Lexikon

FDDI - Fiber Distributed Data Interface

FDDI („Fiber Distributed Data Interface") steht für ein lokales Hochgeschwindigkeitsnetzwerk („High Speed Local Area Network", HSLAN), das Lichtwellenleiter(LWL)-Technik in einer Doppelring-Topologie verwendet. HSLANs verbinden in durchsatzintensiven Anwendungen „Server"-Stationen mit Workstations und - als „Backbones" - herkömmliche und mittlerweile standardisierte lokale Netze (CSMA/CD, Token Bus, Token Ring). Im Vergleich zu diesen zeichnet sich FDDI aus durch

  • höhere Übertragungsrate (100 Mbit/s),
  • größere Netzausdehnung (bis zu 100 km),
  • bessere Störsicherheit (aufgrund der LWL-Eigenschaften) und
  • erweiterte Fehlertoleranz (rekonfigurierbarer Doppelring).

Allerdings erfordert der direkte Zugang zu FDDI deutlich höheren Anschaltaufwand.

Konkurrenzentwicklungen zu FDDI werden vorwiegend im Universitätsbereich betrieben. Auf breiterer wirtschaftlicher Basis stehen das von Bellcore entwickelte „Metrocore" und das Projekt IEEE 802.6 DQDB („Distributed Queue Dual Bus"). Beide Systeme verwenden ein „Slotted Bus"-Medienzugangsverfahren, das bei größeren Entfernungen und höheren Datenraten deutlich effizienter ist als das FDDI-Protokoll. Aufgrund passend gewählter Übertragungsraten und Datenrahmenlängen ermöglichen sie einen einfacheren Übergang zu öffentlichen Netzen (Breitband-ISDN).

Der Entwicklungsvorsprung, den FDDI derzeit gegenüber konkurrierenden Verfahren aufweist, zeigt sich darin, daß bereits integrierte Bausteine und Anschalt-Baugruppen erhältlich sind. Im folgenden werden die wichtigsten Festlegungen des FDDI-Normenpakets vorgestellt, ohne auf die zum Teil komplexen Zusammenhänge zwischen Betriebsparametern einzugehen: Die maximale Datenpaketlänge ist in Abhängigkeit von der fest vorgegebenen Länge eines „Elastizitätpuffers" auf 4500 Byte begrenzt, weil alle Stationen im Ring Datenpakete mit ihrem (Toleranzen unterworfenen) lokalen Takt senden. Hinsichtlich des Medienzugangsverfahrens besteht Ähnlichkeit mit dem Token Ring gemäß IEEE 802.5. Akzeptabler Durchsatz bei gestiegener Distanz erforderte eine Modifikation der Token-Weitergabe („Early Token Release", d.h. Token Transfer unmittelbar nach dem Senden eines Datenpakets). Die maximale Token-Rotationszeit wird bei der Initialisierung des Rings von allen Stationen ausgehandelt.

Literatur

  1. Ross, F.E., Hamstra, J.R., Fink, R. L.: FDDI: A LAN Among MANs. Comput. Commun. Rev. 20, (3), 16-31 (1990
  2. Calvo, L., Teener, M.: FDDI-II, Architectural and Implementation Examples. Proc. EFOC/LAN '90, München, S. 76-86

Autor und Copyright

Dr. H. Dietsch R. Ulrich 
Informatik-Forschungsgruppe E 
Universität Erlangen-Nürnberg 
Martensstr. 3, 
W-8520 Erlangen

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