Zum Hauptinhalt springen
Blogbeitrag

BYTE Challenge – Digitales Lernen

Die BYTE Challenge wurde 2020 ins Leben gerufen, um Schulen bei der digitalen Bildung zu unterstützen und Schüler*innen spielerisch für Informatik zu begeistern. Was als Idee begann, hat sich zu einer Lernplattform mit Wettbewerbscharakter entwickelt, die bereits tausende Kinder erreicht. Doch wie entsteht ein solches Bildungsprojekt? Von der ersten Konzeption über Branding, Finanzierung und Datenschutz bis hin zur Entwicklung interaktiver Lerninhalte – dieser Beitrag gibt spannende Einblicke in den Aufbau und die Herausforderungen einer digitalen Bildungsinitiative.

Als 2020 inmitten der Pandemie offensichtlich wurde, wie groß der Bedarf an Digitalisierung, Informatik-Bildung und Unterstützung der Schulen in Deutschland ist, haben wir die BYTE Challenge gegründet, eine Lernplattform mit Wettbewerbscharakter rund um die Informatik, die inzwischen mehrere tausend Schulkinder an über 70 Schulen erreicht. Wir wollen dabei Berührungsängste nehmen und langfristig eine Begeisterung für digitale Technologien wecken. Besonders Schüler*innen, die oft wenig Selbstvertrauen in technische Fächer haben, erhalten hier die Möglichkeit, ihre Potenziale fernab von Geschlechterrollen und Vorurteilen zu entdecken.

Die Vorbereitung für ein solches Projekt teilt sich in mehrere Bereiche auf. Im Vorfeld ist eine Recherche bestehender Angebote erforderlich und die Ausrichtung des eigenen Projektes an den bisher nicht abgedeckten Bedarf. Im Falle der BYTE Challenge gehörten dazu Gespräche mit der Geschäftsführung der GI sowie der Bundesweiten Informatikwettbewerbe und das Kontaktieren weiterer ehrenamtlicher und außerschulischer Initiativen und von (Informatik-)Lehrkräften. Dabei wurde schnell klar, dass die Heimat eines gemeinnützigen Informatik-Bildungsprojektes für die Breite in der GI sein würde. Dann folgt das Branding, mit der Suche eines Namens, der Gestaltung eines Logos sowie die Wahl eines Mottos. Etwas später wurde dann unser Maskottchen Bitsy „geboren“, das inzwischen schon ein Rundum-Update erfahren hat. Wichtig war schon dabei, dass keine Gender-Stereotype reproduziert werden, was sich bereits in der Wahl der Farbpalette niederschlägt.

Während ein Team aus Ehrenamtlichen und Partner*innen aufgebaut wurde, ausgehend vom Freundes- und Bekanntenkreis und im Laufe der Zeit durch intensives Netzwerken und Plattformen wie GoVolunteer erweitert, musste die Zusammenarbeit organisiert werden. Eine Führungsstruktur und klare Aufgabenverteilungen mit kontinuierlicher Anpassung wurden erforderlich. Wöchentliche digitale Meetings haben uns in der ganzen Zeit geholfen, im Team persönliche Verbindungen zu schaffen und unsere Zeitplanung stets im Blick zu behalten. Die Software zur Projektverwaltung begann mit einfachen, günstigen Hosting-Angeboten, die schrittweise ergänzt, immer möglichst einfach designt und komplett selbst administriert werden. Großen Wert haben wir auf Open Source-Software gelegt, neben Mattermost nutzen wir nextCloudPHPMyAdminJitsi oder BigBlueButton sowie Moodle.

In einem Projekt, wo die Zielgruppe Kinder sind und das mittlerweile auch im Rahmen des staatlichen Schulunterrichtes eingesetzt werden kann, sind Datenschutz und eine rechtliche Sicherheit von größter Bedeutung. Mit der Unterstützung zweier Anwaltskanzleien und einem TÜV-geprüften Datenschutzbeauftragten, haben wir zunächst intensiv recherchiert und dann individuelle AGB und Datenschutzbedingungen sowie maßgeschneiderte Prozesse aufgesetzt. Dazu gehören z.B. je ein Pfad zur Registrierung für Schulen und ein Pfad für individuell teilnehmende Kinder, deren Eltern bei der Registrierung per E-Mail um Zustimmung gebeten werden. Die Umsetzung als Webanwendung konnten wir entsprechend nicht auf dem freien Markt finden, sodass wir hierfür einen eigenen Dienstleister gefunden haben.
Das Hosting von Servern komplett in Deutschland ohne Einbindung externer Ressourcen, die Nutzung nur DSGVO-konformer EU-Dienstleister, eingehende Prüfung jedes einzelnen Services, Transportverschlüsselung usw. sind nur die am ehesten sichtbaren technischen und organisatorischen Maßnahmen. Sorgfältig dokumentierte Prozesse und Verpflichtungserklärungen sind im Hintergrund essenziell.

Eine weitere Säule ist die Finanzierung, die von der Finanzabteilung der GI verwaltet wird. Das Einwerben erfordert mehrere Runden direkter Ansprache potenzieller Fördergeber. Neben finanzieller Förderung haben wir große Unterstützung auch durch Sachleistungen, z.B. Hosting, Räumlichkeiten und Streaming-Ausrüstung, Merchandise-Produkte als Preisgewinne und vergünstigte Dienstleistungen finden können. Wenn das Projekt größer und etablierter wird, wird es einfacher, preisdotierte Wettbewerbe zu gewinnen und Stiftungsgelder einzutreiben.

Der Kern jedoch ist das Kursangebot der Lernplattform. Mehr als 100 Module in drei Sprachen von den Grundlagen der Informatik über digitale Kompetenzen bis hin zu Berufsorientierung und technischen Vertiefungen mussten aufgebaut und gestaltet werden. Videobasierte Lernmaterialien, interaktive Aufgaben und Quizzes sorgen für abwechslungsreiches und zugängliches Lernen, so wie wir es uns erträumt haben. Damit die Qualität und didaktische Methodik stets verbessert wird, haben wir uns mit mehreren Lehrstühlen, Lehrkräften und anderen Initiativen verbündet, bitten allerorten nach Feedback und entwickeln unsere Kurse stets weiter. Ein großer Schritt war die Gründung unseres Beirates, dessen Mitglieder uns intensiv unterstützen. Wichtig ist darüber hinaus die persönliche Vernetzung, um Wissen und Erfahrungen auszutauschen und zu sammeln.

Ferner haben sich zahlreiche weitere Formate entwickelt, wie Kinderbücher oder die BYTE Lounge, die einen Raum für Austausch in Form digitaler, offener Fishbowl-Diskussionen schafft. Lehrkräfte, Schüler*innen, Expert*innen aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Ehrenamtliche können hier ihre Erfahrungen teilen und gemeinsam neue Ansätze für Bildung und Digitalisierung entwickeln. Der wertvolle Input aus der Community trägt dazu bei, die Plattform kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Das Wichtigste zum Schluss: Die BYTE Challenge wäre ohne das Engagement ihres Teams nicht denkbar. Mehrere hundert Unterstützer*innen und ein harter Kern von aktiven Ehrenamtlichen bringen ihre Zeit und Talente ein, BYTE weiter voranzutreiben. Diese leidenschaftliche Gemeinschaft zeigt, dass digitale Bildung vor allem von der menschlichen Zusammenarbeit lebt. 

Weitere Informationen zur BYTE Challenge gibt es auf byte-challenge.de.

Dieser Bericht, wie man mit Begeisterung ein großes und erfolgreiches Projekt aufzieht, haben Stefan Hildebrand und Ira Jerabkova beigesteuert. Der Text erschien zuerst in unserem Newsletter GI-Radar. Alle Ausgaben gibt es hier zum Nachlesen.

es wird ein Mann gezeigt, welcher ein Foto mit einer Frau macht, welche einen Plüsch-Roboter um den Hals trägt
Das Team der BYTE Challenge inklusive Bitsy, dem Roboter, ist auch auf den Veranstaltungen der GI immer gut vertreten. (© Mike Auerbach)