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Meldung

Ohne Software keine Daten: Paneldiskussion auf der Berlin Science Week

Offene, hochwertige Forschungsdaten und die Entwicklung guter Forschungssoftware gehen Hand in Hand, wenn es darum geht, vertrauenswürdige Erkenntnisse zu erzeugen und die Wissenschaft zu stärken – darin waren sich die Panelists einig. Doch was braucht es dafür? Das diskutierte Moderatorin Maria Chlastak (GI) mit Prof. Dr. Sonja Schimmler (Fraunhofer FOKUS), Carina Haupt (DLR e.V.) und Prof. Dr. Michael Goedicke (Universität Duisburg-Essen) auf der Berlin Science Week.

Aus allen Disziplinen und Generationen kamen am 1. und 2. November kleine und große Wissenschaftsenthusiast*innen im Festival Hub der Berlin Science Week – CAMPUS – im Museum für Naturkunde Berlin zusammen. Die GI-Projektteams von NFDIxCS und QUADRIGA nutzten die Gelegenheit, zwischen gewaltigen Dino-Skeletten und prähistorischen Mineralien mit den Teilnehmenden ins Gespräch zu kommen – die Themen reichten von Datenkompetenzen, Forschungsdaten- und Forschungssoftwaremanagement bis hin zu Trends und Grundlagen der Informatik.

Ein Highlight war die Paneldiskussion „Ohne Software keine Daten“. Denn gute Forschung braucht nicht nur hochwertige Daten, sondern auch geeignete Forschungssoftware, um Daten zu generieren, auszuwerten, sichtbar und verständlich zu machen. Maria Chlastak, Referentin für Politik und Wissenschaft bei der GI sowie Projektmitarbeiterin bei NFDIxCS und QUADRIGA, diskutierte mit den Panelist und dem Publikum, wie die FAIR-Datenprinzipien (findable, accessible, interoperable, reusable) mit Forschungssoftware zusammenhängen, welche Rolle offene gegenüber kommerzieller Forschungssoftware spielt und wie die Informatik zur Entwicklung einer starken Forschungssoftware-Community in Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen beiträgt.

Gute Infrastrukturen und spezifische Forschungssoftware für FAIRe Daten

Forschungssoftware hat grundlegend den Zweck, Datenverfügbarkeit und -lesbarkeit herzustellen, erklärte einleitend Carina Haupt, Leiterin der Gruppe Sustainable Software Engineering des DLR e.V. Je nach Disziplin und Anwendungsfall wird daher teilweise sehr spezifische Software entwickelt. Gleichzeitig bildet Forschungssoftware auch die Basis für übergreifende Infrastrukturen, wie etwa fürRepositorien und Metadatenplattformen, ergänzte Prof. Dr. Sonja Schimmler, Forschungsgruppenleiterin am Fraunhofer FOKUS und Sprecherin von NFDI4DS. Sie führt aus, dass FAIR-Daten sowohl auf gute Infrastrukturen und sowie spezifische Softwaremethoden angewiesen sind. Auch könnten durch methodische Trends im Bereich der KI etwa Datenverwaltung und Softwarequalität optimiert und FAIR-Daten somit gefördert werden. Die Entwicklung korrekter Software ist jedoch ebenfalls auf gute, FAIR-Daten angewiesen, um zu verhindern, dass falsche Ergebnisse aus fehlerhafter Software entstehen – ein wechselseitiger Kreislauf. 

Offene Forschungssoftware braucht neue Standards, mehr Wertschätzung und eine starke Community

Ein weiterer großer Diskussionspunkt des Panels betraf die Schaffung neuer Standards, da es aktuell noch keine allgemeingültigen und entsprechend etablierten Metadaten-Standards für die Verwaltung von Software als Daten selbst gibt. Einig waren sich die Panelists, dass der Aufbau neuer Standards so stark wie möglich Bestehendes berücksichtigen und die ganze Community einbinden sollte. Da bei Standardisierungsfragen der Mensch und soziale Überlegungen viel mehr im Fokus stünden als die Technik, sind eben die Communities hier so zentral, erklärte Prof. Dr. Michael Goedicke, Professor für Praktische Informatik sowie Spezifikation von Software-Systemen und Sprecher von NFDIxCS. DieForschungssoftware- und Forschungsdaten-Communities sind letztlich auch die Personengruppen, die neue Praktiken und Standards anwenden und so etablieren können. Hierzu braucht es ganz grundlegend mehr Wertschätzung und Incentivierung, nicht nur für sich selbst zu forschen, sondern offene für andere Wissenschaftler*innen reproduzierbare Forschung zu betreiben. Aktuell würde die Veröffentlichung von Forschungssoftware gegenüber etablierten Publikationsindexen die Reputation von Forschungsergebnissen noch kaum steigern, der Einsatz für offene Forschung und Forschungssoftware fände daher häufig ehrenamtlich neben der „eigentlichen“ Forschungsaktivität statt. Das ist auch der Grund, weshalb proprietäre Software geläufiger sei als offene Angebote: Umfrei verfügbare Forschungssoftware langfristig sicher zu erhalten, braucht es ein breites Nutzungsinteresse und freiwilliges Engagement aus der Community und/oder eine nachhaltige Finanzierung, so Prof. Goedicke.

Mit Blick auf die nationale Forschungssoftware-Community merkte Carina Haupt an, dass diese sich noch im Aufbau befindet und sich über Zuwachs freue, um das Credo „Better Software – Better Research“ zu stärken. Positiv ist in diesem Zusammenhang, dass sich auch die Forschungsdaten-Gemeinschaft zunehmend mit Forschungssoftware beschäftigt, so Prof. Schimmler. Jedes NFDI-Konsortium beschäftigt sich mittlerweile mit Forschungssoftware und obschon die Grundlagen dazu aus der Informatik kommen, entwickelten interdisziplinäre Teams in allen Forschungsbereichen spezielle Software, erklärt sie. Der nächste Schritt ist, entsprechende Arbeitsgruppen und Expertisen zwischen den Konsortien zu verknüpfen und die Ergebnisse stärker in Wissenschaftsinstitutionen publik zu machen. Auch braucht es laut Prof. Schimmler langfristige Beschäftigungsperspektiven, damit die Entwicklung von Software nicht länger nur ein zusätzlicher Randaspekt der Forschungstätigkeit bleibt.

Mehr Wissen für die Gesellschaft durch FAIRe Software und Daten

Noch größer gedacht wurde die Community mit einer Frage aus dem Publikum, inwiefern FAIReForschungssoftware und -daten allen Bürger*innen zu Gute kommen. Das Panel beantwortet dies, indem es betonte, dass nur mit zugänglichen und nachvollziehbaren Daten und mit korrekter Forschungssoftware hochwertige Ergebnisse erzeugt werden können, die für die gesamte Gesellschaft relevant sind – dies hat sich etwa in der Covid-Pandemie gezeigt. Zugleich sind aber auch alle Bürger*innen dazu aufgerufen, durch Citizen Science Formate zur Entwicklung und Nutzung von Forschungssoftware beizutragen und die wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn dadurch voranzutreiben, so Prof. Goedicke abschließend.

Vor und nach der Diskussion kamen die Projektteams am Ausstellerstand mit den Teilnehmenden der Berlin Science Week ins Gespräch. Mit dabei waren neben NFDIxCS und QUADRIGA auch NFDI4DS und das Datenkompetenzzentrum DKZ.2R. Gemeinsam machten die Projekte auf die Vielfalt der Angebote rund um Datenkompetenz und Forschungsdaten aufmerksam und sprachen mit den Teilnehmenden über Hürden und Lösungsansätze bei der Datenverwaltung – Ein wichtiger Schritt für die Wissenschaft und alle, die Wissen weitertragen wollen!

Die Aufzeichnung der Paneldiskussion steht ab jetzt zum Nachschauen bereit: https://youtu.be/dwk50mTiXbw

Moderatorin Maria Chlastak mit den Panelists Carina Haupt, Prof. Dr. Sonja Schimmler und Prof. Dr. Michael Goedicke (rechts nach links)
Mitarbeitende des NFDIxCS Teams im Gespräch mit Teilnehmenden am Ausstellerstand im Berlin Science Week CAMPUS