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EFI-Gutachten unterstreicht Bedeutung der Informatik

Ende Februar 2018 hat die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) ihr 11. Jahresgutachten an die Bundesregierung überreicht. Die Expertenkommission Forschung und Innovation leistet wissenschaftliche Politikberatung für die Bundesregierung und legt regelmäßig Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands vor. Im Zusammenhang mit den jährlichen Gutachten finden umfassende Analysen der Stärken und Schwächen des deutschen Innovationssystems im internationalen und zeitlichen Vergleich statt. Auf Basis neuester wissenschaftlicher Untersuchungen werden zudem die Perspektiven des Forschungs- und Innovationsstandortes Deutschlands bewertet. Ein zentraler Bestandteil der Gutachten sind Optimierungsvorschläge für die nationale Forschungs- und Innovationspolitik.

In der aktuellen Ausgabe des Gutachtens widmet sich die Kommission ausführlich dem Thema „Digitale Bildung“. Demnach sind die Digitalkompetenzen zentrale Voraussetzung für Innovation und Produktivitätswachstum. Dort heißt es: „Die Expertenkommission hat wiederholt auf die verstärkte Vermittlung von Kompetenzen im Umgang mit digitalen Technologien – kurz: digitale Bildung – gedrängt. Digitale Schlüsselkompetenzen, d. h. alle computer-, daten- und IT-bezogenen Kompetenzen, sind eine wichtige Grundlage, um digitale Technologien sinnvoll einsetzen zu können.“

Neben der Tatsache, dass die Experten einen hohen Bedarf an Fachkräften für die digitale Transformation attestieren setze das Thema „Digitale Bildung“ an deutschen Schulen viel zu spät ein: „Das Schulfach Informatik, sofern überhaupt angeboten, wird in Deutschland frühestens ab der Sekundarstufe I unterrichtet. (...) Auch die didaktische Weiterbildung der Lehrenden im Hinblick auf die sich stetig wandelnden IT-Inhalte ist bislang kaum hinreichend in den Fokus genommen worden. Fort- und Weiterbildungsaktivitäten von Lehrenden zur Nutzung digitaler Medien im Unterricht sind im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich ausgeprägt.“

Die Experten verweisen darauf, beispielsweise in Großbritannien das Fach Computing bereits ab der Grundschule auf dem Lehrplan steht. Die Experten schließen mit der konkreten Forderung: „Digitale Schlüsselkompetenzen sollten bereits in Grundschulen flächendeckend unterrichtet werden. Lehrende in Schulen benötigen nicht nur eine exzellente IT-Ausstattung, sondern auch fortwährende Weiterbildung, um den Grundstein für die digitale Wissensgesellschaft zu legen.“

Zudem weist das Expertengremium auf die wachsende Bedeutung der Informatik hin: „Die relative Bedeutung der Fächer lässt sich anhand der Anteile der Studienanfängerinnen und -anfänger im jeweiligen Fach an allen Studienanfängerinnen und -anfängern bemessen. Der Anteil des Fachs Informatik stieg von knapp 2,9 Prozent in 2006 auf 3,9 Prozent in 2016.131 Auch der Anteil des Fachs Wirtschaftsinformatik wuchs – von 1,4 auf 2,1 Prozent.“

Allerdings schränken die Experten umgehend ein: „Von der wachsenden Bedeutung der Studienfächer mit Informatikbezug kann allerdings nicht auf einen allgemeinen Bedeutungszuwachs von IT-Inhalten in anderen Fächern geschlossen werden. Der Expertenkommission sind Beispiele von Studiengängen an deutschen Exzellenzuniversitäten bekannt, in denen gar keine – auch keine fachbezogenen – Grundlagen im Umgang mit Softwareanwendungen, Datenbanken oder Algorithmenentwicklung vermittelt werden.“

Deshalb, so schließen die Experten in ihren Forderungen an: „„An den Hochschulen sollten, ebenfalls über alle Disziplinen hinweg, neben Programmierkompetenzen und Kenntnissen der Software- und Web- Entwicklung auch Datenwissenschaften und Methoden des maschinellen Lernens vermittelt werden. In diesem Zusammenhang sollten die neuen Möglichkeiten des Art. 91b GG genutzt werden, um in einer gemeinsamen Anstrengung von Bund und Ländern geeignete Best-Practice- Ansätze in Hochschulen umzusetzen.”

Das vollständige Gutachten können Sie hier herunterladen: https://www.e-fi.de/fileadmin/Inhaltskapitel_2018/EFI_Gutachten_2018.pdf.