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"Orte des Internets": ein Bericht aus Berlin

Die Fachgruppe „Internet und Gesellschaft“ hat am 2.9.2014 das Projekt „Orte des Internets“ mit der ersten Tour gestartet. Eingeladen waren Interessierte, die einen Eindruck erhalten wollten, wie das Internet funktioniert oder wer dafür zuständig ist. Besucht wurden Orte und Menschen in Berlin, die die technische Infrastruktur des Netzes auf unterschiedliche und maßgebliche Weise mitgestalten. Zu den Stationen gehörten der Internetknoten Berlin Commercial Internet Exchange (BCIX), die Registrierungsstelle dotBERLIN für die Domain .berlin sowie der E-Mail-Anbieter Posteo.

Der Vorstandsvorsitzende des BCIX, Peter Lampe, gewährte technisch detaillierte Einblicke in das modernste Rechenzentrum des BCIX, welches von der Firma e-Shelter betrieben wird. Schnell zeigte sich, wie abhängig die Region Berlin-Brandenburg von dem Netzknoten inzwischen geworden ist und wieviel Verantwortung der BCIX sowie Provider für das funktionstüchtige schnelle Glasfasernetz tragen. 

Katrin Ohlmer von dotBERLIN erzählte in der zweiten Station davon, welche Ausdauer man haben muss, um in Zusammenarbeit mit der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) eine neue Domain ins Leben zu rufen und dann betreiben zu dürfen. Die Registry hat dafür einen siebenstelligen Euro-Betrag ausgeben und zehn Jahre Lobbyarbeit betrieben.

Als letzte Internetstation besuchte die Gruppe den E-Mail-Betreiber Posteo, der einen sicheren, grünen und werbefreien E-Mail-Dienst anbietet. Vor allem nach den Snowden-Enthüllungen hat das Unternehmen einen großen Zuwachs erlebt. Dean Ceulic, Sabrina Löhr und Patrik Löhr zeigten, wie sich Bestands- und Verkehrsdaten auf ein Minimum reduzieren lassen und sich ein E-Mail-Dienst mit konsequentem Einsatz von Verschlüsselung auf Transport- und Inhaltsebene auch am Markt etablieren kann. Den kulturellen Ausklang bot schließlich eine Führung durch das Museum für Kommunikation Berlin.

Bei dem Besuch der einzelnen Stationen ist deutlich geworden, in welchem Ausmaß das Internet von ehrenamtlichem Engagement lebt. Der globale Bedeutungszuwachs des IP-basierten Netzes hat die klassische Netz-Community inzwischen eingeholt. Der globale Bedeutungszuwachs des IP-basierten Netzes hat die klassische Netz-Community inzwischen eingeholt.

Der Ausbau kritischer Infrastrukturen und die zunehmende Abhängigkeit gesellschaftlicher Grundfunktionen vom Netz stellen auch die bisherige Offenheit und Aufklärungsfreudigkeit auf den Prüfstand. Das Rechenzentrum e-shelter ähnelt nicht umsonst einem Hochsicherheitstrakt.

Die Fachgruppe plant weitere Veranstaltungen dieser Art zunächst in Berlin und später auch bundesweit. Sollten Sie an einem solchen Ort arbeiten und an einem Besuch der Fachgruppe interessiert sein, wenden Sie sich bitte an Agata Królikowski.

Eine kleine filmische Dokumentation sowie Informationen zum Projekt finden sich hier. Informationen zur Fachgruppe "Internet und Gesellschaft" finden sich hier.

Die Stationen von oben nach unten: BCIX (v.l.n.r. Wilhelm Boeddinghaus, Helga Krüger, Peter Lampe), dotBERLIN (Katrin Ohlmer) und Posteo (v.l.n.r. Dean Ceulic, Sabrina Löhr, Patrik Löhr), Aufnahme: Jörg Schulze, CMS HU Berlin