GI fordert klaren Zeitplan zur bundesweiten Einführung des Pflichtfachs Informatik
Die Gesellschaft für Informatik e.V. begrüßt die „Handlungsempfehlung für die Bildungsverwaltung zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz in schulischen Bildungsprozessen“ der Kultusministerkonferenz – fordert aber Nachbesserungen.
Berlin, 29. Juli 2024. Die Kultusministerkonferenz (KMK) entwickelt aktuell eine „Handlungsempfehlung für die Bildungsverwaltung zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) in schulischen Bildungsprozessen“ und hat 100 Expert*innen aus den Bereichen Bildung und Informatik um Feedback gebeten. Die GI begrüßt, dass sich die KMK konstruktiv-kritisch mit KI in Bildungsprozessen auseinandersetzt. Verbote von KI-Werkzeugen im Bildungskontext werden als nicht erstrebenswert erachtet. Schule und Schulverwaltung müssen vielmehr transparent machen, wann und unter welchen Voraussetzungen die Lernenden KI-basierte Werkzeuge einsetzen dürfen oder zum Kompetenzerwerb gar sollten.
Gleichzeitig fordert die GI konkrete Nachbesserungen. So wird der KI-Begriff mehrfach auf generative KI reduziert. Dabei bezeichnet KI eine Vielzahl unterschiedlicher Technologien und Methoden wie das maschinelle Lernen, das Verarbeiten natürlicher Sprache (NLP – Natural Language Processing) oder wissensbasierte Systeme. Eine Verengung auf generative Methoden oder sogar auf große Sprach- und Bildmodelle ist nicht zielführend. Die US-amerikanische Bildungsinitiative AI4K12 beispielsweise zeichnet hier ein deutlich differenzierteres Bild.
Prof. Dr. Jan Vahrenhold, Institut für Informatik, Universität Münster und Sprecher GI-Fachbereich Informatik und Ausbildung/Didaktik der Informatik (IAD): „Wir begrüßen das Bekenntnis der KMK, dass für ‚Lernen über KI‘ eine grundlegende informatische Bildung, insbesondere über KI sowie über ihre Wirkungsweisen erforderlich ist. Für die Bewältigung der angesprochenen Herausforderungen müssen in allgemeinbildenden Schulen alle Schüler*innen informatikbezogene Kompetenzen entwickeln. Dafür muss die Förderung fachlicher Kompetenzen in Form von verbindlichem Informatikunterricht verpflichtend in den Curricula aller Schulformen verankert werden, denn nur hierauf aufbauend können Anwendungskompetenzen in den anderen Unterrichtsfächern entwickelt werden. Deshalb sollten alle Bundesländer mit einer transparenten zeitlichen Perspektive bis zum Schuljahr 2030/31 das Schulfach Informatik einführen.“
Prof. Dr. Johannes Konert, Fachbereich Angewandte Informatik, Hochschule Fulda und Sprecher GI-Fachgruppe Bildungstechnologien (BiT): „Uns war es wichtig zu betonen, dass das reine Einüben der Nutzung von konkreten Tools wie ChatGPT nicht Ziel schulischer Entwicklung sein sollte. Einerseits verändern sich diese Tools sehr schnell, andererseits sollte vielmehr die prinzipielle kompetente und kritische Auseinandersetzung mit KI-Tools an sich an konkreten Beispielen gefördert werden. Dies setzt voraus, dass die Offensive für Lehrerbildung und Bildungstechnologien weitergeführt wird, damit KI-Kompetenzen didaktisch sinnvoll aufbereitet für verschiedene Schularten und Altersgruppen ab der Primarstufe vermittelt werden. Auch hier bedarf es funktionierender Mechanismen zur Qualitätsprüfung wie bei den KI-Systemen selbst.“
Diese Stellungnahme zu den „Handlungsempfehlung für die Bildungsverwaltung zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz in schulischen Bildungsprozessen“ ist entstanden in Zusammenarbeit der folgenden Gliederungen der Gesellschaft für Informatik e.V.: Fachbereich Informatik und Ausbildung / Didaktik der Informatik (FB IAD), Fachbereich Künstliche Intelligenz (FBKI), Fachausschuss Informatische Bildung in Schulen (FA IBS), Arbeitskreis KI und Schulen (AK KiS), Arbeitskreis Lehrkräftebildung (AK LK), Fachgruppe Didaktik der Informatik (FG DDI) und Fachgruppe Bildungstechnologien (FG BiT). Eine komprimierte Form der Stellungnahme steht als PDF zum Download zur Verfügung.
Über die Gesellschaft für Informatik e.V.
Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) ist die größte Fachgesellschaft für Informatik im deutschsprachigen Raum. Seit 1969 vertritt sie die Interessen der Informatiker*innen in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik und setzt sich für eine gemeinwohlorientierte Digitalisierung ein. Mit 14 Fachbereichen, über 30 aktiven Regionalgruppen und unzähligen Fachgruppen ist die GI Plattform und Sprachrohr für alle Disziplinen in der Informatik. Die GI hat sich Ethische Leitlinien gegeben, die ihren Mitgliedern als Orientierung dienen. Weitere Informationen finden Sie unter www.gi.de.



