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Themenschwerpunkt

Die drei zentralen Herausforderungen für den Bildungsbereich, mit der Perspektive auf zukünftige Entwicklungen

Herausforderung 1: Spagat im Spannungsverhältnis von Struktur und Agilität schaffen

Im Bildungsbereich ergibt sich aktuell in besonderer Weise die Notwendigkeit, den Spagat zwischen einerseits der Planbarkeit und gleichsam der Zuverlässigkeit schulischer Bildung zu garantieren und andererseits angesichts der besonderen Situationen und gesellschaftlichen Veränderungen im Kontext der Digitalisierung agile Strukturen im Bildungsbereich zu schaffen. Wichtig dabei ist, dass die stellenweise altbewährten, der Geschwindigkeit der Veränderungen im Zuge der Digitalisierung nicht mehr gewachsenen, Strukturen im Bildungsbereich zukunftsorientiert abzulösen sind.

Herausforderung 2: Erfordernisse aus 4 unterschiedlichen Perspektiven denken

Digitalisierungsprozesse im schulischen Bildungsbereich sind nicht – wie immer oft diskutiert – von den Technologien und den technischen Möglichkeiten alleine aus zu denken. Vielmehr zeigt sich die Erfordernis Entwicklungen in vier Bereichen gemeinsam und gleichzeitig zu denken: a) den Fokus auf die Qualität von Lehr- und Lernprozesse zu legen; b) die individuellen Perspektiven und Persönlichkeitsentwicklungen von Schülerinnen und Schülern in den Blick zu nehmen; c) einen modernen Arbeitsplatz für Lehrerinnen und Lehrer vorzuhalten und schließlich d) die gesellschaftliche Stabilität in einer sich weiterentwickelnden demokratischen Grundordnung unter den Bedingungen des digitalen Wandels sicherzustellen.

Herausforderung 3: Chancengerechtigkeit und Partizipation nachhaltig sichern

Auch während und nach der Corona-Pandemie ist das Recht auf Bildung für alle Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten. Chancengerechtigkeit und die Überwindung statt Verstärkung von ungleichen Bildungschancen, vor allem für Schülerinnen und Schüler aus sozio-ökonomisch benachteiligten Familien sowie solchen, die jetzt durch die Krise neu in finanziell ungünstige Situationen gekommen sind, sind im besonderen Maße und schnell zu unterstützen. Weiterhin ist aber wichtig, Chancengerechtigkeit für alle Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten. Die gesamte derzeitige Schülergeneration ist und wird von der Krise betroffen sein und in ihrer Bildungsbiografie auf die eine oder andere Art unterbrochen. Die Kräfte sind entsprechend zu bündeln, damit die Corona-Krise nicht zu einer Bildungskrise wird.

Dieser Beitrag wurde von Prof. Dr. Birgit Eickelmann verfasst und erschien im kürzlich veröffentlichten Arbeitspapier Digitale Bildung nach Corona. Prof. Dr. Birgit Eickelmann ist Professorin am Institut für Erziehungswissenschaft für Schulpädagogik der Universität Paderborn. Sie hat unter anderem die Leitung der IEA-Studien ICILS (International Computer and Information Literacy Study) für Deutschland und des europäischen Horizon-2020-Projektes ‚Digital Generation‘ inne und ist Mitglied der Digital-Gipfel-Plattform ‚Digitale Zukunft: Lernen. Forschen. Wissen.‘ zur Entwicklung nachhaltiger Impulse zur digitalen Bildung in Deutschland.

Prof. Dr. Birgit Eickelmann