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INFORMATIK 2013 - ein nicht ganz ernst(haft)er Rückblick

Koblenz. Was fällt Ihnen zu Koblenz ein? Das Bundeswehrkrankenhaus? Die Bundesanstalt für Gewässerkunde? Oder eher Kulinarisches: Weinbau an Rhein und Mosel oder ein Sekt Fürst Metternich? Geschichte vielleicht, mit dem Deutschen Eck am Zusammenfluss von Mosel und Rhein? Oder tatsächlich Wissenschaft, eine Universität, die sogar exotische Fächer ihr Eigen nennt (Zitat des Uni-Präsidenten Roman Heiligenthal bei der Begrüßung: „Die Informatik war ein willkommener Exot.“).

Also: Informatik. Nämlich die INFORMATIK 2013, die 43. Jahrestagung unserer Fachgesellschaft unter dem Motto „Informatik angepasst an Mensch, Organisation und Umwelt, die Mitte September am Campus Metternich in Koblenz stattfand. Von Montag bis Freitag suchten rund 1.200 Informatikerinnen und Informatiker die Stadt mit den vielen Hochstraßen heim, legten die Buslinien lahm, überfluteten die Hotels, sodass kein Bett mehr zu finden war, und verwandelten den Campus in einen Ameisenhaufen. Sie stürmten unzählige Workshops und Parallelkonferenzen, die Plenarvorträge am Tag der Informatik und immer wieder den Mittelpunkt der Tagung, das 1.200 Quadratmeter große Zelt im Zentrum des Campus.

Was sich für den Besucher als perfekt organisiert darstellte, hatte am Beginn durchaus seine Tücken. Zum Beispiel wurde es plötzlich so kalt, dass flugs eine Heizung im Zelt installiert werden musste, die die eisigen Nachttemperaturen vertreiben half. Oder aber es gab keinen Strom für eine Hinweistafel, sodass GI-Fellow und Mitorganisator Ulrich Furbach am Wochenende kurz entschlossen einen Bagger organisierte, den Hof der Universität aufbuddelte und dort eigenhändig Stromkabel verlegte, um die Besucher gebührend zu empfangen.

Montag ging´s los, Workshops und ein Treffen des GI-Vorstandes mit den Fellows. Höhepunkt des Dienstags war der Abendempfang mit Barmusik und der Verleihung des GI-Innovationspreises durch Andreas Goerdeler vom Bundeswirtschaftsministerium.

Zwei Projekte wurden in diesem Jahr ausgezeichnet, die „Panoramawurfkamera“, die 360-Grad-Bilder mittels eines mit Kameramodulen gespickten Balls macht, und „Tinnitracks“, eine Software zur Tinnituslinderung. Großer Applaus und großer Spaß mit den Kamerabildern. Großen Spaß bereitete auch der Cocktailroboter von Uni-Mitarbeiter Christian Fuchs, der auf Knopfdruck „Sex on the beach“, „Tequila Sunrise“ oder „Long Island Ice Tea“ servierte. Dem Hörensagen nach wurde im Zelt bis nach Mitternacht gefeiert ...

... sodass das Aufstehen am folgenden Tag der Informatik anscheinend dem einen oder anderen ziemlich schwer fiel. Gegen Mittag jedoch war es im Saal wieder voll, sodass GI-Präsident Günther zur Preisverleihung schreiten konnte: zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte wurden GI-Juniorfellows geehrt, und zwar sieben an der Zahl. Ein Schelm, wer jetzt an Schneewittchen denkt. So aber wurden gestandene Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler ausgezeichnet, von denen sich die GI wertvolle Beiträge und Hilfestellungen erhofft. Und dies sind die Sieben: Rainer Gemulla, Agnes Koschmider, Wim Martens, Björn Scheuermann, Johannes Schöning, Dominik Schultes und Katharina Zweig. Wir gratulieren!

Für seine Dissertation ausgezeichnet wurde Robin Moser von der ETH Zürich; Mareen Przybylla und Ralf Romeike überzeugten mit ihrem interaktiven Garten und erhielten den Unterrichtspreis, und die GI-Fellows freuten sich über Verstärkung in ihren Reihen: Jörg Becker, Klaus Grimm, Klaus Lenk, Erik Maehle und Dirk Taubner sind die Fellows 2013. Ob es nur die Männerriege war, die die Frauen beim anschließenden Betrachten von singenden Robotern im Zelt zu dem Seufzer veranlasste „Kann der auch Kinder hüten?“.

Zum Abend fahren Busse vor und bringen uns nach Bad Ems: Kurort vergangener Zeiten für zahlreiche Musiker, Schriftsteller und Könige, Spielbank und Heilwasser, Emser Pastillen und Emser Depesche. Und ein wunderbarer Marmorsaal mittendrin, in dem wir feiern und tanzen, essen und lachen durften.

Gefeiert wurde Markus Groß mit der Zuse-Medaille. Hieß es früher noch „wo es knallt und raucht, ist Chemie“, erschafft Markus Groß Knall und Rauch jetzt mit Computersimulationen für Hollywood. Herzlichen Glückwunsch, wir freuen uns, jetzt einen Tech-Oskar-Preisträger in unseren Reihen zu haben!

Getanzt wurde nach Klavier- und Bandbegleitung, gegessen wurde reichlich, und gelacht herzlich über Elisabeth Heinemann im Kabarett als „Frau Professor“, die sich fragt, warum Amazon weiß, was sie sich zu Weihnachten wünscht, ihr Mann aber nicht.

Noch mehr gelacht wurde, als Frau Professor GI-Präsidenten Oliver Günther als „Womanizer“ skizzierte und Überlegungen anstellte à la „Kunden, die Oliver Günther mochten, mochten auch ...“. Da konnte sich selbst der Präsident ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Wozu Informatikerinnen und Informatiker nicht alles fähig sind: der Abend hat  manche Überraschungen gebracht. So auch den Ausspruch von Peter L. aus K., der – angesprochen auf sein rosa Hemd - erst erklärte, rosa sei früher eine Männerfarbe gewesen, und dann im Brustton der Überzeugung behauptete: „Ich bin doch nicht eitel!“. Wer´s glaubt ...

Während tagsüber höchst ernsthaft gearbeitet wurde, taugten die Abende also zum Amüsement.  Letztes Highlight in der Riege des Abendprogramms war der Science Slam am Donnerstag, wo junge und etwas ältere Wissenschaftler versuchten, das Publikum mit ihren Projekten in den Bann zu ziehen. Zum ersten Platz hat es nicht gereicht; dennoch haben sich die 4b-Parameter „baggern, brutzeln, bereuen und bejubeln“ zum Thema „Informatik und Religion“ von GI-Fellow Otto Spaniol ins Gedächtnis gebrannt.  Sage noch einer, die Theologie sei eine reine  Geistes- oder die Informatik eine reine Natur- oder Ingenieurwissenschaft.

Versorgt und betreut wurden wir über die ganzen Tage fürstlich und liebevoll, von den Tagungsleitern Ulrich Furbach und Steffen Staab, und ganz besonders von der Organisationsleitung Ruth Ehrenstein mit ihren rund 150 unglaublich flinken Helferlein, die uns unsere Tagung zu einem großen Erlebnis ließen werden. Vielen Dank Ihnen allen!

Und auf ein Wiedersehen auf der INFORMATIK 2014 in Stuttgart!

(Bericht: Cornelia Winter)