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Data Science in der deutschen Hochschullandschaft

Fazit und Ausblick

Es bedarf einer weiteren Ausdifferenzierung des Studienangebots für Data Science. Insbesondere sollten

  • weiterbildende Teilzeitstudiengänge (Bachelor- und Masterniveau),
  • weiterbildende Zertifikatskurse (mit ECTS) sowie
  • weiterbildende Seminare und Workshops (ohne ECTS)

konsequent weiter ausgebaut werden. Während bei weiterbildenden Zertifikatskursen und Seminaren schon eine Anschubfinanzierung hilfreich sein kann, gilt es für Studiengänge dauerhafte Finanzierungswege sicherzustellen.

Von Dr. Klaus Wannemacher, HIS-Institut für Hochschulentwicklung e.V. (HIS-HE)

Eine sehr ausgeprägte Nachfrage nach Data Scientists am Arbeitsmarkt trifft auf ein sehr begrenztes Angebot an AbsolventInnen. Die Entwicklung des entsprechenden Studienangebots an deutschen Hochschulen befindet sich noch in einer Frühphase und ist bislang stark von staatlichen Hochschulen dominiert. Es ist ein Mangel an Bachelorstudiengängen, an weiterbildenden Angeboten und an alternativen Qualifizierungsformen erkennbar.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens „Studienangebote im Bereich Data Science – Potenziale für Arbeitsmarkt und Hochschulentwicklung“ geht HIS-HE im Sinne einer Trendanalyse dem Entwicklungsstand im Bereich des Studienangebots für Data Science an den deutschen Hochschulen nach. Im Rahmen einer systematischen Literatur- und Dokumentenrecherche, einer bundesweiten Bestandsaufnahme sowie einer Expertenbefragung werden Tendenzen der Entwicklung des Studienangebots im Bereich Data Science erfasst und ausgewertet.

Eine im Rahmen des Projekts durchgeführte systematische Literatur- und Dokumentenrecherche förderte Studien zum Potenzial von Data Science für Unternehmen, arbeitsmarktanalytische und berufsfeldbezogene Untersuchungen u.Ä. zutage, doch kaum Studien zur Vermittlung einschlägiger Kompetenzen, zum Potenzial von Data Science für die Hochschulentwicklung und nahezu keine Untersuchung zum Studienangebot für Data Science.

Eine Deloitte-Studie zu „Data Analytics“, in deren Rahmen 291 deutsche Unternehmen ab 100 Mio. Euro Umsatz befragt worden waren, gelangte 2015 im Hinblick auf die Verfügbarkeit von Data-Science-Experten am Arbeitsmarkt zu einer kritischen Einschätzung: „Noch bietet der Hochschulsektor in Deutschland aber kaum dezidierte Studiengänge in diese Richtung; die Fähigkeiten bringen am ehesten Naturwissenschaftler mit.“ 47 Prozent der befragten Unternehmen sprachen sich für ein Eingreifen der Politik zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit im Auf- und Ausbau in spezialisierten Studiengängen aus.

Die grundsätzliche Situation des Studienangebots im Bereich Data Science an den deutschen Hochschulen ist noch immer wenig komfortabel, hat sich seit der Deloitte-Studie allerdings signifikant verändert, wie Zwischenergebnisse der HIS-HE-Untersuchung belegen.

Die Bestandsaufnahme der Studienangebote im Bereich Data Science an den deutschen Hochschulen zeigt, dass mittlerweile rund 25 Bachelor- und Masterstudiengänge (sowie einige Kontaktstudienangebote/Zertifikatskurse) für Data Science existieren – bei steigender Tendenz. Die Studiengänge wurden mehrheitlich seit 2014 eingeführt und sind weit überwiegend generalistisch konzipiert; nur selten wird ein spezieller fachlicher Fokus verfolgt (z.B. Data Science in der Medizin). Die Studienangebote sind weit überwiegend an staatlichen Universitäten und staatlichen Fachhochschulen angesiedelt. Es handelt sich mehrheitlich um Masterstudiengänge, welche vielfach an zuvor absolvierte Informatik- oder Mathematikstudiengänge anknüpfen.

Gegenwärtig wird eine qualitative, explorative Expertenbefragung unter Vertreter(inne)n von Wirtschaftsverbänden und Unternehmen sowie in Wissenschaftseinrichtungen zur Validierung und Vertiefung der Projektergebnisse durchgeführt. Erste Ergebnisse der Expertenbefragung deuten darauf hin, dass

  • die Nachfrage bei Studieninteressierten sehr ausgeprägt ist. Studiengangssprecher von Data-Science-Studiengängen berichten von jährlichen Ablehnungsquoten zwischen 50 und 95 Prozent.
  • sich trotz hoher fachlicher Anforderungen zahlreiche Fachfremde (mit einem wissenschaftlichen Hintergrund in Betriebswirtschaftslehre, Naturwissenschaften, Psychologie etc.) auf Studienplätze bewerben. Sie holen fehlende Mathematik-/ Informatikkenntnisse zu Beginn des Studiums nach.
  • dass widrige Rahmenbedingungen die Entwicklung weiterbildender Angebote durch Hochschulen hemmen (z.B. die MOOC-Konkurrenz aus den USA, heterogene Zielgruppen und die hochschulrechtlich verankerte Norm kostendeckenden Arbeitens bei weiterbildenden Angeboten).

    Über den Autor

    Dr. Klaus Wannemacher

    Dr. Klaus Wannemacher ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Geschäftsbereich Hochschul­management des HIS-Instituts für Hochschulentwicklung (HIS-HE). Als Organisationsberater unterstützt er Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Ministerien mit Grundlagenarbeiten, Beratungsleistungen und Forschungsprojekten sowie Angeboten zum Wissenstransfer mit einem Schwerpunkt auf dem Bereich Hochschule im digitalen Zeitalter.

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