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Meldung

404: Informatikunterricht in Deutschland

Eine aktuelle Studie von Stifterverband und der Heinz Nixdorf Stiftung zeigt, dass Deutschland zunehmend den Anschluss bei der informatischen Grundbildung verliert. Während die meisten europäischen Länder Informatik als Pflichtfach in den Schulen anbieten, ist es in vielen deutschen Bundesländern immer noch ein Wahlfach.

Berlin, 13. Januar 2023 - Wie der Informatik-Monitor der Gesellschaft für Informatik zeigt, können Schülerinnen und Schüler in Deutschland die Schule ohne informatische Grundkenntnisse verlassen. Eine aktuelle Untersuchung von Stifterverband und Heinz Nixdorf Stiftung setzt Deutschland nun in den europäischen Kontext und belegt, dass wir mit acht weiteren Ländern die Schlussgruppe bilden. Dagegen bieten 28 europäische Länder Informatik als Pflichtfach an, neun davon sogar ab der Grundschule. Hier zeigen die erstmals zusammengefassten Daten, wo sich die deutschen Bundesländer im europäischen Vergleich beim Thema Vermittlung von informatischen Kompetenzen einordnen und wie sich der Trend hin zum Pflichtfach Informatik in Europa entwickelt.

Daniel Krupka, Geschäftsführer der Gesellschaft für Informatik: "Informatische Systeme beeinflussen schon heute viele Arbeits- und Lebensbereiche ganz fundamental. Deshalb müssen unsere Kinder befähigt werden, diese digitale Welt aktiv zu gestalten und nicht nur passiv zu konsumieren. Informatische Kompetenzen gehören zur Allgemeinbildung, Schülerinnen und Schüler brauchen eine solide informatische Grundbildung. Deshalb muss Informatik als Pflichtfach in allen Bundesländern für alle Schulformen der Sekundarstufe I eingeführt werden."

Schon der Informatik-Monitor der GI hat gezeigt, dass kein Bundesland das Pflichtfach Informatik konsequent über die Schullaufbahn erstreckt – von der ersten Klasse bis zumindest Ende der Sekundarstufe I. In Europa sind das immerhin neun Ländern und damit 25 Prozent der 36 Europäischen Länder im Vergleich. Lediglich zwei Bundesländer bieten das Pflichtfach Informatik von Anfang bis Ende der Sekundarstufe I an: Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. In Europa sind es sieben (19 Prozent). Zwar wollen sich Schleswig-Holstein, Saarland und Niedersachsen an die europäische Entwicklung anschließen und ab dem Schuljahr 2023/24 nach und nach Informatik flächendeckend als Pflichtfach einführen. Auch Hamburg will ab dem Schuljahr 2024/25 nachziehen. Trotzdem droht Deutschland im europäischen Vergleich weiter zurückzufallen.

Seit dem Jahr 2017 haben rund ein Drittel der europäischen Länder ein Pflichtfach Informatik von mehr als zwei Jahren eingeführt, beispielsweise die Schweiz, Tschechien, Lettland oder Litauen. Der Anteil liegt jetzt bei 46 Prozent. In Deutschland hat sich ein solches Angebot von einem Bundesland auf zwei Bundesländer erhöht. Nur Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen bieten ein Pflichtfach Informatik an, das sich über mehr als zwei Schuljahre erstreckt.

Hier geht es zum Policy Paper "Informatikunterricht: Deutschland abgehängt in Europa" von Stifterverband und Heinz Nixdorf Stiftung.

Europäische Karte mit dem Informatikangebot an allen Schulformen eines (Bundes-)Landes in der Primar- und Sekundarstufe I.
Nur in zwei Bundesländern - aber der Hälfte der europäischen Länder - gibt es einen mehr als zwei Jahre dauernden Informatikunterricht. Abbildung: Informatikangebot an allen Schulformen eines (Bundes-)Landes in der Primar- und Sekundarstufe I (Quelle: Eurydice-Report 2022, Informatik-Monitor 2022)
Entwicklungsdynamik in Europa höher als in Deutschland: Anteil in Prozent des Pflichtfachangebots Informatik in 28 europäischen und 16 Bundesländern zwischen 2017 und 2022 Quelle: Eurydice-Report 2022, Informatik-Monitor 2022, CECE-Report 2017 Anmerkungen: Die Zahlen für das Jahr 2022 unterscheiden sich hier aus zwei Gründen leicht von den weiter oben für das Jahr 2022 berichteten: Zum einen beziehen sich die Aussagen hier nur auf die 28 europäischen Länder, zu denen im Jahr 2017 und im Jahr 2022 Daten verfügbar waren. Zum anderen beziehen diese Analysen – aus notwendigen Gründen der Ver-gleichbarkeit zwischen 2017 und 2022 – die Sek II mit ein. Das führt zu einer unterschiedlichen Einordung beispielsweise Frankreichs, Österreichs oder Tschechiens, die ein eigenständiges Pflichtfach erst in der Sek II anbieten. Abweichende Gesamtprozentzahlen durch Rundungsdifferenzen.
Eine Schülerin beim Lernen an einem Laptop.
© Leonard Wolf