und besonders, wenn man von Beschaffung spricht, muss Nachhaltigkeit auch beim nächsten Turnus wieder berücksichtigt werden. Gerade in der Software-Entwicklung ist es sehr einfach und zielführend, eine KPI in die Dashboards einzuführen, sodass man sich konstant mit sich selbst vergleicht: Ist meine Software ineffizienter geworden? Wird sie wieder an Orten ausgeführt, wo wir keinen regenerativen Strom haben? Wird die Hardware optimal ausgelastet? Vor solchen Fragen stehen Unternehmen täglich und sie müssen daher auch als konstante Maßnahmen implementiert werden, um langfristig auf Nachhaltigkeit zu setzen.
Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Was muss deiner Meinung nach passieren, damit die nachhaltige IT-Transformation gelingt? Welche Technologien, Strategien oder politischen Maßnahmen sind dafür entscheidend?
Nachhaltigkeit muss sich lohnen und sie muss konkurrenzfähig und fair sein. Wenn wir als Gesellschaft Nachhaltigkeit als wichtig empfinden – und davon gehe ich aus – dann darf nachhaltiges Wirtschaften nicht teurer sein als konventionelles. Der Weg dazu geht, wie man auch aus ökonomischer Sicht oft hört, über die Internalisierung der externen Kosten. Der Schaden für die Umwelt, der durch den Verbrauch von Kohlestrom oder den Kauf von Elektronik, die zu Elektroschrott werden kann, entsteht, muss in das Produkt eingepreist sein. Ähnlich einem Pfand oder einer Steuer. Wenn diese Kosten enthalten sind, dann sind nachhaltige Produkte und Dienstleistungen automatisch konkurrenzfähig und am Ende sogar auf Dauer günstiger. Damit jedoch überhaupt die Transparenz für eine mögliche Besteuerung und auch die technischen Möglichkeiten für Effizienz und Einsparungen entstehen, sind wir als Software- und Hardware-Ingenieure in der Verantwortung, diese Möglichkeiten zu schaffen und zu integrieren.
Interview: Teresa Zeck
Alle Infos zur Konferenz: https://www.eco-compute.io
