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Recap - Fachgespräch „Schlüssel Digitaler Souveränität“

Wie kann Digitale Souveränität innerhalb globaler Ökosysteme aufrechterhalten werden, ohne an Vernetzungsgrad zu verlieren? In einem Fachgespräch des Wirtschaftsbeirates der GI diskutierten Expertinnen und Experten aus Forschung, Politik und Wirtschaft diese Frage. Dabei lag der Fokus auf einer grundsätzlichen Einordnung verschiedener Konzepte digitaler Souveränität, den Herausforderungen, konkreten Projekten und Zukunftsperspektiven.

Über konkrete Projekte und politische Ansätze

Marco-Alexander Breit, Leiter „Stabsstelle Künstliche Intelligenz“ im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi): „Mit GAIA-X wollen wir eine vernetzte Dateninfrastruktur als Wiege eines vitalen, europäischen Ökosystems schaffen. Das geht nur im Schulterschluss zwischen Wirtschaft sowohl auf der Anwender- als auch der Anbieterseite, der Wissenschaft und der Politik. Wir im Bundeswirtschaftsministerium führen dazu die Fäden zusammen.“

In der Parlamentarier-Runde waren die digitalpolitischen Sprecher aus drei Bundestagsfraktionen im Gespräch: Manuel Höferlin (FDP), Tankred Schipanski (CDU) und Dr. Jens Zimmermann (SPD). Diese positionierten sich zu Themen wie GAIA-X, IT-Sicherheit, Verschlüsselung oder zu den Vergabekriterien beim 5G-Infrastrukturausbau im Kontext der digitalen Souveränität. Dabei herrschte große Einigkeit bei vielen der adressierten Punkte:

  • Große Einigkeit herrschte bei der Frage, wie die Zulassung beim Ausbau der 5G-Infrastruktur verfahren werden solle: Es müsse einen klar definierten Sicherheitskatalog geben, der von den Anbietern nachprüfbar erfüllt werden soll. Den Ausschluss einzelner Anbieter lehnten alle Parlamentarier ab, allerdings spiele das Rechtsstaatsprinzip in den Herkunftsländern natürlich eine Rolle.
  • Lob gab es für die Bundesregierung für die Initiative GAIA-X, weil hier viele Player aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik – die zwar in Deutschland, Frankreich, aber auch darüber hinaus an einem Strang zögen.
  • Konsequente Verschlüsselung stärkt das Vertrauen in die IT-Infrastruktur. Deshalb darf es keine Hintertüren oder sonstige Aufweichung geben. Allerdings sei das die Perspektive der Digitalpolitiker. Die mit innerer Sicherheit befassten Politiker und Politikerinnen sehen das teileweise anders und insbesondere, wenn der öffentliche Diskurs sich beispielsweise um Kinderpornographie dreht würde Verschlüsselung zum Menetekel.
  • Digitale Bildung müsse besser, schneller und umfangreicher in den Ländern umgesetzt werden. Dabei ginge es nicht darum, einen Lehrplan aufzustellen – sondern die Welt von morgen, also Algorithmen und Künstliche Intelligenz, der Schülerinnen und Schüller zu erklären. Hier sei auch die Gesellschaft für Informatik gefragt.

Einzig die Forderung nach einem Digitalministerium wurde nicht von allen Teilnehmern geteilt.

Perspektiven aus der Informatik

Thomas Bendig, Forschungskoordinator beim Fraunhofer IUK-Verbund und Luise Kranich, Leiterin Außenstelle Belrin des FZI Forschungszentrums Informatik brachten in Ihren Impulsen etwas Struktur in die Fragen, was ist eigentlich digitale Souveränität. Bending adressierte in seinem Impuls die Digitale Souveränität im Kontext plattformbasierter Ökosysteme. Luise Kranich erläuterte basierend auf eine Studie des FZI, das digitale Souveränität eine Vielzahl unterschiedlicher Technologiefeldern beträfe. Dr. Tina Klüwer, Mitglied der Enquete-Kommission des Bundestages für Künstliche Intelligenz, unterstrich die Relevanz von Start-up-Innovation als Schlüssel für eine Digitale Standortssouveränität und der Bedeutung des Softwarelayers beispielsweise bei GAIA-X.

Achim Heidebrecht, CTO beim Nürnberger Softwarehaus für die Versicherungswirtschaft NOVUM GmbH und früherer Leiter der Talanx-Konzern-IT hob die Bedeutung des Edge-Computing hervor. Große Hyperscaler werden in Deutschland nicht mehr entstehen, im Cloud-Computing und insbesondere beim Umgang mit den Daten, lägen aber große Chancen für den Standort.

Wir stellen zu Ihrer Verfügung folgende Beiträge der Veranstaltung:

Die Veranstaltung in Bildern: https://bit.ly/2OLf6d6

v.l.n.r. Anja Schaar-Goldapp, GI; Dr. Jens Zimmermann, MdB; Manuel Höferlin, MdB; Christine Regitz, GI; Tankred Schipanski, MdB; Daniel Krupka, GI