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Erhalt des digitalen Kulturerbes

Wie bewahren wir digitale Informationen für unsere Nachwelt auf? Bücher, Bilder und Tonträger lassen sich ins Museum stellen. Sie lassen sich sogar digitalisieren und digitalisiert für lange Zeit archivieren. Wie aber bewahrt man einen Video-Clip, der digital erstellt und nur im Internet veröffentlicht wird, für die nachfolgenden Generationen auf?

Die Digitalisierung hat längst auch unsere Kultur erfasst. Das birgt Chancen, denn digitalisiert sind analoge Artefakte wie Bücher einem größeren Interessenten-Kreis zugänglich. Gleichzeitig verändert sich der Gegenstand jedoch, er verliert beispielweise seine Haptik. Damit verbunden sind zwei zentrale Herausforderungen: Wie können virtuelle Objekte angemessen präsentiert und zugänglich gemacht werden? Und es stellt sich die Frage nach der Langzeitarchivierung: Wie lässt sich das digitale Kulturerbe dauerhaft bewahren?

Neben den digitalisierten analogen Artefakten haben wir es mittlerweile aber auch mit vielen alltäglichen digitalen Kulturgütern wie Fotos, Filmen, Musik oder E-Mails zu tun. Nicht zu vergessen sind auch die so genannten Born Digitals wie Programme oder Spiele, die überhaupt keine analoge Entsprechung mehr haben. Im Gegensatz zu analogen Datenträgern wie Steintafeln, verfügen digitale Datenträger allerdings nur über wenige Jahre Halbwertszeit.

Problematisch sind zudem proprietäre Systeme und Formate, denn damit sind Daten von der Interpretation durch eine bestimmte Software abhängig. Rechtliche Fragen im Zusammenhang mit Urheberrechtsschutz, Digital Rights Management und Cloud Computing erschweren die Langzeitarchivierung zusätzlich. Insgesamt droht so der Verlust digitaler Kulturgüter. Und was die Präsentation betrifft, so stehen Konzepte für die Verschmelzung digitaler Kultursammlungen mit den Möglichkeiten physikalischer Gedächtnisorganisationen wie Archive, Museen oder Bibliotheken noch am Anfang ihrer Entwicklung.

Lösungen zur Bewahrung des digitalen Kulturerbes müssen neben rechtlichen Aspekten viele fachspezifische und technische Anforderungen berücksichtigen, was die Konsensfindung erschwert. Auch ist Langzeitarchivierung aus technischer Sicht kein einmaliger Vorgang, sondern eine dauerhafte Aufgabe: Datenbestände müssen kopiert, umformatiert und emuliert werden. Am sinnvollsten geschieht dies mithilfe offener Standards und Open-Source-Software, um Nachvollziehbarkeit und langfristige Nutzung zu sichern. Doch wie zuverlässig sind Methoden der Langzeitarchivierung überhaupt? Hier stehen Testverfahren aus.

Mit ersten Ansätzen, die dem Paradigma Blended Interaction folgen, entstehen auch neue Interaktionskonzepte für die Präsentation digitaler Kulturgüter; die interaktive Wissensvermittlung erfolgt hier durch die Kombination von realweltlicher Ausstellung und digitaler Präsentation. Zugang und Bewahrung des digitalen Kulturerbes lassen sich nicht mit einem einzigen Ansatz lösen. Die Grand Challenge ist die Entwicklung von Best Practices in einem längerfristigen und interdisziplinären Prozess.

Mit Strategien zur Langzeitarchivierung können wir unser digitales Kulturerbe erhalten und ein „Zeitalter ohne Gedächtnis“ vermeiden. Ohne nachhaltige Langzeitbewahrung ist das digitale Kulturerbe unwiederbringlich verloren. Deshalb benötigen wir Konzepte, um diese Kulturgüter auch für künftige Generationen begreifbar und erlebbar zu machen.

Kontakt

Für den Bereich Langzeitarchivierung:
Dr. Jens-Martin Loebel, Universität Bayreuth

Für den Bereich Mensch-Computer-Interaktion:
Prof. Dr. Maximilian Eibl, Technische Universität Chemnitz
Prof. Dr. Harald Reiterer, Universität Konstanz

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