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Arbeitspapier: Digitale Bildung nach Corona

Die Corona-Krise ist nach wie vor ein Stresstest für das Deutsche Bildungswesen. Im Rahmen des GI-WebTalks "Digitale Bildung nach Corona" haben Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik dazu diskutiert. Die daraus entstandenen Beiträge sind in einem neuen GI-Arbeitspapier zusammengefasst.

Die Corona-Pandemie stellt uns Bildungssystem vor noch nie gekannte Herausforderungen: Der Unterricht muss von einem Tag auf den anderen in den virtuellen Raum verlegt werden. Das Home Schooling treibt viele Eltern an ihre Belastungsgrenzen. Viele Lehrerinnen und Lehrer haben mit großem Engagement und der Unterstützung durch die Eltern dazu beigetragen, den Herausforderungen der Krise zu begegnen und mithilfe digitaler Werkzeuge den Bildungsauftrag der Schulen zu erfüllen. Und über die notwenigen Bildungsinhalte im Kontext der Digitalisierung herrscht vielerorts auch Uneinigkeit. Dabei hat sich gezeigt, dass insbesondere die Schulen erfolgreicher waren, die die Digitalisierung bereits vorangetrieben haben. Vielerorts mussten sowohl Lehrkräfte als auch viele Schülerinnen und Schüler im Selbststudium einen Crash-Kurs in Sachen digitaler Bildung absolvieren. An einigen Vorreiterschulen ist es gelungen, einen wichtigen Anteil des Unterrichts durch Fernunterricht sowohl in Echtzeit als auch in Lernformen mit selbständiger Zeiteinteilung zu gewährleisten. Es sind aber auch deutliche Schwächen eines noch in vielen Teilen analogen Bildungssystems sichtbar geworden. Häufig mangelt es an grundlegender digitaler Infrastruktur, passenden Online-Lernangeboten sowie dem notwendigen Know-How bei Lehrkräften, um kurzfristig den Unterricht in einen „virtuellen Klassenraum“ zu verlagern.

Sechs Perspektiven auf die Post-Corona Ära

Bereits Anfang Mai diskutierten Vertreterinnen und Vertretern aus der Bildungs- und Digitalpolitik, der Schulpraxis und der Bildungswissenschaft erste Lehren und Erkenntnisse, aus der Corona-Krise für das deutsche Bildungs- und insbesondere das Schulsystem. Die Diskussionsrunde wurde aufgezeichnet und ist auf dem Youtube-Kanal der Gesellschaft für Informatik nachzusehen und -zuhören. Dieses Arbeitspapier ist eine Zusammenfassung der unterschiedlichen Argumente dieser virtuellen Diskussionsrunde.

So betont Dr. Jens Brandenburg, MdB in seinem Beitrag, dass der Digitalpakt Schule zu kurz greife und die verfügbaren Gelder schneller und unbürokratischer ihrer Zielbestimmung zugeführt werden müssten. Zudem plädiert er für eine Digitalpakt 2.0, der eine langfristige Finanzierung der Digitalisierung in Schulen sicherstellt. 

Das Mitglied im GI-Präsidium Prof. Dr. Ira Diethelm sieht v.a. die Lehrkräfte in der Pflicht, die ein grundlegendes Verständnis für digitale Technologien entwickeln müssen. Deshalb müssten sie dazu verpflichtet werden, sich mit den digitalen Medien für den Unterricht einerseits und den informatischen Grundlagen andererseits zu beschäftigen.

Die Sprecherin der Informatiklehrerinnen und -lehrer in Baden-Württemberg und stellvertretende Schulleiterin eines Gymnasiums im „Ländle“ Leonore Dietrich sieht eine wichtigen Baustein für eine digitale Bildung in erster Linien in verpflichtenden Informatikunterricht: Das Bildungsideal würde erst erreicht, wenn die digitalen Technologien von Schülerinnen und Schülern nicht nur bedient sondern beherrscht werden.

Dr. Ernst Dieter Rossmann, MdB leitet aus drei Thesen zur Bildung in der Post-Corona Zeit die Langfristperspektive der obligatorischen Lehrerausbildung in Theorie und Praxis der Digitalisierung und einer entsprechenden Ausstattung der Universitäten, Lehrerseminare und Weiterbildungseinrichtungen für die Lehrkräfte ab.

Für Margit Stumpp, MdB hängt Bildungsgerechtigkeit neben der sozioökonomischen Herkunft inzwischen auch von der digitalen Ausstattung der Schulen ab. Daneben benötigten Lehrkräfte das pädagogische Rüstzeug, um die Möglichkeiten nutzen zu können. Deshalb plädiert Margit Stumpp für die Einrichtung einer Bundeszentrale für digitale und Medienbildung. Die Erziehungswissenschaftlerin

Prof. Dr. Birgit Eickelmann betont insbesondere die Herausforderungen des Bildungssystems zwischen bewährter Struktur und notwendiger Agilität. Sie plädiert dafür Digitalisierungsprozesse im Schulsystem nicht von den Technologien und den technischen Möglichkeiten alleine aus zu denken, sondern Prozessen und den Menschen. Nur so können Chancengerechtigkeit und Partizipation erreicht werden.

Das Arbeitspapier mit allen Beiträgen können Sie hier herunterladen.