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Kinoevent: "The Cleaners: Demokratie im Netz am Ende?"

Trotz sommerlicher Wärme und des folgenden Feiertags kamen am 30. Mai mehr als 100 Gäste ins Bonner Rex Kino, um den Film „THE CLEANERS - die digitale Säuberung“ zu sehen, darunter sehr viele GI-Mitglieder. Dazu hatte die RG Köln aufgerufen, um im Rahmen der Kinotour zum Film mit den Regisseuren zu diskutieren. Von den beiden Regisseuren Moritz Riesewick und Hans Block war am Abend Hans Block dabei und stellte sich den Fragen der GI-Expertenrunde und des Publikums.

Der Film THE CLEANERS enthüllt eine gigantische Schattenindustrie digitaler Zensur in Manila, dem weltweit größten Outsourcing-Standort für Content Moderation. Dort löschen zehntausende Menschen in zehn Stunden Schichten im Auftrag der großen Silicon Valley-Konzerne belastende Fotos und Videos von Facebook, YouTube, Twitter & Co. Komplexe Entscheidungen über Zensur oder Sichtbarkeit von Inhalten werden so an die „Content Moderatoren“ outgesourct.

 Parallel zu den Geschichten von fünf Content Moderatoren erzählt der Film von den globalen Auswirkungen der Onlinezensur und zeigt, wie Fake News und Hass durch die Sozialen Netzwerke verbreitet und verstärkt werden. Die utopische Vision einer vernetzten globalen Internetgemeinde wird endgültig zum Alptraum, wenn hochrangige ehemalige Mitarbeiter der Sozialen Netzwerke Einblicke in die Funktionsweisen und Mechanismen der Plattformen geben. Alles zum Film finden Sie auf www.thecleaners-film.de.

Der Film ist in vielerlei Hinsicht für den unvoreingenommenen Zuschauer verstörend, weil das Gefühl entsteht, dass die Aussicht auf globale Demokratisierung durch Internet und Soziale Medien nur eine Illusion bleiben muss, wenn man sie den großen Internetkonzernen überläßt.

Hans Block zu den Motiven der Filmemacher: „Knapp 15 Jahre nach ihrer Erfindung haben sich soziale Netzwerke zu einem gleichermaßen mächtigen wie gefährlichen Instrument entwickelt, das imstande ist, Gesellschaften zu spalten, Minderheiten auszugrenzen und Genozide zu befördern. Wir wollen vor Augen führen, wohin wir steuern, wenn wir die Verantwortung für die digitale Öffentlichkeit Privatunternehmen überlassen, die Wut und kollektive Empörung zu Geld machen, und deshalb trotz aller Lippenbekenntnisse keinerlei ernsthafte Anstrengung dagegen betreiben.“

Kaum jemand verließ das Kino nach dem Film und so entstand eine lebhafte Diskussion mit Hans Block und den Experten:

  • Prof. Dr. Andreas Schümchen, Medienwissenschaftler der HS Bonn-Rhein-Sieg
  • Dr. Martin Weigele, PAK Datenschutz und Datensicherheit der GI
  • Christian Schmickler, Start-up-Unternehmer im Bereich IT-Sicherheit bei Skymatic

Die Moderation übernahm der Sprecher der RG Köln, Detlef Lippert. Ganz schnell entstand die Frage, was getan werden kann, um die vielen Probleme, die sich auch noch im Verborgenen befinden, zu lösen. Staatliche Regelungen, wie zum Beispiel unser Netzdurchsuchungsgesetz scheinen dazu ebenso untauglich wie zum Beispiel auch unabhängige Organisationen (z.B. die Freiwillige Selbstkontrolle u.ä. Stellen), die mit der schieren Fülle der Problemfälle überfordert wären. Auch effiziente algorithmische Lösungen sind nicht in Sicht, auch im Hinblick auf kulturelle Unterschiede.

Aus Sicht der Medienwissenschaft muss nun ein deutliches Signal gesetzt werden, den etablierten Medien wieder mehr Vertrauen zu schenken, denn dies ist nicht zuletzt durch bestimmte Entwicklungen z.B. in den USA ins Wanken geraten. Die Nutzer selbst sollten den Umgang mit Sozialen Medien überdenken, nicht gedankenlos alle vorgeschlagenen Einstellungen übernehmen und Medien nutzen, die „unbedenklich“ sind. Hier verweisen wir auf die Social-Media-Guidelines der GI.

Der Film läuft noch in den Kinos, orientieren Sie sich auf http://www.thecleaners-film.de/kinotour/.

Für Pädagoginnen und Pädagogen können in Zusammenarbeit mit dem Filmverleih Schulvorführungen organisiert werden. Kontakt.

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