Blogbeitrag

Thema im Fokus: Bundesweite Informatikwettbewerbe. Rund vier Jahrzehnte Talentförderung innerhalb der GI

Die GI feiert, und das zu Recht: Seit Ihrer Gründung am 16. September 1969, seit 50 Jahren also vertritt sie die Informatik in der Öffentlichkeit.

1980, lediglich 11 Jahre später, als Informatik verhalten Einzug ins deutsche Schulsystem nahm, wurde der Bundeswettbewerb Informatik (BwInf) von der GI auf Initiative von Prof. Dr. Volker Claus ins Leben gerufen. In seiner heutigen, aufgabenorientierten Form besteht der BwInf seit dem 18. Juli 1983. Damals wurde der Kooperationsvertrag zwischen der Gesellschaft für Informatik (Gl) und der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD) zur „Durchführung von Jugendwettbewerben im Bereich der Informatik“ unterzeichnet. 

1983 gab es das Fach Informatik in Nordrhein-Westfalen an Gymnasien erst seit 4 Jahren, und wenige private Haushalte verfügten über einen eigenen Computer. Um so bemerkenswerter ist es, dass bereits zu diesem Zeitpunkt eine Initiative zur Förderung des informatischen Nachwuchses ergriffen wurde. 

Der BwInf leistet umfangreiche Förderung. Zunächst durch das Teilnehmen selbst: Das eigene informatische Talent zu entdecken und dieses weiter zu entwickeln ist ein großer, persönlicher Erfolg für jeden Teilnehmenden und motiviert zum Weitermachen, im besten Fall bis ins Finale, wo Aufgaben auf Hochschulniveau bearbeitet werden 

„Genau wie die Athleten bei sportlichen Großereignissen erreichen die Jugendlichen während des Wettbewerbs Höchstleistungen. Das ist einfach spannend zu verfolgen und macht Lust auf Informatik.“ – Dr. Wolfgang Pohl, BWINF-Geschäftsführer

Neben der Teilnahme sind die BwInf-Workshops, die von Hochschulen oder Unternehmen ausgerichtet werden, zu einem wichtigen Förderinstrument geworden. Hier sammeln die jungen Menschen Praxiserfahrungen und knüpfen wertvolle Kontakte. Der Austausch mit Gleichgesinnten, aber auch die Kontakte zu Studierenden, Professorinnen und Professoren sowie Informatikerinnen und Informatikern aus Wirtschaft und Wissenschaft liefern wertvolle persönliche Impulse. Seit über 30 Jahren lernen BwInf-Teilnehmer beim „Jugendforum Informatik“ in Baden-Württemberg dazu, und im März 2005 lud das Hasso-Plattner-Institut zum ersten Mal zu einem Workshop ein – und tut das seitdem jedes Jahr. Stefan Neubert, ehemaliger BwInf-Preisträger, hat als Schüler über den BwInf-Workshop am HPI seinen Studienort gefunden. Heute ist er als Doktorand wissenschaftlich am HPI tätig. 

„Ich hab tatsächlich das meiste, was ich vorm Studium über Informatik gelernt habe, aus der Bearbeitung der Aufgaben im BwInf gelernt. Ich hab mir dadurch schon eine ganze Ladung Fähigkeiten angeeignet.“ – Stefan Neubert, ehemaliger BwInf-Preisträger

Mittlerweile gibt es zehn regelmäßige BwInf-Workshops. Als Ausrichter fördert Google zum Beispiel mit dem Girls@Google Day speziell die Teilnehmerinnen. Die Zusammenarbeit mit Google als Workshop-Partner für Mädchen besteht 2020 seit 10 Jahren. Bei Vanessa Ackermann, BwInf-Preisträgerin, ist der Tag bei Google heute noch auch als fachliches Erlebnis präsent. Die junge Frau haben die Erlebnisse rund um die BwInf-Teilnahme zum Informatikstudium gebracht. 

„Der BwInf ist ein besonders schöner Wettbewerb, weil er sehr chancengleich ist. Ich habe so viele positive Erfahrungen gesammelt, dass ich mich zu einem Informatikstudium entschlossen habe.“ – Vanessa Ackermann, ehemalige BwInf-Preisträgerin 

Doch schon lange stehen die Buchstaben B, W, I, N und F nicht mehr nur für den Bundeswettbewerb Informatik, sondern für das Gesamtangebot der „Bundesweiten Informatikwettbewerbe“ (BWINF). Heute richtet BWINF drei Schülerwettbewerbe aus: den Informatik-Biber, den Jugendwettbewerb Informatik (JwInf) und eben den Bundeswettbewerb Informatik (BwInf). Während der Biber als Breitenwettbewerb angelegt keine Vorkenntnisse erfordert, ermöglicht der JwInf erste Schritte auf dem Weg zum Programmieren. Teilnehmende der letzten JwInf-Runde lösen bereits leichtere Aufgaben des Bundeswettbewerbs Informatik. BWINF ist außerdem für die Auswahl und Teilnahme des deutschen Teams bei der Internationalen Informatik-Olympiade (IOI) verantwortlich. Das BWINF-Angebot ist pyramidal organisiert: Die Wettbewerbe bauen fachlich aufeinander auf.

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die an den Wettbewerben von BWINF teilnehmen steigt stetig. 373.406 Schülerinnen und Schüler machten beim Biber 2018 mit, 16.494 waren es 2019 beim JwInf und 1.682 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim 37. BwInf. 

BWINF fördert also mittlerweile Hunderttausende junger Menschen jährlich. Doch angesichts dieser Resonanz ist Förderung nicht mehr die einzige Wirkung der Wettbewerbe. Schon die Unterzeichner des BwInf-Vertrags von 1983 wollten Aufklärung und damit auch Werbung für die Informatik. Mit dem BwInf sollte, „vornehmlich im Schulbereich, die Einsicht in Methoden und Anwendungen der Informatik auf breiter Basis gefördert werden“. Diese breite Basis ist mit zuletzt annähernd 400.000 jährlichen BWINF-Teilnehmerinnen und -Teilnehmern eindrucksvoll erreicht. Seit 2016 lautet das Motto des Informatik-Biber „Informatik für alle“. Dass dies auch das Motto der letzten GI-Fachtagung Informatik und Schule (INFOS) des Fachausschusses „Informatische Bildung in Schulen” war, zeigt einerseits, wie gut die Wettbewerbe zu den allgemeinen Zielen der GI passen und welch wichtiges Werkzeug sie für die GI geworden sind.

Dieser Beitrag wurde freundlicherweise von der BwInf-Geschäftsstelle verfasst. Vielen Dank!