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Blogbeitrag

Elektronische Wahlen mit unabhängiger Verifikation

Wie lassen sich elektronische Wahlen überprüfen? Welche Tools gibt es, um das Wahlgeheimnis zu schützen und Fälschungen vorzubeugen? Dieser Blogbeitrag von Rüdiger Grimm gibt einen Überblick – und die GI freut sich auf Unterstützung aus der Community.

Dass Software genau das tun soll, was man von ihr erwartet, nicht weniger (Funktionsverlust) und nicht mehr (Hintertüren), ist klar. Unkorrekt arbeitende Wahlsysteme wären besonders heikel, denn der heimliche Bruch des Wahlgeheimnisses oder gar Wahlfälschung wären die Axt an die Wurzeln unserer Demokratie. Was tun?

Paradigmenwechsel von der Quellcodeüberprüfung zur Ergebnisüberprüfung. Die klassische Antwort der IT-Sicherheit lautet: Die Wahlsoftware muss gegen ihre Anforderungen geprüft und zertifiziert werden (researchgate.net), siehe zum Beispiel das erste Zertifikat, für das wir 2008 das Schutzprofil geschrieben hatten (bund.de), und ein Beispielzertifikat dazu (bund.de). Natürlich bleibt es auch weiterhin dabei, dass die eingesetzte Wahlsoftware korrekt sein muss. Und zum Schutz des Wahlgeheimnisses gibt es auch keine andere Möglichkeit als die eingesetzte Wahlsoftware zu überprüfen. Zum Schutz der Korrektheit der Wahldurchführung aber haben wir heute einen zusätzlichen Sicherheitsanker, der uns von dem eingesetzten Wahlsystem ein wenig unabhängiger macht: Wir überprüfen nicht (nur) das eingesetzte Wahlsystem, sondern wir überprüfen die Stimmabgabe und das Wahlergebnis mit unabhängigen Tools.

Individuelle und universelle Verifikation elektronischer Wahlen. Wählerinnen und Wähler können der Korrektheit einer Wahldurchführung vertrauen, wenn sie sicher sein können, dass erstens ihre Stimme richtig in den Abgabe- und Zählprozess eingeht, und zweitens, dass die Urne richtig ausgezählt wird. Ersteres bezieht sich auf den einzelnen Wähler und heißt darum „individuelle Verifikation“. Letzteres bezieht sich auf alle Stimmen und wird daher „universelle Verifikation“ einer Wahl genannt. 

Zur Verifikation werden zusätzliche Tools herangezogen, die neben dem Wahlsystem existieren. Verifikationstools sollten nicht vom Hersteller des Wahlsystems stammen, sondern am besten von den Wählerinnen und Wählern selbst: Das entspricht bei der Papierwahl, dass sie selber den Wahlbrief falten und in die Urne stecken, dass sie dann die Urne bis zur Öffnung beobachten und schließlich den Auszählprozess mit eigenen Augen überwachen. Da nur die wenigsten in der Lage sind Softwaretools zu bauen, setzen wir auf eine Vielzahl unabhängiger Tools, so dass jeder sich das Tool seines Vertrauens aussuchen kann.

Die moderne Entwicklung elektronischer Wahlen. In einem Artikel (researchgate.net) wird genauer erklärt, was mit universeller und individueller Wahlverifikation gemeint ist. Die E-Vote-ID (e-vote-id.org) ist eine internationale Konferenz, die seit 2007 jährlich abgehalten wird. Sie gehört zu den renommiertesten wissenschaftlichen Einrichtungen zum Thema elektronischer Wahlen und nimmt durch ihre kritische Sicht entscheidenden Einfluss auf die moderne Entwicklung von E-Wahlen.

Für die Präsidiums- und Vorstandswahlen der GI 2023 planen wir, diesen modernen Weg zu gehen und Verifikationstools in der Community der Gesellschaft für Informatik herstellen zu lassen und zum Einsatz zu bringen. Wer Interesse hat: Hier gibt es weitere Informationen. Wir freuen uns auf interessante Tool-Entwicklungen!

Dieser Beitrag erschien in unserem Newsletter GI-Radar, der alle zwei Wochen erscheint und viele weitere spannende Einblicke in die Informatik bietet. Alle Ausgaben gibt es hier zum Nachlesen.

Jemand steckt einen Wahlzettel in eine Sammelbox.
Bereits die Briefwahl wurde für angeblich geringe Sicherheit kritisiert. Wie lässt sich die Sicherheit von elektronischen Wahlen gewährleisten? (© Element5 Digital/Unsplash)