Stellungnahme

Kehrtwende: Schulinformatik in Baden-Württemberg

(Stellungnahme der FG Informatiklehrerinnen und -lehrer in BW [FG ILL-BW])

Im Rahmen des „Wir.Unternehmen.Mint“-Forums überraschte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Dienstag mit einer Kehrtwende in der Bildungsplanpolitik: 

„Kretschmann verspricht Informatik für alle“

titelt die Stuttgarter Zeitung am 14.10.2015. Seit langem versuchen die Informatiklehrerinnen und -lehrer in Baden-Württemberg (ILLBW) mit Kollegen, Verbänden, Universitäten und Eltern, eine zeitgemäße, allgemein bildende Schulinformatik auf den Weg zu bringen, die allen Schülern das Grundwissen für eine informierte Teilhabe an der Informationsgesellschaft mit gibt.

Nachdem die Entwicklung bisher in die andere Richtung gelaufen ist und die schon knappe „Informationstechnische Grundbildung“ praktisch gestrichen wurde, fanden sich in der aktuellen Bildungsplanfassung gar keine echten Informatikinhalte mehr. Ein Fach in Unter- und Mittelstufe schien in dieser Situation undenkbar. Desto überraschender ist die Ankündigung des Ministerpräsidenten. 

Wir begrüßen die Entwicklung sehr; wenn dieses Versprechen auf hohem fachlichen und didaktischen Niveau eingelöst wird, käme die Schulinformatik im Land einen großen Schritt voran. Leider ist nicht bekannt, ob und welche Informatiker in die Vorbereitung eingebunden waren – hier sehen wir dringenden Handlungsbedarf. Insbesondere die Fragen nach

  • Verbindlichkeit für alle an allgemein bildenden Schulen und Vergabe einer Zeugnisnote;
  • festen Stunden in der Kontingentstundentafel, festem Platz im Stundenplan;
  • Unterricht bei qualifizierten Fachlehrkräften;
  • Implementierung der GI-Bildungsstandards für Klasse 5-10

erachten wir als zentral. Die Erarbeitung des Konzeptes erfordert viel fachdidaktisches Know-How, das etwa aus Bundesländern mit Pflichtfacherfahrung hinzugezogen werden kann. Auch die Fachgruppe ILLBW ist bereit, sich dabei einzubringen.