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Pressemitteilung

„Blind Spots“: Datenlücken machen die Medizin der Zukunft ungerecht

Die Wanderausstellung „Blind Spots – Tote Winkel in der Medizin“ der Gesellschaft für Informatik e.V. macht sichtbar, wer in medizinischen Datensätzen fehlt – und warum das für KI-gestützte Diagnostik und Therapie folgenreich ist.

Berlin, 22. Oktober 2026 | Medizinische Daten bilden die Vielfalt der Bevölkerung nur unzureichend ab. Das hat Folgen für digitale Gesundheitstechnologien: Wer aufgrund von Geschlecht, Alter und sozialer Lage in Daten fehlt, wird im KI-Zeitalter schlechter erkannt und behandelt. Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) macht dieses Problem mit der Ausstellung „Blind Spots“ im Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt öffentlich sichtbar.

Historisch gewachsene Lücken, konkrete Folgen

Jahrzehntelang galt der männliche Körper als Norm der medizinischen Forschung: etwa bei Dosierungen, Nebenwirkungen und Diagnosekriterien. Das prägt die zukünftige Gesundheitsversorgung: KI-gestützte Verfahren, die etwa EEG-Muster, Wearable-Daten oder Sprache auswerten, werden intensiv erforscht und sollen künftig Diagnose und Therapieplanung unterstützen. Ihre Qualität steht und fällt aber mit der Datengrundlage. „Wenn die Trainingsdaten überwiegend von männlichen Personen stammen, würde ein darauf trainiertes Modell die Versorgungslücke bei Frauen im schlechtesten Fall nicht schließen, sondern eher verstärken“, sagt Dr. Anna Szép, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Marburg.

Eine Ausstellung, die Fragen stellt

„Blind Spots“ zeigt an zehn Beispielen, wie der Ausschluss bestimmter Personengruppen sowie stereotype Fehleinschätzungen die Gesundheitsversorgung prägen – und wie wir das ändern können. Dafür verwandelt die Ausstellung scheinbar klassische Gemälde in interaktive Geschichten über das, was in der Medizin fehlt. Die Besucher*innen werden gleichzeitig dazu angeregt, sich ihrer eigenen Rolle für die Schließung von Datenlücken bewusst zu werden. Zu Beginn der Ausstellung erhält jede Person eine Chipkarte, mit der sie gesundheitsrelevante Angaben, etwa zum Schlaf- und Vorsorgeverhalten, verknüpft. Mit dieser Karte kann nur ein Teil der ausgestellten Exponate aktiviert werden. So stehen die Besucher*innen mehrfach vor der persönlichen Entscheidung: Bin ich bereit, meine Daten für die Forschung zu spenden?

„Mit dem Vorhaben möchte die GI nicht nur ein Bewusstsein für die Bedeutung von Datenlücken in der Medizin schaffen. Sie möchte auch aufzeigen, wie wir alle zu einer gerechteren Gesundheitsversorgung beitragen können“, sagt Julia Meisner-Dieffendahl, Projektleitung von „Blind Spots“ und Themenfeldleitung KI & Ethik bei der GI.

„Blind Spots“ richtet sich insbesondere an junge Menschen, die die Gesundheitsbranche zukünftig mitgestalten, und ist an Schulen, in Bibliotheken und Kulturzentren zu sehen. Die nächsten Stationen:

  • Berufliches Schulzentrum „Julius Weisbach“ Freiberg (27.–30. Oktober),
  • Staatliches Berufsbildendes Schulzentrum Jena-Göschwitz (2.–6. November)
  • Berufsbildende Schule Gesundheit, Soziales und Sozialpädagogik Gera (9.–12. November)

Interessierte Medienvertreter*innen sind herzlich eingeladen, die Ausstellung zu besuchen. Gerne vermitteln wir Gespräche mit dem Projektteam.

Online ist die Ausstellung unter blindspots.gi.de zugänglich. Weitere Einblicke gibt es auf Instagram unter @blindspots_wj26.

Über das Projekt

„Blind Spots – Tote Winkel in der Medizin“ ist eine Wanderausstellung der Gesellschaft für Informatik e. V. im Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft, einer Initiative des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) in Zusammenarbeit mit Wissenschaft im Dialog. Das Projekt wird vom BMFTR gefördert.

Über die Gesellschaft für Informatik e.V.
Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) ist die größte Fachgesellschaft für Informatik im deutschsprachigen Raum. Seit 1969 vertritt sie die Interessen der Informatiker*innen in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik und setzt sich für eine gemeinwohlorientierte Digitalisierung ein. Mit 14 Fachbereichen, über 30 aktiven Regionalgruppen und unzähligen Fachgruppen ist die GI Plattform und Sprachrohr für alle Disziplinen in der Informatik. Die GI hat sich Ethische Leitlinien gegeben, die ihren Mitgliedern als Orientierung dienen. Weitere Informationen finden Sie unter www.gi.de

 

Pressekontakt:
Julia Meisner-Dieffendahl
Themenleitung KI & Ethik
Gesellschaft für Informatik e.V. (GI)
Geschäftsstelle Berlin
Mail: julia.meisner@gi.de

 

Mehr zum Thema:

  • GI-Mitarbeiterin Merrin Chalethu gibt in ihrem Beitrag „Mind the gap” für unser Magazin .inf noch mehr Hintergründe zum Thema Datenlücken.
  • Mehr Diskussionen an der Schnittstelle von Informatik und Medizin gibt es in unserer Fachgruppe Digital Health.
  • Über die ethischen Aspekte von Informatik tauschen sich unter anderem die Mitglieder unserer Fachgruppe Informatik und Ethik aus.
  • Auch die Fachgruppe Frauen und Informatik setzt sich mit der Frage auseinander, wie Informatik inklusiver werden kann. 

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Ein Exponat der Ausstellung: Ein Screen in einem historisch wirkenden Bilderrahmen, erst auf den zweiten Blick ist erkennbar, dass darin kein Gemälde ist. Zu sehen ist eine Person, die mit einem iPad vor einem Bett sitzt, in dem ein krankes Kind liegt. Die Szene wirkt wie ein altes Gemälde, ist aber KI-generiert.
Wer die Ausstellung „Blind Spots“ besucht, erfährt nicht nur mehr über Datenlücken in der Medizin, sondern steht auch selbst vor der Frage: Welche meiner Daten würde ich für die medizinische Forschung spenden? (Foto: Mike Auerbach)