Meldung

GI-Zentrale verlässt Facebook

Der GI-Vorstand hat beschlossen, die Präsenz der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) unter https://www.facebook.com/wir.sind.informatik zum 15. Mai zu schließen. Seit knapp 10 Jahren hat die GI ihre Facebookseite genutzt, um Interessierte über Nachrichten aus der GI zu informieren, aber auch, um interessante Inhalte mit Bezug zur Informatik zu teilen. Auch die eine oder andere Diskussion wurde auf Facebook geführt.

Die Präsenz auf Facebook war schon immer eine Abwägung der Vor- und Nachteile.  Bereits in früheren Zeiten gab es innerhalb der GI Diskussionen über das Für und Wider.  Bis vor kurzem wurde auch noch mehrheitlich gesehen, dass die Vorteile der Präsenz die Nachteile wohl überwiegen, auch wenn sie schwer messbar waren.

Das hat sich nun geändert:  Schon seit einiger Zeit schwelte bei einigen Mitgliedern der Unmut über Facebook und das Verhalten des Konzerns, das seit Monaten immer wieder für negative Schlagzeilen sorgt.  Zunehmend ist für die GI das Geschäftsgebaren von Facebook, aber noch viel mehr der fahrlässige Umgang mit Daten, das Ausspionieren und die vermeintliche oder tatsächliche Beeinflussung der Nutzerinnen und Nutzer untragbar geworden.

„Facebook trägt den Datenschutz als Lippenbekenntnis vor sich her, kann ihn aber nicht ernsthaft umsetzen, weil das dem Geschäftsmodell des Konzerns zuwider laufen würde.  Hier ist keine Besserung in Sicht, und ein Zuwarten also vergeblich“, so Alexander von Gernler, Vizepräsident der GI.  „Deshalb haben wir uns entschieden, nicht mehr Teil dieses sozialen Netzwerks sein zu wollen. Als Fachgesellschaft von verantwortungsbewussten Informatikerinnen und Informatikern können und wollen wir dieses Verhalten durch unsere Mitgliedschaft nicht weiter unterstützen.“

 Unsere Begründung für den Austritt im Detail (mit Quellen):

  1. Facebook ist ein Feind des Datenschutzes. Dies ist im Geschäftsmodell begründet, das auf dem Verkauf von Daten fußt. Die jüngsten Einlassungen [1], man werde in Zukunft die Daten besser schützen, sind angesichts von Facebooks langer Geschichte von Datenschutzverletzungen [2] [3]  unglaubwürdig. Facebook verschleiert Geschäftspraktiken [4], betrieb und betreibt intensives Lobbying gegen Datenschutz [5] und verfolgt sogar Facebook-Gegner - im wörtlichen Sinn [6]. Datenschutzbehörden, Gerichte und Kartellämter sind in vielen Ländern mit Einsprüchen, Urteilen und Bußgeldern gegen Facebook vorgegangen. Selbst in den USA gerät Facebook unter Druck [7].
  2. Facebook vernachlässigt die Datensicherheit. Wiederholt sind persönliche Daten an nicht befugte Personen oder gar an die Öffentlichkeit gelangt, durch interne Nachlässigkeiten [8] [9] oder durch externe Angriffe auf schlecht geschützte Daten [10]. Die Sicherheit persönlicher Daten mag zwar bei einer Fanpage keine zentrale Rolle spielen. Dennoch sollte die GI die Dienste eines Unternehmens meiden, das ungenügend auf die Sicherheit der ihm anvertrauten persönlichen Daten achtet.
  3. Facebook bedroht Demokratie und Marktwirtschaft. Die Vorgänge um Cambridge Analytica [11] haben die allgemeine Gefahr des Microtargeting über persönliche Daten - jenseits der bekannten Produktwerbung - deutlich gemacht. Der Handel mit persönlichen Daten öffnet jeder Art von  systematischer Verhaltenssteuerung der Benutzer Tür und Tor. Dies unterminiert die Grundlagen unserer Demokratie [12]. Hinzu kommt das Bestreben von Facebook, durch Integration weiterer Geschäftsfelder zum Universaldienstleister im Internet zu werden [13] [14]. Am chinesischen WeChat [15] kann man sehen, wohin eine solche Entwicklung führt - sofern sie nicht kartellrechtlich vereitelt wird [16]. In Indien wurde sie verhindert [17].

Für weiteren Diskussionsbedarf über die Entscheidung rund um den Facebook-Austritt haben wir eine Seite angelegt, in der wir FAQs auflisten und die Möglichkeit zur Rückmeldung geben. Bis Mitte Mai bleibt die Facebook-Seite noch online, um den dortigen "Followern" die Möglichkeit der Kommentierung zu geben, anschließend werden wir sie schließen.

zur Fragen- und Rückmeldungsseite


[1] https://www.theguardian.com/technology/2019/mar/06/mark-zuckerberg-facebook-privacy-vision
[2] https://www.wired.com/story/facebook-a-history-of-mark-zuckerberg-apologizing/?mbid=BottomRelatedStories
[3] https://www.theguardian.com/technology/ng-interactive/2018/dec/24/facebook-2018-timeline-year-in-review-privacy-scandals
[4] www.theguardian.com/technology/2018/dec/07/italian-regulator-fines-facebook-89m-for-misleading-users
[5] https://www.theguardian.com/technology/2019/mar/02/facebook-global-lobbying-campaign-against-data-privacy-laws-investment?utm_term=RWRpdG9yaWFsX0d1YXJkaWFuVG9kYXlVS19XZWVrZGF5cy0xOTAzMDQ%3D&utm_source=esp&utm_medium=Email&utm_campaign=GuardianTodayUK&CMP=GTUK_email
[6] https://www.cnbc.com/2019/02/14/facebooks-security-team-tracks-posts-location-for-bolo-threat-list.html
[7] https://edition.cnn.com/2019/02/14/tech/ftc-facebook-fine/
[8] https://www.sueddeutsche.de/digital/facebook-daten-passwoerter-unverschluesselt-1.4378517
[9] https://edition.cnn.com/2018/12/14/tech/facebook-private-photos-exposed-bug/index.html
[10] https://www.theguardian.com/technology/2018/oct/03/facebook-data-breach-latest-fine-investigation
[11] https://en.wikipedia.org/wiki/Facebook–Cambridge_Analytica_data_scandal
[12] https://www.zeit.de/2017/53/soziale-netzwerke-facebook-macht-niall-ferguson-historiker/komplettansicht
[13] https://t3n.de/news/instagram-shopping-facebook-tochter-testet-bezahlfunktion-1151499/
[14] https://www.theguardian.com/commentisfree/2019/mar/07/facebook-privacy-domination
[15] https://en.wikipedia.org/wiki/WeChat
[16] https://www.bundeskartellamt.de/SharedDocs/Meldung/DE/Pressemitteilungen/2019/07_02_2019_Facebook.html?nn=3591568
[17] https://www.sueddeutsche.de/digital/internetorg-indien-verweigert-sich-zuckerbergs-grosser-pr-luege-1.2855827