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Zur Sache: Interview mit Dr. Ronald Bieber

Dr. Ronald Bieber ist seit 2011 Generalsekretär der OCG. Neben der Leitung der Aktivitäten in Österreich, ist er verantwortlich für die europäische und internationale Vernetzung.

Die Gesellschaft für Informatik und die Österreichische Computer Gesellschaft arbeiten schon viele Jahre eng zusammen. Bei der Präsidiumssitzung der GI am 1. Februar 2019 wurde die Assoziierung der beiden Gesellschaften feierlich beschlossen. Was sind die wichtigsten Gründe für eine verstärkte Zusammenarbeit?

Ronald Bieber: Es war uns wichtig, die schon gute Zusammenarbeit durch den Schulterschluss der Assoziierung zu bekräftigen. Gemeinsam mit der Schweizer Informatik-Gesellschaft bilden unsere Organisationen die größte Vereinigung von Informatikerinnen und Informatikern im deutschsprachigen Raum. Die Vereinbarung unterstreicht, dass wir unsere Anstrengungen für eine intensivere internationale Zusammenarbeit in ganz Europa verstärken werden. Wir wollen den gemeinsamen grenzübergreifenden Projekten und Veranstaltungen künftig noch mehr Bedeutung beimessen.

Was sind aktuell Fokusthemen der OCG?

Ronald Bieber: Eine wesentliche Initiative, die wir seit drei Jahren fokus- siert betreiben, ist unsere Initiative „Bildung 4.0”, in die wir auch das Dagstuhl-Dreieck der GI aufgenommen haben. Informatisches Denken muss im Bildungssystem verankert werden wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Neben diesen Fähigkeiten sind auch die digitalen Anwenderkenntnisse von Bedeutung. Die OCG steht schon seit mehr als 20 Jahren hin- ter dem ECDL, den wir weiterentwickeln und der erfolgreich in derzeit über 800 Schulen angeboten wird.

Die OCG ist nur so stark wie ihre Mitglieder bzw. Arbeitskreise. Darum freut es mich insbesonders, dass wir letztes Jahr gemeinsam mit dem Arbeitskreis „Barrierefreiheit durch IKT“ eine Zertifizierung für barrierefreie Webseiten, das „Web Accessibility Certificate Austria” (WACA), ins Leben gerufen haben, welche ein unabhängiges Qualitätssiegel ist und bereits bei einigen namhaften großen Firmen versucht wird umzusetzen. Vor kurzem wurde im österreichischen Parlament das Web-Zugänglichkeits-Gesetz beschlossen, das wir natürlich sehr begrüßen.

Nicht vergessen werden darf unsere Arbeit zur Förderung von IT-Kompetenzen. An der österreichischen Ausgabe des Informatik-Biber nahmen 2018 rund 33.000 Schülerinnen und Schüler aus ganz Österreich teil – Tendenz steigend! Davon waren mit 48 % fast die Hälfte Mädchen, worüber wir uns ganz besonders freuen. Daneben werden von der OCG noch der „computer creative wettbewerb” und die nationale sowie die internationale „Informatik-Olympiade” für Schülerinnen und Schüler organisiert.

Was sind Ihre Hoffnungen für die OCG auf der internationalen Bühne?

Ronald Bieber: Informatische und informationstechnische Systeme erfassen zunehmend alle Lebens- und Arbeitsbereiche, und das grenzüberschreitend. Deshalb ist die internationale Zusammenarbeit insbesondere in Europa so wichtig. Gemeinsam mit der Gesellschaft für Informatik in Deutschland wollen wir Treiber, Mahner und Sprachrohr einer verantwortungs- vollen und nachhaltigen Entwicklung in Bezug auf den Ein- satz von sowie den Umgang mit Informationstechnologien sein – im DACH-Kontext, aber auch darüber hinaus.

 

Dieses Interview erschien auch im GI-Jahresbericht 2018/2019, der hier zum Download bereit ist.

Dr. Ronald Bieber (OCG)
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