Zum Hauptinhalt springen
Informatik-MonitorPressemitteilung

Informatikunterricht: Viele Bundesländer bieten zu wenig

Zum fünfjährigen Bestehen zieht der Informatik-Monitor 2026/27 eine Zwischenbilanz, was den Informatikunterricht in Deutschland angeht: Zehn Bundesländer haben bisher das Pflichtfach eingeführt, aber nur drei erreichen die von Fachleuten empfohlenen sechs Wochenstunden. Trotz positiver Entwicklungen besteht in der Mehrheit der Bundesländer großer Handlungsbedarf bei der Einführung und dem Ausbau des Pflichtfachs. Herausgegeben wird der Informatik-Monitor von der Gesellschaft für Informatik e.V., dem Stifterverband und der Heinz Nixdorf Stiftung.

Berlin, 29.10.2026 | Zum fünften Mal bildet der Informatik-Monitor den Stand der informatischen Bildung in den Bundesländern ab. Gegenüber dem Vorjahr zeigen sich Veränderungen vor allem im Detail, da viele auf den Weg gebrachte Reformen erst in den kommenden Jahren greifen.

Große Unterschiede zwischen den Bundesländern bleiben bestehen

Mit sechs Wochenstunden stehen Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und das Saarland an der Spitze. Dieser Umfang entspricht beispielsweise je einer Stunde Informatikunterricht pro Woche in den Klassen fünf bis zehn. Baden-Württemberg, Hamburg, Sachsen und Schleswig-Holstein folgen mit vier Wochenstunden Gesamtumfang in der Sekundarstufe I.

Noch ohne Pflichtfach: Während sich in Bremen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt positive Entwicklungen abzeichnen, bleiben Berlin, Brandenburg und Hessen die absoluten Schlusslichter. Weiterer Handlungsbedarf besteht in Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen – hier wird das Pflichtfach in der Breite lediglich zweistündig umgesetzt.

Dazu Volker Meyer-Guckel, Generalsekretär des Stifterverbandes: „Inzwischen leben acht von zehn Kindern in einem Bundesland mit einem Pflichtfach Informatik. Das ist ermutigend. Jetzt geht es darum, die Stundenzahl zu erhöhen. Allzu oft sind es nur zwei Schuljahre mit einstündigem Informatikunterricht und das reicht definitiv nicht aus.“

Neues Farbsystem: Die Anforderungen steigen

Die Farben der Länderkarte im Informatik-Monitor bilden nun deutlicher die Empfehlungen der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz ab. Kräftig grün sind wie bisher Länder, die das mittelfristige Ziel von sechs Wochenstunden erfüllen, und hellgrün die Länder, welche das kurzfristige Ziel von insgesamt vier Wochenstunden in der Sekundarstufe I erreichen. Gelb steht für ein Pflichtfach mit einer bis drei Wochenstunden, signalisiert jedoch deutlichen Handlungsbedarf. Rot gefärbt erscheinen Länder, in denen Informatik nicht an allen weiterführenden Schulen Pflicht ist. Junge Menschen werden hier ohne einen gleichberechtigten Zugang zu informatischer Bildung systematisch benachteiligt.

Dazu Nikolaus Risch, Vorstand der Heinz Nixdorf Stiftung: „Informatische Bildung ist wichtiger denn je. Kinder sollten die Grundlagen kennen, auf denen heutige und künftige technologische Entwicklungen aufbauen. Nur so können sie diese verstehen und zukünftig demokratisch mitgestalten, erst dann profitieren wir alle nachhaltig von den Chancen von KI und digitalem Wandel.“

Positive Aussichten: Bewegung in mehreren Bundesländern

Bremen hat den Start um ein Jahr verschoben und führt das Fach 2027/28 schrittweise mit dem Ziel von zwei Wochenstunden ein. Rheinland-Pfalz macht Informatik ab 2028/29 an allen weiterführenden Schulen zum Pflichtfach, mit vier Wochenstunden ab Klasse sieben.

In Berlin und Brandenburg ist ein Pflichtfach zumindest im Gespräch. Einen eigenen Weg geht Hessen mit dem neuen Pflichtfach „KI und Digitale Welt“ ab 2027/28 in den Klassen fünf und sechs – inwiefern der Lehrplan informatische Aspekte berücksichtigt, ist noch offen.

Die größten Hürden für eine Pflichtfacheinführung stellen der Mangel an Informatiklehrkräften und die Integration der benötigten Stunden in die Stundentafeln dar. Zugleich zeigen immer mehr Bundesländer, welche erfolgreichen Möglichkeiten es für die Einführung des Pflichtfachs gibt.

Dazu Prof. Dr. Martin Wolf, Präsident der Gesellschaft für Informatik: „Bildungschancen sollten nicht vom Bundesland abhängen, in dem Kinder und Jugendliche die Schule besuchen. Der Weg hin zu einem sechsstündigen Pflichtfach Informatik in allen Bundesländern ist noch weit, auch wenn die Entwicklungen Hoffnung machen. Jetzt gilt es, dranzubleiben.“

 

Alle Ergebnisse online

Den Informatik-Monitor mit der Übersicht zum Pflichtfach in der Sekundarstufe I, zu Belegungsquoten und -möglichkeiten in der Oberstufe und Informationen zum neuen Farbsystem, sowie alle wichtigen Ergebnisse und Kennzahlen finden Sie unter:
www.informatik-monitor.de

 

Über die Gesellschaft für Informatik e.V.
Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) ist die größte Fachgesellschaft für Informatik im deutschsprachigen Raum. Seit 1969 vertritt sie die Interessen der Informatikerinnen und Informatiker in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik und setzt sich für eine gemeinwohlorientierte Digitalisierung ein. Mit 14 Fachbereichen, über 30 aktiven Regionalgruppen und unzähligen Fachgruppen ist die GI Plattform und Sprachrohr für alle Disziplinen in der Informatik. Die GI hat sich Ethische Leitlinien gegeben, die ihren Mitgliedern als Orientierung dienen. 

Über den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V.
Der Stifterverband ist eine Gemeinschaft von rund 3.500 engagierten Menschen, Unternehmen und Organisationen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Ziel seiner Arbeit ist, Bildung und Wissenschaft neu zu denken und zu gestalten, um die Innovationskraft der Gesellschaft nachhaltig zu stärken. Als zentraler Impulsgeber analysiert er aktuelle Herausforderungen, fördert Modellprojekte und ermöglicht deren Verbreitung in vielfältigen Netzwerken. Er vernetzt Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, entwickelt gemeinsam Ideen und stößt politische Reformen an. In seinem Wirken konzentriert er sich auf zwei Handlungsfelder: Bildung und Kompetenzen sowie Kollaborative Forschung und Innovation. www.stifterverband.org.

Über die Heinz Nixdorf Stiftung
Die Heinz Nixdorf Stiftung unterstützt unterschiedliche soziale Projekte rund um Themen wie Technologie und Technik in Deutschland. Die Heinz Nixdorf Stiftung mit Sitz in München ist eine gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts, welche aus dem Nachlass des 1986 verstorbenen Geschäftsmannes Heinz Nixdorf hervorgegangen ist. Sie ist eng mit der Stiftung Westfalen verbunden, welche ebenfalls durch den Nachlass des Namensträgers begründet wurde.

 

Pressekontakt:
Alexandra Resch
Gesellschaft für Informatik e.V. (GI)
presse@gi.de

 

 

Mehr zum Thema:

Lust, die Zukunft der Informatik mitzugestalten? 
Als Mitglied der Gesellschaft für Informatik gibt es viele Möglichkeiten, sich über die wichtigen Fragen unserer Disziplin auszutauschen. Jetzt Mitglied werden