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Blogbeitrag

Digitale Souveränität beginnt mit guter digitaler Bildung

Digitale Souveränität entsteht durch verschiedene Faktoren. Zentral ist der Erwerb von Technik- und Medienkompetenz im Schulalter. Hierzu muss sich die Schulbildung in Deutschland neu aufstellen und der Bund Hilfestellung leisten.

Ich verstehe unter Digitaler Souveränität, dass der*die einzelne Bürger*in, Unternehmen oder die öffentliche Verwaltung selbstständig, selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt handeln und entscheiden können. Dazu gehören beispielsweise Fähigkeiten wie Medienkompetenz sowie Rahmenbedingungen, die es mir ermöglichen, meine Sicherheits- und Datenschutzinteressen kontrollieren zu können (z.B. DSGVO). Nicht zuletzt benötigen wir auch die technologischen Fähigkeiten, um bei der rasanten Entwicklung digitaler Schlüsseltechnologien, entsprechenden Diensten und Plattformen, verantwortungsvoll handeln zu können. Dazu gehört auch, bei technischen Produkten selbstbestimmt beurteilen zu können, ob der Anbieter leistungsfähig und vertrauenswürdig ist und diese Produkte entsprechend einzusetzen.

Um Medien- und Technikkompetenzen zu fördern bedarf es eines Ausbaus unserer Bildungseinrichtungen zu qualitätsvollen Vermittlern digitaler Kompetenz. Das föderal organisierte Bildungssystem ist den Herausforderungen der Digitalisierung an manchen Stellen nicht gewachsen. Die Möglichkeiten, aber auch die Gefahren, die Digitalisierung im Bildungsbereich mit sich bringt, dürfen wir nicht unterschätzen: Das Grundproblem umschreibe ich mit meiner Forderung: aus der Informationsflut darf keine Wissensdürre werden! Unsere Bildungseinrichtungen sind inhaltlich und methodisch auf die Herausforderungen der digitalen Gesellschaft nicht ausreichend vorbereitet. Weder die mäßigen Bemühungen der Kultusministerkonferenz, noch ein Bildungsstaatvertrag werden diese Problematik lösen.

Schülerinnen und Schüler müssen die grundlegenden Strukturen und Zusammenhänge von Naturwissenschaften, Technikwissenschaften, Informatik und Mathematik erlernen und ein Verständnis für wirtschaftliche, politische und soziale Zusammenhänge entwickeln. Deshalb muss die Vermittlung von Fach- und Methodenkompetenz einen besonderen Schwerpunkt einnehmen. Detailkenntnisse können aus Datenbanken abgerufen werden.

Gleichzeitig ist die Lehrerfortbildung Schlüssel zum Erfolg. Diese ist mit Blick auf die digitale Bildung unzureichend. Es muss sichergestellt sein, dass die Lehrkräfte auf höchstem Niveau in den Bereichen Informationstechnik, Informationssicherheit und Medienkompetenz fortgebildet werden. Ich halte ein stärkeres Engagement des Bundes für notwendig, ähnlich wie der Bund dies für „Gute Lehre“ an unseren Hochschulen organisiert.

Hochschulen und Universitäten müssen außerdem auf den steigenden Fachkräftebedarf eingehen und entsprechende Studiengänge entwickeln und anbieten. Dazu zähle ich beispielsweise die Studiengänge IT-Sicherheit, Data Engineering und Data Science. Nur so können wir sicherstellen, dass Deutschland befähigt ist im Auf- und Ausbau von Schlüsseltechnologien der Zukunft wettbewerbsfähig und damit digital souverän zu bleiben. Zudem muss das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu einer zentralen Anlaufstelle für Fragen der IT-, Internet- und Cybersicherheit weiterentwickelt werden. Auch dies stärkt die Digitale Souveränität aller Bürgerinnen und Bürger.

 

 

Dieser Beitrag wurde von Tankred Schipanski verfasst und erschien auch im GI-Arbeitspapier Schlüsselaspekte digitaler Souveränität
Tankred Schipanski ist seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er ist Vorsitzender und Sprecher der Arbeitsgruppe Digitale Agenda der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und ordentliches Mitglied der Ausschüsse Digitale Agenda sowie Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung.

Tankred Schipanski, MdB