imageBugfix.png
Service

Rückmeldungen zum GI-Facebook-Austritt

Anfang Mai hat die GI-Zentrale verkündet, dass sie Facebook verlassen wird. Am 15. Mai wurde die Seite „Wir sind Informatik“ auf Facebook abgeschaltet.

Die Entscheidung zum Austritt hatte einen langen Vorlauf. Im Präsidium wurden wiederholt Pro und Contra diskutiert, ebenso wie im Vorstand. Lange Zeit schien der Nutzen größer als der Schaden. Nachdem aber wiederholt und immer massivere Datenschutzverletzungen ans Licht kamen, hat der Vorstand entschieden, Facebook zu verlassen.

Die Reaktionen auf diesen Schritt waren erwartungsgemäß gemischt. Wir haben unseren Mitgliedern und den Followern auf Facebook zwei Kanäle zur Rückmeldung geboten: 14 Tage auf Facebook bis zur endgültigen Schließung, und über ein Rückmeldeformular auf unserer Webseite. Beide Wege wurden rege genutzt, wenn auch erwartungsgemäß mit tendenziell unterschiedlichem Ergebnis.

Auf der Facebook-Seite gab es zu der Meldung 2228 Aufrufe, 77 Reaktionen (52 Likes, 14 traurig und 11 wow) sowie 25 Kommentare. Hier halten 14 Kommentatoren die Entscheidung für falsch, 7 äußern Verständnis, bzw. befürworten den Schritt ausdrücklich und 4 fragen nach Alternativen, bzw. schlagen solche vor (Diaspora, Mastodon).

Argumente und Anmerkungen, dass die Entscheidung aus Sicht der Follower falsch war, sind:

  • Damit zeigt die GI, dass sie rückständig ist.
  • Sie schneidet ihre gut 3.300 Follower von Informationen ab.
  • Sie kann Facebook nicht beeinflussen, wenn sie dort nicht präsent ist.
  • Sie kann ihre Follower nicht mehr auf Missstände bei Facebook hinweisen und ihrer Rolle als „Erzieherin“ gerecht werden.
  • Austritt ist Kapitulation.
  • Mit ihrem Austritt überlässt die GI den Datenkraken das Feld.
  • GI zieht sich aus der Kommunikation mit der realen Welt zurück.

Argumente und Anmerkungen, dass die Entscheidung aus Sicht der Follower richtig war, sind:

  • Die GI hat genug eigene Kanäle, die wirklich Interessierten zu informieren.
  • GI setzt damit ein Statement für ihre Werte und Ziele.
  • Unternehmen wie Facebook sind die Aushöhlung der informationellen Selbstbestimmung. Da sollte die GI nicht mitmachen.

Über das Rückmeldeformular auf der GI-Webseite gab es 38 Rückmeldungen, darunter 30 Zustimmungen, 5 Ablehnungen und 3 Sonstige (Alternativvorschläge).

Argumente und Anmerkungen, dass die Entscheidung aus Sicht der GI-Mitglieder falsch war, sind:

  • Ich bin der GI vor fast 40 Jahren beigetreten, weil sie versprach, einem jungen Wissenschaftszweig Geltung zu verschaffen. Unpolitisch! Ich verstehe die GI nicht als eine Institution, die sich einer political correctness und der Bestrafung Unbotmäßiger verschreibt. Mit anderen Worten: Sie springen mit Ihrer Entscheidung ohne sachlichen Grund auf einen Zug auf, um öffentliches Wohlwollen zu ernten. Eine ganz billige, populistische Nummer!
  • Auf Facebook hätte man die Möglichkeit, diejenigen zu erreichen, die Facebook unkritisch in die Hände spielen.
  • Es bringt in meinen Augen nichts, als Vereinigung mit einer gewissen Reichweite und Relevanz aus Facebook auszutreten, wenn dieser Austritt nicht damit einhergeht, Alternativen aufzuzeigen und zu erklären, was diese anders und besser machen. Aufgrund der traurigen Tatsache, dass für einen nicht unbedeutenden Teil unserer Gesellschaft die Wahrnehmung des digitalen Raumes fast nur noch durch Konzerne wie Facebook bestimmt wird, kommt ein Austritt aus Facebook ohne Alternativen zu nutzen und zu benennen einem Suizid im "stillen Kämmerlein" gleich: Sie verschwinden einfach und es wird sich aus der Perspektive derer, die Sie als "Fachgesellschaft von verantwortungsbewussten Informatikerinnen und Informatikern" eigentlich erreichen *sollten*, nichts ändern.
  • Rückwärtsgewandt, pessimistisch und letztendlich typisch deutsch: Die GI ist ja weder etwas sehr Privates oder Persönliches. Ich denke die GI beteiligt sich damit in auffälliger Weise an '"technischen Religionskriegen". Wird sie sich in Zukunft auch z.B. an denen über Betriebssysteme beteiligen z.B. gegen MacOS?
  • "Schon seit einiger Zeit schwelte bei einigen Mitgliedern der Unmut über Facebook und das Verhalten des Konzerns, das seit Monaten immer wieder für negative Schlagzeilen sorgt." Und was ist mit den GI Mitgliedern, bei denen seit einiger Zeit der Unmut anschwillt über den bornierten Umgang einiger GI-Verantwortlichen mit den neuen Medien? Ignorieren statt konstruktive Auseinandersetzung, ist das der neue gesellschaftliche Diskurs? Was ist nur mit uns Informatik Ingenieuren geworden ...

Argumente und Anmerkungen, dass die Entscheidung aus Sicht der GI-Mitglieder richtig war, sind:

  • Sehr gut, wurde auch Zeit.
  • Mutig.
  • Für meine Mitgliedschaft sehe ich es als essentiell an, dass sich die GI aktiv für die Belange von Datenschutz und Datensicherheit einsetzt. Eine dauerhafte Präsenz in einem Unternehmen, dessen Geschäftsmodell auf einem praktisch gläsernen Kunden basiert, bei dem zusätzlich Sicherheitsvorfälle in Kauf genommen werden, verbietet sich.
  • Ein guter Anlass, es Euch endlich gleich zu tun! DANKE.
  • Ich bin glücklich über diesen Schritt. Er ist konsequent und regt - als einschlägige Institution - alle Seiten zum Nachdenken (und Handeln(?) an.
  • Konsequent und verantwortungsbewusst. Ich unterstütze das!
  • Eine sehr mutige Entscheidung, aber konsequent und richtig. Ich gratuliere und hoffe, dass sich viele andere davon inspirieren lassen werden!
  • Bravo! Vielen Dank für dieses konsequente Handeln. Vergleichbares wäre von anderen Unternehmen, Gesellschaften, Institutionen und staatlichen Stellen zu wünschen.
  • Ihre Entscheidung FB zu verlassen, ist eine große, in meinen Augen positive, Entscheidung. Als Mitglied der GI bin ich stolz auf ihre Entscheidung!
  • Ich freue mich über diese Entscheidung, die ich für mich vor einigen Jahren bereits getroffen hatte. Mir ist die Tragweite einer solchen Entscheidung bewusst und sie ist für mich als Einzelperson natürlich einfacher, als für eine Organisation. Ich bedauere, dass es nach wie vor sehr viele unkritische Informatiker zu diesem Thema gibt und hoffe, dass die Entscheidung der GI auch eine Signalwirkung hat.
  • Super! Intelligenz setzt sich durch.

Erwartungsgemäß sehen die Facebook-Follower der Austritt eher kritisch, wobei die relativ hohe Zustimmung (1/3) auch auf Facebook überrascht. Bei den GI-Mitgliedern überwiegt deutlich Zustimmung und Wertschätzung für diesen Schritt. Viele Mitglieder scheinen sich tatsächlich darüber zu freuen und sind stolz darauf, dass „ihre GI“ ausgetreten ist. In der Summe jedoch sind es vergleichsweise wenig Rückmeldungen textlicher Art (62 Personen haben zumindest mit ein paar Worten kommentiert).

Fragen und Antworten zum Facebook-Austritt der GI-Zentrale

Ja, die GI hat im Juni 2010 ihre eigene Seite aufgesetzt. Dies geschah im Rahmen einer Präsidiumssitzung, wo darüber gesprochen wurde, dass eine Präsenz der GI bei Facebook sinnvoll sei, um auch interessierte Nichtmitglieder zu erreichen.

Schon seit längerer Zeit schwelte unter einer relevanten Zahl an Mitgliedern der Unmut darüber, dass Facebook für seine Geschäfte und möglicherweise auch zur Beeinflussung von Bürgerinnen und Bürgen massive Datenschutzverletzungen begeht und hier auch nicht glaubhauft eine Besserung in Sicht war. Diese Mitglieder haben deshalb in die letzte Vorstandssitzung eine Beschlussvorlage eingebracht, in der der Facebookaustritt der GI gefordert wurde. Der Vorstand hat ausführlich darüber beraten und ist der Beschlussempfehlung gefolgt.

Solange Facebook die von uns verurteilten Praktiken anwendet, nicht.

Seit Juni 2010, also knapp acht Jahre.

Insbesondere aus unseren Gliederungen, die sich mit dem Thema Datenschutz beschäftigen (Präsidiumsarbeitskreis Datenschutz und IT-Sicherheit und der Fachbereich SICHERHEIT) gab es seit längerem immer wieder Anläufe, die Entscheidungsgremien der GI zum Austritt zu bewegen.

Die letzten Meldungen über die Weitergabe persönlicher Daten haben das Fass zum Überlaufen gebracht.

Der erweiterte Vorstand der GI hat das auf seiner Sitzung Anfang April 2019 beschlossen.

Wir haben uns alle Argumente sehr sorgfältig angehört und in Abständen immer wieder abgewogen. Lange Zeit überwogen aus der Sicht des Vorstandes die Vorteile, doch letztlich haben die Mitglieder der thematisch mit dem Thema befassten Gliederungen entschieden, dem Vorstand eine breit getragene Beschlussvorlage mit Argumenten und Belegen zum Austritt vorzulegen. Die Initiative zum Austritt ging also von Mitgliedern aus.

Über eine Meldung auf der Webseite, im GI-Radar und auf Facebook selbst vor dem Schließen der Seite.

Wenn man sie aufruft, erscheint ein Hinwies von Facebook, diese Seite gebe es nicht, oder sie sei gelöscht.

Die GI ist demokratisch organisiert. Vorstand und Präsidium geben zwar die Leitlinien vor, aber letztlich hat jede Gliederung gewisse Freiheiten. Wir wollen das auch so, denn die GI lebt von ihren Mitgliedern und deren Ideen, und denen soll Raum zur Entfaltung für die inhaltliche Arbeit gegeben werden. Dehalb können und wollen wir keine Verbote aussprechen - wiewohl wir die Betreiber der Facebookseiten von GI-Gliederungen auf den Beschluss zum Austritt hinweisen und bitten werden, ihre Präsenz in Facebook zu überdenken.

Ihr Feedback zum Facebook-Austritt der GI-Zentrale

Uns interessieren die Gedanken der Mitglieder zu dem Facebook-Austritt der GI-Zentrale. Auch weitere Punkte für die FAQ-Liste nehmen wir gerne auf. Die Antworten werden wir sammeln und eine Zusammenfassung davon auf dieser Seite zur Verfügung stellen. Wir freuen uns auf eine rege Beteiligung.

Facebookaustritt-Feedback

Persönliche Daten
Absenden