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Data Science zur Gestaltung der Digitalen Transformation

Quellen

Pousttchi, K.: Digitale Transformation. In: Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik. GITO, Berlin 2017. Online verfügbar: http://www.enzyklopaedie-der-wirtschaftsinformatik.de/lexikon/technologien-methoden/Informatik--Grundlagen/digitalisierung/digitale-transformation

Von Prof. Dr. Key Pousttchi, Universität Potsdam

Der veränderte Umgang mit Daten ist ein wesentlicher Einflussfaktor der Digitalisierung. Aus Sicht der Wirtschaftsinformatik wird dabei einerseits Data Literacy zur conditio sine qua non für Organisationen aller Art, andererseits Data Science zum wichtigsten Gestaltungsmittel der Digitalen Transformation in allen drei Dimensionen Leistungserstellung, Leistungsangebot und Kundeninteraktion. Ihr Einsatz darf dabei nicht isoliert erfolgen, sondern muss sich in das strategische Gesamtkonzept einfügen – häufig wird er dieses maßgeblich beeinflussen oder sogar definieren.

Der Begriff Digitale Transformation bezeichnet erhebliche Veränderungen des Alltagslebens, der Wirtschaft und der Gesellschaft durch die Verwendung digitaler Technologien und Techniken sowie deren Auswirkungen. Typischerweise wird der Begriff im engeren Sinne für die Teilmenge entsprechender Veränderungen von Unternehmen und Branchen verwendet, wobei zwischen den Dimensionen Leistungserstellung, Leistungsangebot und Kundeninteraktion unterschieden wird. Treten die Veränderungen plötzlich und umbruchartig ein, wird hierfür der Begriff Disruption verwendet. 1

Die Digitale Transformation beruht auf der mittelbaren und unmittelbaren Wirkung des Einsatzes digitaler Technologien und Techniken auf organisatorische und ökonomische Gegebenheiten einerseits und neuartige Produkte und Dienstleistungen andererseits.

Neben der stetig steigenden Rechenleistung und Miniaturisierung klassischer IT-Komponenten ist dabei deren allgegenwärtige Integration in Technik aller Art von Bedeutung, speziell in Verbindung mit:

  • flächendeckendem Einsatz von Sensoren und Aktoren einschließlich Audio- und Videoaufzeichnung,
  • Einsatz mobiler elektronischer Kommunikationstechniken zur Vernetzung und automatisierten Kommunikation mit sehr geringen Latenzzeiten,
  • umfassender Erhebung, Archivierung und Verarbeitung sehr großer Datenmengen mittels Big-Data-Techniken,
  • verschiedenen Techniken maschinellen Lernens,
  • fortgeschrittenen Formen der Mensch-Computer-Interaktion.

Insbesondere die Kombination dieser Faktoren führt zu neuen Potentialen für umfassende Automatisierung im kognitiven und gemischt mechanisch-kognitiven Bereich. Außerdem von Bedeutung für die Integration sind Techniken zur Simulation der Realität für den Menschen (Virtual Reality) und zur Ergänzung der Realität für den Menschen um elektronisch generierte Information (Augmented Reality).

Unter den Faktoren spielen Daten mit Abstand die wichtigste Rolle, ihre Generierung oder Verwendung bildet meist Zweck oder Grundlage des Einsatzes der anderen Faktoren.

Die Digitale Transformation findet in drei Dimensionen statt, die aufeinander aufbauen.

Leistungserstellungsmodell: Die erste Dimension der Digitalen Transformation umfasst den Einfluss auf die Erstellung von Produkten und Dienstleistungen einschließlich der dazu notwendigen Unterstützungsprozesse und der Organisation des Unternehmens. Seit 25 Jahren wissen wir, dass die Steigerung der Produktivität von Unternehmen durch den Einsatz von IT nicht in erster Linie ein technisches, sondern ein organisatorisches Problem darstellt und die Erzielung von Effizienz- und Effektivitätsvorteilen die prozessorientierte Umgestaltung des Unternehmens erfordert, damit der Technologieeinsatz an allen Ecken des "magischen Dreiecks" Kosten-Zeit-Qualität zu Verbesserungen führen kann.

Leistungsangebotsmodell: Die zweite Dimension der Digitalen Transformation umfasst den Einfluss auf die Produkte, Dienstleistungen und Erlösmodelle des Unternehmens. Im Mittelpunkt steht dabei die mittelbare und unmittelbare Wirkung des Einsatzes digitaler Technologien und Techniken auf die Verbesserung bestehender Produkte und Dienstleistungen, auf das Angebot neuer oder sogar neuartiger Produkte und Dienstleistungen sowie auf Veränderungen der zugehörigen Erlösmodelle.

Kundeninteraktionsmodell: Die dritte Dimension der Digitalen Transformation umfasst den Einfluss auf Art und Inhalt der Interaktion mit Kunden. Wesentliche Kennzeichen sind die kanalübergreifende und ganzheitliche Gestaltung der Kundenbeziehung und die Einbeziehung automatisierter Kommunikation und moderner Formen der Datenanalyse.

Die Bedeutung von Data Science für das Unternehmen ist dabei in den drei Dimensionen stetig steigend (vgl. Abb. 1): Während die Prozessgestaltung vor allem Data Literacy voraussetzt und Data Science eher in der Optimierung zum Einsatz kommt, bildet letztere im Leistungsangebotsmodell bereits ein wesentliches Element und wird im Kunden­interaktions­modell zur strategisch entscheidenden Größe.

    Über den Autor

    Prof. Dr. Key Pousttchi

    Prof. Dr. Key Pousttchi ist Inhaber des SAP-Stiftungslehrstuhls für Wirtschaftsinformatik und Digitalisierung an der Universität Potsdam. Ziel seiner Aktivitäten in Forschung und Lehre sind die systematische Erforschung der Digitalisierung und die Gestaltung der Digitalen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft mit ingenieurmäßigen Methoden. In der GI ist er Sprecher der Fachgruppe Mobilität und Mobile Informationssysteme (MMS).

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