GI-Wirtschaftsbeirat gestaltet Diskurs auf der INFORMATIK 2025
Im Rahmen des INFORMATIK FESTIVALS 2025 an der Universität Potsdam hat der GI-Wirtschaftsbeirat im Hauptprogramm zwei Session gestaltet. Zu den Themenschwerpunkten "IT-Sicherheit und Open Source" und "Quo Vadis Softwarestandort Deutschland" diskutierten Vertreter des GI-Wirtschaftsbeirats mit andere Fachleuten.
Der Nachmittag des Hauptprogramm der INFORMATIK 2025 am Mittwoch stand ganz im Zeichen des Wirtschaftsbeirats. Mit zwei Session sunter der Leitung von Matthias Patz und Bernhard Waltl erörterten Vertreter*innen des Wirtschaftsbeirats Fragen der IT-Sicherheit sowie zur Zukunft der Softwareentwicklung mit anderen Fachleuten.
Mehr Offenheit wagen: IT-Sicherheit durch Open Source?
Die Anforderungen an IT-Sicherheit steigen stetig – nicht nur aufgrund der zunehmenden Digitalisierung aller Lebensbereiche, sondern auch durch die wachsende Bedrohungslage. Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen, staatliche Institutionen oder Unternehmen gehören mittlerweile zur Tagesordnung. Gleichzeitig werden IT-Systeme komplexer, vernetzter und abhängiger von Software, die von global verteilten Teams entwickelt wird. Diese Dynamik stellt klassische Sicherheitsstrategien vor große Herausforderungen: Sicherheitslücken bleiben oft unentdeckt, Updates erfolgen zu spät, und Abhängigkeiten von proprietären Lösungen schränken Handlungsspielräume ein.
In diesem Kontext rückt Open Source als möglicher Lösungsansatz stärker in den Fokus. Offenheit und Transparenz – zentrale Prinzipien freier Software – können helfen, Vertrauen in IT-Systeme zu stärken. Der öffentliche Quellcode ermöglicht es, Sicherheitslücken durch unabhängige Prüfungen schneller zu identifizieren und zu beheben. Die Vielfalt an Entwickler:innen weltweit kann zur kontinuierlichen Verbesserung beitragen, während eine offene Fehlerkultur den Umgang mit Schwachstellen professionalisiert.
Doch Offenheit allein ist kein Sicherheitsgarant. Auch Open-Source-Software kann schlecht gewartet, unzureichend dokumentiert oder fehleranfällig sein. Die Verantwortung für Sicherheit muss deshalb geteilt werden: Entwickler:innen brauchen Ressourcen, Nutzer:innen müssen Risiken realistisch einschätzen, und staatliche Institutionen können mit gezielter Förderung zur nachhaltigen Absicherung beitragen.
Transparenz bietet somit nicht nur eine Möglichkeit zur technischen Verbesserung, sondern ist auch ein gesellschaftliches Prinzip: Wer nachvollziehen kann, wie Systeme funktionieren, kann informierte Entscheidungen treffen – sei es im privaten, wirtschaftlichen oder politischen Kontext. In einer Zeit wachsender digitaler Abhängigkeit kann Open Source so zur Grundlage einer souveränen und resilienten IT-Sicherheitsstrategie werden.
Nach einem Impuls zum Thema "Kein Widerspruch: IT-Sicherheit durch Open Source Software" durch Steffen Ullrich (Technology Fellow, genua GmbH) fand ein Panel zur Fragestellung "Mehr Offenheit wagen: IT-Sicherheit durch Open Source?" statt mit Luise Kranich (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik), Dr. Gerald Walther (Cyberagentur), Daniel Gerber (Open Source Business Alliance) und Sonja Lemke (MdB).
KI & Open Source: Quo Vadis Softwarestandort Deutschland
Im Anschluss stand der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI), insbesondere Large Language Models (LLMs), die eine zunehmend große Rolle in der Lehre und Forschung spielen, im Fokus. Denn es zeichnen sich auch in der Softwareentwicklung einschneidende Veränderungsprozesse ab, wenn LLMs dank nachweislich hoher Produktivitäts- und Effizienzgewinne vermehrt zur automatisierten Codeerzeugung verwendet werden. Für die Entwicklung robuster Software braucht es jedoch fundierte Kompetenzen, einerseits aus der Softwareentwicklung, andererseits aus der risikobewussten KI-Anwendung, die es ermöglichen, die generierten Ergebnisse genau zu überprüfen.
Die GI hat die Automatisierung der Softwareentwicklung als eine von fünf Grand Challenges der Informatik identifiziert. Vor diesem Hintergrund beleuchten wir in einer Paneldiskussion aktuelle Anwendungsszenarien von KI in softwareentwickelnden Unternehmen, erörtern, welche Kompetenzen für die Industrie besonders wichtig werden und welchen Beitrag die Informatik für die Ausbildung essenzieller Fähigkeiten leisten muss.
In einem hochkarätig besetzten Panel unter der Leitung von Bernhard Waltl diskutierten Andrea Martin (Chief Technology Officer in IBM DACH / Mitglied des Wissenschaftsrates), Prof. Dr. Feiyu Xu (German University of Digital Science, Head of Research Group Industrial AI), Prof. Dr. Anne Koziolek (Karlsruhe Institut für Technologie / NFDIxCS) und Christine Regitz (Gesellschaft für Informatik) über die Zukunft der Softwareentwicklung in Deutschland.




