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Meldung

Neuer Innovationsrat gibt Impulse für den Innovationsstandort Deutschland

Im Rahmen der Hannover Messe haben acht Fachleute, darunter Martin Wolf, Präsident der GI, den Innovationsrat für Deutschland gegründet und fünf Impulse zur Stärkung des Innovationsstandorts Deutschland formuliert. Der unabhängige Innovationsrat fordert eine klare Strategie, um Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand und technologische Souveränität Deutschlands langfristig zu sichern.

Deutschland steht an einem Wendepunkt: Bleibt das Land eine führende Innovations- und Industrienation oder wird es zum Nachzügler im globalen Wettbewerb? Innovation ist zur Schicksalsfrage geworden, sie entscheidet über wirtschaftliche Stärke, Wohlstand, Beschäftigung und gesellschaftliche Stabilität. Als größte Volkswirtschaft Europas prägt Deutschland damit auch die Zukunft unseres Kontinents.

Der von Industrie und Parteien unabhängige Innovationsrat der Initiative „Zukunft Deutschland 2050“ des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), an der auch die GI beteiligt ist, warnt vor den Folgen eines zunehmenden Verlusts an Wettbewerbsfähigkeit. Zugleich legt der Innovationsrat konkrete Handlungsempfehlungen vor, um den Innovations- und Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu stärken. Während andere Volkswirtschaften mit klaren Strategien, hohem Tempo und massiven Investitionen vorangehen, fehlt es Deutschland an Verbindlichkeit, Geschwindigkeit und Mut zur Umsetzung.

Prof. Dr. Martin Wolf, Präsident der GI: „Als Innovationsrat fordern wir eine konsequente Neuausrichtung der Innovationspolitik: weg vom kurzfristigen Denken in Legislaturperioden, hin zu einer langfristigen, faktenbasierten und wirkungsorientierten Strategie. Wir dürfen nicht riskieren, dass Schlüsseltechnologien hier erfunden und entwickelt, aber anderswo skaliert und vermarktet werden. Wenn wir es nicht schaffen, Innovationen aktiv zu gestalten, werden wir technologisch, wirtschaftlich und geopolitisch abgehängt werden.“

Der Innovationsrat fordert in seinen „5 Impulsen für den Innovationsstandort Deutschland“ eine ganzheitliche Betrachtung des Themas Innovation und dessen Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland:

  1. Innovationen dürfen in unserem Land nicht länger im Takt der Legislaturperioden betrachtet werden. Deutschland braucht eine faktenbasierte, langfristig angelegte Innovationsstrategie mit klaren Prioritäten hinsichtlich Schlüsseltechnologien, Infrastruktur, Ressourcen und Fachkräften – und eine Haltung des Gestaltens. 

  2. Der regulatorische Rahmen in Deutschland und Europa muss im internationalen Vergleich attraktiver werden und stärker auf Vertrauen setzen: mit schnelleren Genehmigungen, digitalisierten Verfahren, klaren Zuständigkeiten und mehr Freiräumen für Innovation. Die Vorgaben insbesondere in Deutschland sind an vielen Stellen zu restriktiv. Europa benötigt mehr Experimentierräume für Innovatoren, z. B. in Form von klug definierten Reallaboren und Experimentierklauseln. Goldplating sollte zurückgefahren werden, indem man sich an Ländern orientiert, die europäische Regulierung innovationsfreundlicher umgesetzt haben. Gleichzeitig sollte Deutschland auf europäischer Ebene eine aktivere Rolle einnehmen und sich für den Abbau unnötiger Regulierung sowie eine innovationsfreundlichere Ausgestaltung von EU-Vorgaben einsetzen.

  3. Deutschland braucht mehr Courage und strategische Investitionen statt Kaskodenken und kurzfristigen Maßnahmen: Die Entwicklung von Schlüsseltechnologien kostet Zeit und Geld. Dies bedarf neuer Formate der Förderung in Wissenschaft und Wirtschaft, die Innovation und Kooperation stärken. Die Investitionsbereitschaft von Unternehmen als auch die Rahmenbedingungen für Start-ups und Scale-ups müssen verbessert werden, damit Zukunftstechnologien in Deutschland erfunden und hier auch skaliert werden können.

  4. Mit einer fundamentalen Reform des Bildungssystems und des Arbeitsmarkts gilt es, die Begeisterung für Innovationen, Unternehmertum und für die Gestaltung unserer Zukunft neu zu entfachen. Nur so können die Potenziale von KI in allen Lebensbereichen systematisch erschlossen werden, wozu neben Neugier und Gestaltungswillen auch eine produktive Fehlerkultur beiträgt. Dies beginnt in der frühkindlichen Bildung über die Schulen, die berufliche und akademische Bildung bis ins Erwerbsleben, das durch konsequentes Up- und Re-Skilling gekennzeichnet werden muss. Dabei kommt es entscheidend darauf an, Talente in der gesamten Breite der Gesellschaft zu heben – unabhängig vom familiären Hintergrund und den dort verfügbaren Unterstützungsressourcen. Nur wenn vorhandene Potenziale systematisch erschlossen werden, können Fachkräfteengpässe gemildert und Innovationsfähigkeit nachhaltig gestärkt werden.

  5. Um zur Lösung der gravierenden Herausforderungen Europas beizutragen und langfristig eine tragende Rolle zu spielen, muss Deutschland in Forschung und wirtschaftlicher Umsetzung wieder exzellent werden. Historisch haben technische Innovationen beim Aufstieg Deutschlands zu einer führenden Industrienation eine zentrale Rolle gespielt. Bei der Erneuerung des Landes können sie dies erneut tun; mehr noch: Sie können eine wegweisende Rolle bei der Bewältigung globaler Probleme spielen – mit technischen Innovationen bspw. in der Biotechnologie, der Medizintechnik, der Mikroelektronik oder KI bis hin zu Cyber-physischen Systemen wie autonomen Fahrzeugen und humanoiden Robotern. Mehr Innovation und Unternehmertum sind ohne einen technologischen Beitrag nicht darstellbar. Durch die systematische Verbindung von Ingenieurwissenschaften, Informatik und Datenkompetenz haben wir die Chance, vertrauenswürdige KI-basierte Technologien und Produkte zu schaffen, die „Trained in Germany“ zum neuen Gütesiegel und Innovationsversprechen machen.

Deutschlands Innovationsfähigkeit entscheidet sich im Zusammenspiel von gesellschaftlichem Gestaltungswillen, innovationsfreundlicher Regulierung, mutigem Unternehmertum, qualifizierten und motivierten Menschen sowie technologischer Exzellenz. Genau dafür will der Innovationsrat der Initiative Zukunft Deutschland 2050 Orientierung geben und konkrete Impulse setzen.

Der Innovationsrat macht deutlich: „Jetzt ist der Zeitpunkt zu handeln, entschlossen, koordiniert und mit klarem strategischem Anspruch. Deutschland verfügt über die Kompetenzen, das Know-how und die industrielle Basis, um auch künftig eine führende Rolle einzunehmen. Doch ohne eine klare, langfristig angelegte Strategie, ohne die richtigen Rahmenbedingungen und ohne konsequente Umsetzung droht ein massiver Bedeutungsverlust. Strategische Innovationen stellen den Schlüssel dar: „Wer jetzt nicht handelt, riskiert, dass Deutschlands Zukunft durch andere entschieden wird.“

Mehr Informationen unter: www.innovationsrat.de

Der Innovationsrat besteht aktuell aus folgenden Persönlichkeiten

Prof. Dr. Lutz Eckstein ist einer der führenden Experten im Bereich Mobilität und automatisiertes Fahren. Seine Arbeit fokussiert sich auf die Entwicklung und Implementierung zukunftsfähiger Mobilitätslösungen, innovativer Fahrzeugkonzepte sowie auf die Vernetzung von Fahrerassistenz- und Fahrwerkregelsystemen für das automatisierte Fahren. Mit über 200 Patentanmeldungen und als Gründer mehrerer Unternehmen steht er für praxisnahe Innovation und den Transfer in industrielle Anwendungen. Der Leiter des Instituts für Kraftfahrzeuge (ika) an der RWTH Aachen ist seit 2023 Präsident des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI).

Prof. Dr. Veronika Grimm ist als Professorin an der Technischen Universität Nürnberg eine ausgewiesene Expertin für Wirtschafts- und Energiepolitik. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich seit Jahren mit der Wettbewerbsfähigkeit technologiebasierter Volkswirtschaften und den Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft. In der öffentlichen Debatte setzt sie wichtige Impulse insbesondere zu Energiepolitik, Transformation der Industrie und zur wirtschaftspolitischen Ausgestaltung der Energiewende. Ihre Arbeit verbindet wissenschaftliche Tiefe mit klaren Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft. Sie ist seit 2020 Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Wirtschaftsweise“).

Prof. Dietmar Harhoff, PhD zählt zu den prägendsten Stimmen der Innovations- und Gründungsforschung in Deutschland und war langjähriger Vorsitzender der Expertenkommission Forschung und Innovation der Bundesregierung. Seine Forschungsschwerpunkte liegen insbesondere auf Innovation, Entrepreneurship, geistigem Eigentum sowie der Rolle von Technologie für wirtschaftliche Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit. Seit 2013 ist er Direktor am Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb und leitet dort die wirtschaftswissenschaftliche Abteilung für Innovation und Entrepreneurship.

Prof. Dr. Jürgen Kühling ist als Professor für Öffentliches Recht, Immobilienrecht, Infrastrukturrecht und Informationsrecht an der Universität Regensburg ein ausgewiesener Experte für Regulierungs- und Wettbewerbsfragen, der bis 2024 als Vorsitzender der Monopolkommission die Bundesregierung beriet. Er befasst sich insbesondere mit der rechtlichen Ausgestaltung von digitalen Märkten und Infrastrukturen. Seine Arbeit verbindet wissenschaftliche Analyse mit praxisnaher Politikberatung und trägt zur Weiterentwicklung eines innovationsfördernden und zugleich ordnungspolitisch stabilen Rechtsrahmens bei.

Dr. Anne Lamp ist Gründerin und Unternehmerin im Bereich Circular Economy. Mit traceless materials treibt sie die Entwicklung und Skalierung biobasierter Materialinnovationen voran und steht für die erfolgreiche Überführung nachhaltiger Technologien in marktfähige Anwendungen. Ihre Arbeit stärkt das Zusammenspiel von Gründung, industrieller Umsetzung und zirkulärer Wertschöpfung. 2025 war sie für den Deutschen Zukunftspreis nominiert, 2022 erhielt sie den Deutschen Gründerpreis.

Dr. Melanie Maas-Brunner verfügt über langjährige Erfahrung in der industriellen Forschung und Entwicklung. Als ehemaliges Vorstandsmitglied und Chief Technology Officer von BASF steht sie für die strategische Verknüpfung von technologischer Exzellenz und industrieller Umsetzung und treibt Innovationen von der Idee bis zur Skalierung voran. Ihr Fokus liegt auf der Stärkung technologischer Souveränität in Europa. Ab Juni 2026 übernimmt sie das Amt der Präsidentin des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft.

Adrian Willig macht sich als Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik und mit seiner langjährigen Tätigkeit in verschiedenen Wirtschafts- und Branchenverbänden für die Ingenieurinnen und Ingenieure in Deutschland stark. Er setzt sich für die Stärkung des Technologiestandorts, die Förderung von Ingenieurkompetenzen und bessere Rahmenbedingungen für neue Technologien ein. Ein zentrales Anliegen ist ihm dabei die Qualifizierung von Fachkräften und die Weiterentwicklung der Bildungspolitik. Er ist seit 2023 Direktor und geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI).

Prof. Dr. Martin Wolf gilt als profilierter Vertreter der deutschen Informatik und verbindet wissenschaftliche mit wirtschaftlicher Expertise. Er engagiert sich für die Weiterentwicklung des Industriestandorts Deutschland durch Digitalisierung und intelligente Produktionssysteme. Dabei verbindet er technologische Expertise mit einem klaren Blick für wirtschaftliche Umsetzbarkeit. Seit 2026 ist er Präsident der Gesellschaft für Informatik.

Sieben Personen präsentieren die Broschüre „Impulse“ des Innovationsrats vor einer Pressewand mit den Logos von Innovationsrat, VDI und GI sowie der Initiative „Zukunft Deutschland 2050“.
Foto: Julian Huke Photography
Prof. Dr. Martin Wolf, Präsident der Gesellschaft für Informatik (GI), in Anzug und Krawatte vor einer Pressewand mit den Logos von Innovationsrat, VDI und GI.
Foto: Julian Huke Photography